Kommentar: Nagelsmann muss dieser sinnlosen Debatte sofort ein Ende setzen

Deutschland diskutiert wenige Monate vor der WM noch darüber, wer denn eigentlich im Tor stehen soll. Dabei ist die Debatte völlig überflüssig. Julian Nagelsmann sollte jetzt Klartext sprechen.
In Deutschland tobt mal wieder eine Torhüter-Debatte
In Deutschland tobt mal wieder eine Torhüter-Debatte / picture alliance/GettyImages
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Wer steht bei der WM für Deutschland im Tor? Oliver Baumann, Marc-André ter Stegen oder doch Manuel Neuer? Ganz Deutschland führt eine Debatte, die eigentlich schon längst beendet sein könnte. Sorge tragen kann dafür aber nur einer: Julian Nagelsmann.

Für den Bundestrainer wäre nun der optimale Zeitpunkt gekommen, um endlich Tacheles zu reden und eine Entscheidung mitzuteilen. Die Antwort kann eigentlich nur Oliver Baumann lauten.

Spätestens nach der erneuten Verletzung von Marc-André ter Stegen sollte das klar sein. Zwar ist der 33-Jährige in Topform gewiss ein Regal über Baumann anzusehen, jedoch muss man eben der Wahrheit ins Auge blicken. Diese besagt, dass ter Stegen in den letzten eineinhalb Jahren gerade mal zwölf Pflichtspiele im Klub-Fußball absolviert hat. Nach all den schweren Verletzungen wäre es ohnehin ein kompliziertes Unterfangen gewesen, in Topform zu kommen. Nach dem erneuten Rückschlag samt OP ist es fast schon unmöglich. So tragisch es für ter Stegen persönlich sein mag, kann man nicht mehr auf ihn als Nummer eins bauen.

Nagelsmann braucht Neuer nicht auf Knien anzubetteln

Manuel Neuer ist derweil ohnehin nur in der Diskussion, weil er eben Manuel Neuer ist. Die Faktenlage besagt allerdings, dass der Bayern-Keeper schon lange aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Auf entsprechende Nachfragen von den Medien ließ er sich eigentlich auch kein Hintertürchen offen. Sicherlich ist es nicht ausgeschlossen, dass Neuer zur WM fahren würde, wenn Nagelsmann ihn auf Knien anbetteln würde. Mutmaßlich würde sich der 39-Jährige dazu tatsächlich bereit erklären. Die Not ist aber eben keineswegs gegeben, dass Nagelsmann derartiges machen müsste

Zudem sei gesagt, dass der Neuer von heute eben auch nicht mehr das Niveau seiner Primetime hat. Insbesondere im Spätherbst zeigte der Routinier immer wieder Unsicherheiten. Mit knapp 60 Prozent parierten Bällen gehört er zu den schwächsten Bundesliga-Keepern in dieser Statistik. Diese mag trügen, jedoch ist Neuer schlichtweg nicht mehr so Outstanding wie früher.

Angesichts der Verletzung von ter Stegen und des Rücktritts von Neuer würde sich Nagelsmann auch keineswegs angreifbar machen, wenn er sich jetzt entscheidet.

Baumann hat sich das Vertrauen verdient

Hinzu kommt , dass Baumann eine sehr starke und stabile Saison absolviert. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch, dass die TSG wieder deutlich besser performt und in der Tabelle den dritten Platz belegt.

Wären die Hoffenheimer im Tabellenkeller wäre es sicher ein Stück weit schwerer, Baumann zur unangefochtenen Nummer eins zu erklären. So aber ist der ideale Moment gekommen. Es ist schließlich auch nicht so, dass andere Kandidaten wie Alexander Nübel eine fehlerfreie Saison spielen und sich aufdrängen würden.

In der Nationalmannschaft hat sich Baumann ohnehin nie etwas zu schulden kommen lassen. Der 35-Jährige strahlt Ruhe und Souveränität aus und verleiht dem Team Sicherheit. Derartiges ist letztlich auch bei einem großen Turnier entscheidend. Ein Keeper benötigt es keine 100 Champions-League-Spiele, sondern Nervenstärke und Charakter. Genau das bringt Baumann mit.

Ohnehin ist es Baumann hoch anzurechnen, dass er sich stets positiv über Neuer und ter Stegen geäußert hat. Zu keiner Zeit hat der Hoffenheimer Forderungen gestellt, die Nummer eins zu sein. Genau diese Rolle hat er sich aber verdient und erarbeitet. Alles, was es jetzt braucht, ist die 100-prozentige Unterstützung von Nagelsmann. Deutschland braucht Baumann im Tor – und keine sinnlose Debatte, die zum Nerv-Thema wird und am Ende das gesamte Team verunsichert.


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