Kommentar: Kovac muss Guirassy jetzt fallen lassen
Von Yannik Möller

Inzwischen ist es kaum mehr abzustreiten, dass sich Serhou Guirassy seit nun einigen Wochen in einem handfesten Formtief befindet. Eine Statistik, die das sehr deutlich macht: Ausgehend vom vierten Spieltag hat der Angreifer in der Bundesliga nur ein einziges Tor erzielt. Und das, obwohl er seitdem in lediglich einer Liga-Partie nicht in der Startelf stand.
Guirassy kriegt von Niko Kovac immer wieder das Vertrauen ausgesprochen, immer wieder darf er von Beginn an aufspielen. Doch neben der Tor-Flaute ist es auch der spielerische Aspekt, der für einen Machtwechsel im Sturm von Borussia Dortmund spricht.
Das Unentschieden trotz gleich zweimaliger Führung gegen Eintracht Frankfurt hat nicht an zu wenig eigenen Toren gelegen, das ist bei einem 3:3-Remis so festzuhalten. Und trotzdem wurde sichtbar, dass Fábio Silva als Alternative eine zurzeit viel bessere Anlage bietet. Der Portugiese war viel aktiver, häufiger anspielbar und hatte so einen größeren Einfluss auf das BVB-Spiel, obwohl er (mal wieder) nur ein Drittel der möglichen Spielzeit zugestanden bekam.
Kovac macht sich mit Guirassy auch selbst angreifbar
Kovac würde auch sich selbst einen Gefallen tun, sollte er zumindest vorerst den Bund zu Guirassy kappen. Zuweilen wirkt es so, als würde der Cheftrainer von Schwarz-Gelb regelrecht an ihm festhalten zu wollen, um den berühmten Dosenöffner zu erzwingen. Eine Herangehensweise, die aber ganz offensichtlich nicht funktioniert.
"Ich hätte den ein oder anderen schon eher oder von Beginn an bringen können. Ich habe mich heute für Serhou entschieden", erklärte Kovac nach dem Unentschieden in Frankfurt, nachdem er Silva einen guten Auftritt attestiert hatte. Und dennoch nimmt er Guirassy immer wieder in Schutz, gibt ihm die Chancen. Das mag ehrenhaft sein, ist aber im Sinne des Leistungssport nicht das bestmögliche Szenario für den BVB. Und nur in diesem Sinne kann ein Trainer handeln, wenn er bei einem solch ambitionierten Verein an der Seitenlinie steht.
Kovac macht sich mit seinem Festhalten an Guirassy angreifbar. Es ist eine berechtigte Kritik, die dem Coach wegen dieser Personalentscheidung entgegenschlägt. Es ist ein Risiko, wenn Dortmund einen derart großen Defensiv-Fokus haben muss, um die zuweilen unkreative und auf Einzelaktionen ausgerichtete Offensive auszugleichen. Für den BVB wäre es besser, wenn Kovac in dieser Thematik auf das Leistungsprinzip setzt. Das würde ein Ergebnis zur Folge haben: Der Bankplatz für Guirassy.
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