Skip to main content

Kommentar: Gleich zwei Verlierer im Schlotterbeck-Poker

Borussia Dortmund hat den Vertrag von Nico Schlotterbeck verlängert. Ein Gewinner des Deals ist aber nur der Verteidiger.
Nico Schlotterbeck
Nico Schlotterbeck | Alexandre Simoes/GettyImages

Nach einem wochenlangen Poker ist endlich die Einigung da! Borussia Dortmund hat sich mit Nico Schlotterbeck darauf verständigt, den Vertrag von 2027 bis 2031 zu verlängern. Ein wichtiger Coup für die Schwarzgelben - sollte man meinen.

In Wahrheit hat der BVB durch die Verlängerung aber kaum etwas gewonnen. Denn wie der kicker berichtet, wurde Schlotterbeck eine Ausstiegsklausel zugestanden, die bei 50 bis 60 Millionen Euro liegt und von ausgewählten Top-Klubs aktiviert werden kann. Viel wichtiger aber: Die Klausel ist schon ab diesem Sommer gültig!

Und genau dieser Umstand sorgt dafür, dass es bei der Verlängerung zwei Verlierer gibt. Zum einen den BVB - und zum anderen die Fans.

BVB gibt Planungssicherheit aus der Hand

Denn der BVB gibt durch die Ausstiegsklausel genau das auf, was für eine gute Transferperiode wichtig ist: Planungssicherheit. Anstatt nun schon im Frühjahr Klarheit darüber zu haben, dass Schlotterbeck definitiv auch 2026/27 in Schwarzgelb aufläuft (oder eben nicht), muss man nun abwarten, ob nach einer guten WM nicht doch noch ein Top-Klub um die Ecke kommt und dem BVB den Abwehrchef klaut.

Dortmund hat das Heft des Handelns darüber nicht mehr in der Hand und muss machtlos warten, ob sich nicht im fortgeschrittenen Transferfenster doch noch etwas tut.

Natürlich hat Dortmund durch die Ausstiegsklausel nun eine vernünftige Basis, was die Ablöse betrifft: 50 bis 60 Millionen Euro sind viel Geld, das dem BVB bei einem Schlotterbeck-Abgang winkt. Solch eine Ablöse wäre im Sommer ohne Verlängerung nicht möglich gewesen; zuletzt meldete Sky, das man in diesem Fall mit lediglich 30 bis 35 Millionen Euro rechnen könnte (90min berichtete).

Grob gesagt: Der BVB hat durch die Verlängerung zumindest mal sicher gestellt, 25 bis 30 Millionen Euro mehr zu bekommen, sollte Schlotterbeck im Sommer gehen. Das ist natürlich eine gehörige Summe.

BVB bei Schlotterbeck-Abgang unter großem Druck

Das ist in gewisser Weise das Schmerzensgeld, das der Verein bekommt, weil er die Planungssicherheit im Gegenzug aufgegeben hat. Doch es gibt ein großes Problem: Woher soll der BVB später im Sommer noch einen geeigneten Schlotterbeck-Ersatz bekommen?

Selbst wenn es dann noch interessante Kandidaten auf dem Markt gäbe, würden diese automatisch teurer werden. Denn die abgebenden Vereine wissen auch, dass der BVB a) das nötige Geld, b) großen Bedarf und c) weniger Zeit hat.

Echte Liebe? Fehlanzeige

Während man dem BVB trotz allem eine gewisse Schadensbegrenzung zugestehen könnte, ist dies mit Blick auf die Anhängerschaft definitiv nicht der Fall. Die Fans sind ein noch größerer Verlierer als der Klub, denn nun ist offensichtlich, was der monatelange Poker von Schlotterbeck bereits erahnen ließ: Echte Liebe ist bei Schlotterbeck nicht vorhanden.

Der 26-Jährige galt jahrelang als Identifikationsfigur und Publikumsliebling und hätte das Zeug gehabt, der neue Kapitän des BVB zu werden. All das ist durch die Ausstiegsklausel Schall und Rauch, denn nun ist klar, dass Schlotterbeck eigentlich nur darauf wartet, das Angebot eines Top-Klubs zu bekommen - am besten schon in diesem Sommer. Ein Bekenntnis zu Borussia Dortmund ist seine Verlängerung ganz sicher nicht. Nicht, wenn er sich die Hintertür eines Wechsels schon in diesem Sommer unbedingt offen halten will.

Selbst wenn ein Wechsel in diesem Sommer nicht zustande kommen sollte, kann man Schlotterbeck als BVB-Fan fortan nicht mehr mit demselben Blick wie früher betrachten. Anstatt eines Publikumslieblings ist Schlotterbeck nun jemand, der mit dem nächsten Schritt kokettiert. Die Idee, ihm unter diesen Umständen die Binde zu geben, kann man getrost in die Tonne hauen.

Die Fans müssen sich nun eine neue Identifikationsfigur suchen. Einen neuen Spieler, der in die Fußstapfen eines Marco Reus treten kann. Die Hoffnung, dass Schlotterbeck das wird, ist dahin.

Während der BVB ein kleiner und die Fans ein großer Verlierer sind, ist Schlotterbeck selbstredend ein Gewinner dieses Pokers. Er bekommt nun ein zweistelliges Millionengehalt und hat dabei alle Karten in der eigenen Hand, wenn ein Top-Klub anklopft. Besser hätte der Deal für ihn kaum laufen können.

Loading recommendations... Please wait while we load personalized content recommendations