Der 1. FC Köln hat nach dem Rauswurf von Trainer Lukas Kwasniok zwar wieder nicht gewonnen, dafür aber Charakter bewiesen. Nach 0:2-Rückstand bei Eintracht Frankfurt drehten die Geißböcke in der Schlussphase der Partie auf und belohnten sich immerhin noch mit einem 2:2-Unentschieden.
Kwasnioks Nachfolger René Wagner erlebte damit ein Debüt mit Licht und Schatten, dürfte aufgrund des Spielverlaufs aber mit dem Punktgewinn zufrieden sein. Diese Erkenntnisse ließen sich nach dem Spiel gewinnen:
1. Der große Trainereffekt blieb (zunächst) aus
Es wäre vermessen, inbesondere einen jungen und noch unerfahrenen Trainer nach nur einem Spiel zu bewerten. Wer aber auf den berühmtberüchtigten Trainereffekt von der ersten Sekunde an gehofft hat, der wurde am Sonntag ein wenig enttäuscht.
Wobei: Schon in der allerersten Minute kamen die Kölner durch Ache und Kaminski zu einer Doppelchance, danach flachten die Angriffsbemühungen der Gäste aber schnell wieder ab. So müssen die Effzeh-Fans nach nun acht sieglosen Spielen infolge weiterhin auf den lang ersehnten Dreier hoffen.
2. Der Effzeh gibt sich weiterhin nicht auf
Wer befürchtet hatte, dass die Einstellung der Mannschaft unter dem Rauswurf von Kwasniok gelitten hat, dürfte vom Gegenteil überzeugt worden sein. Denn wenn man den Kölnern in dieser Saison eines nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnder Kampfgeist und Wille bis zur letzten Sekunde.
Diesen haben die Kölner insbesondere nach den beiden Gegentoren in Frankfurt gezeigt, als kaum noch jemand an sie geglaubt hat – außer eben die Mannschaft selbst.
3. Die Joker sind wieder voll da
Unter Kwasniok führten Einwechslungen zuletzt nur noch selten zum Erfolg, in Frankfurt bewies Wagner gleich mal ein goldenes Händchen. Das Tor zum 2:2 war eine gemeinsame Produktion eines Joker-Trios: Luca Waldschmidt leitete eine Flanke auf Marius Bülter weiter, der den Torschützen Alessio Castro-Montes bediente. Und auch Isak Johannesson, der überraschend erst von der Bank kam, hatte an beiden Treffern seine Aktien.
Dieser Effekt von der Bank aus könnte im Abstiegskampf noch zu einem entscheidenden Faktor werden.

4. Die Defensive ist nach wie vor zu instabil
Der Effzeh kassiert in dieser Saison zwar keine Gegentore en masse, unterm Strich aber trotzdem zu viele. Diese verteilen sich recht gleichmäßig auf die Spiele und kosten somit immer wieder Punkte. Erst dreimal spielten die Kölner in der laufenden Spielzeit zu Null und tatsächlich führten alle bisherigen weißen Westen von Keeper Marvin Schwäbe auch zu Siegen.
Auch bei den Hessen zeigte man sich in der einen oder anderen Situation zu anfällig. Insbesondere die beiden Gegentreffer waren schlecht verteidigt. Trotz der geringeren Qualität der kommenden Gegner könnten diese Nachlässigkeiten auch von Bremen und St. Pauli gnadenlos ausgenutzt werden.
Wagner dürfte spätestens jetzt also ganz genau wissen, woran er ansetzen muss.
5. Es wird nicht leichter
Zum Schluss noch eine naheliegende, aber dennoch wichtige Erkenntnis, die sich jeder Effzeh-Fan bewusst machen sollte: Es wird trotz des Trainerwechsels in den kommenden Wochen verdammt schwer. Die direkten Duelle gegen Werder Bremen und St. Pauli an den nächsten beiden Spieltagen werden wegweisend sein - und auch zu einer faireren Bewertung von Wagners Anfangszeit als Cheftrainer sein.
