Kobel-Patzer bei bitterem BVB-Aus: Emre Can findet deutliche Worte
Von Oliver Helbig

Schockstarre, Enttäuschung und Leere bei Borussia Dortmund nach dem bitteren Ausscheiden in den Playoffs der Champions League. Nachdem die Borussen das Hinspiel gegen den italienischen Vertreter Atalanta Bergamo noch mit 2:0 gewinnen konnten, wähnte sich ein großer Teil der schwarz-gelben Gemeinde bereits im Achtelfinale der Königsklasse. Doch der Serie A-Klub versetzte dem BVB einen schmerzhaften Dolchstoß, fegte das Team von Niko Kovac mit einem deutlichen 4:1 vom Platz und somit aus dem Wettbewerb.
Nach dem Abpfiff war die Stimmung dementsprechend gedrückt im Dortmunder Lager. Vor allem bei Torhüter Gregor Kobel, der maßgeblich an der Entstehung des letzten und am Ende entscheidenden Gegentreffers der Italiener beteiligt war.
Dolchstoß nach Torwartfehler - Kobel nimmt Schuld auf sich
Zwar kamen alle Gegentore der Dortmunder im Grunde unglücklich zustande, Torhüter Gregor Kobel war jedoch auch nicht ganz unbeteiligt. Unmittelbar vor dem 2:0 der Italiener faustete er den Ball direkt vor die Füße von Atalantas Zappacosta, der ihn im Tor versenkte. Deutlich bitterer war sein Patzer beim zwischenzeitlichen Spielstand von 3:1 aus Sicht Bergamos.
Kobel versuchte sich außerhalb seines Strafraums am Spielaufbau zu beteiligen, spielte den Ball aber in den Lauf von Gegenspieler Mario Pasalic, der daraufhin in den Dortmunder Sechzehner flankte, um seinen Mitspieler Kristovic zu bedienen.
Dieser wurde vom insgesamt unglücklich agierenden Ramy Bensebaini beim Klärungsversuch mit dem Fuß am Kopf getroffen und trug eine blutende Platzwunde davon, was nicht nur einen Strafstoß für Atalanta und eine Gelb-Rote Karte für Bensebaini zur Folge hatte, sondern letztlich auch den 4:1-Nackenschlag für den BVB und das Ausscheiden aus der Königsklasse bedeutete.
"Das war mein Fehler. Es tut mir natürlich super leid für meine Jungs, weil ich glaube, dass wir eine gute Aufholjagd hatten, eigentlich wieder gut im Spiel waren, und dann so ein Ende."
- Gregor Kobel zum vierten Gegentor
Keeper Kobel nahm den vierten und entscheidenden Gegentreffer seines Teams auf seine Kappe. "Das war mein Fehler. Es tut mir natürlich super leid für meine Jungs, weil ich glaube, dass wir eine gute Aufholjagd hatten, eigentlich wieder gut im Spiel waren, und dann so ein Ende", so Kobel.
Der Schweizer erklärte die bittere Szene bei DAZN wie folgt: "Ich wollte den Ball natürlich zuerst weghauen, musste mich im Bruchteil einer Sekunde entscheiden. Ich habe versucht, noch eine Lösung zu finden. Aber wie gesagt, den muss ich natürlich einfach irgendwie klären."
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Kapitän Emre Can stellt sich schützend vor seinen Keeper
Die beiden Pechvögel des Champions-League-Abends wurden allerdings von BVB-Kapitän Emre Can in Schutz genommen. "Kein Vorwurf an irgendeinen Spieler: Aber wenn du so viele individuelle Fehler machst, dann wird es schwer weiterzukommen", sagte Can nach Spielende bei DAZN und ergänzte wenig später mit Blick auf den Dortmunder Schlussmann: "Wie oft hat uns Gregor in dieser Saison geholfen und gerettet? Wie er in der ersten Halbzeit wieder einen rausholt, das ist schon wahnsinnig. Es tut mir leid für ihn! Wie gesagt: kein Vorwurf, überhaupt kein Vorwurf. Es kam alles zusammen."
"Wie oft hat uns Gregor in dieser Saison geholfen und gerettet? Es tut mir leid für ihn! Wie gesagt: kein Vorwurf, überhaupt kein Vorwurf."
- Emre Can über Gregor Kobel
Der Dortmunder Kapitän sah die Hauptgründe des Ausscheidens nicht in den vermeintlichen Fehlern von Gregor Kobel. "Wenn wir unsere Chancen nutzen würden, und ich glaube schon, dass wir in der zweiten Halbzeit einige hundertprozentige hatten, dann ist das am Ende sehr, sehr unglücklich. Aber wenn man ehrlich ist, sind wir auch verdient nicht weitergekommen."
Ein bitteres Fazit, das sich bei den Borussen quer durch die Bank so zu bestätigen schien. "Es tut extrem weh“, so Emre Can deutlich.
BVB-Blick richtet sich nun auf den Klassiker
Nach diesem niederschmetternden Fußballabend versuchte Gregor Kobel, den Blick schon wieder vorwärts und in Richtung des anstehenden Klassikers gegen den FC Bayern München am kommenden Samstag zu richten. "Jetzt geht es darum, den Mund abzuputzen, weiterzumachen und fürs Team da zu sein, dass wir uns alle schnell sammeln und am Wochenende da sind. Was geschehen ist, ist geschehen“, sagte der verbitterte und enttäuschte Schweizer Schlussmann.
Nach Spielende wurde Trainer Niko Kovac auch zu seinen beiden unglücklich agierenden Hauptakteuren des Abends, Ramy Bensebaini und Gregor Kobel, befragt. Kovac reagierte allerdings ausweichend auf dieses Thema und richtete den Blick stattdessen in die Zukunft.
"Wir müssen natürlich Wunden lecken und die Dinge ansprechen. Aber wir haben in drei Tagen ein Bundesligaspiel, das macht es nicht leichter, weil der Deutsche Meister kommt", richtete der Dortmunder Cheftrainer das Augenmerk nun auf den Klassiker gegen den FC Bayern. "Deshalb Kräfte bündeln, um am Samstag eine gute Performance abzuliefern", so die Marschroute von Niko Kovac.
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