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Koan Ballon d‘Or: Die bittere Wahrheit bei Michael Olise

Michael Olise erwischt gegen Spanien einen gebrauchten Tag. Für den Bayern-Star ist es ein bitteres Déjà-vu.
Michael Olise erwischte gegen Spanien einen ganz bitteren Tag
Michael Olise erwischte gegen Spanien einen ganz bitteren Tag | Florencia Tan Jun/GettyImages

"Du hast ihn fertiggemacht. Hol ihn aus deiner Tasche": Diese deutlichen Worte soll Fabián Ruiz nach dem 2:0 der Spanier zu Marc Cucurella in Bezug auf Michael Olise gesagt haben. Besonders bitter für den Bayern-Star: Ruiz hatte mit seiner Beurteilung zu 100 Prozent recht.

Olise konnte im WM-Halbfinale überhaupt keinen Stich setzen. Folgerichtig war die Beurteilung in den Medien vernichtend. So Foot nannte Olises WM-Halbfinale ein "non-match" und beschrieb seinen Auftritt als "fantomatique", also geisterhaft. Der L’Equipe zufolge haben er und Lucas Digne "alles vermasselt".

Halbfinal-Déjà-vu für Olise

Tatsächlich waren die Statistiken katastrophal. Olise gab keinen Schuss ab, bereitete keinen vor, verzeichnete kein erfolgreiches Dribbling und hatte 20 Ballverluste bei 55 Ballkontakten. Für Olise ist es gewissermaßen ein bitteres Déjà-vu.

Auch beim FC Bayern hat der Offensiv-Künstler eigentlich eine sagenhafte Saison gespielt, nur um dann im Champions-League-Halbfinale im Rückspiel gegen PSG plötzlich die mit Abstand schwächste Leistung zu bringen. Zwar war er an mehreren Abschlüssen beteiligt, verzeichnete aber unglaubliche 30 Ballverluste, brachte keine Flanke an den Mann und gewann nur 33 Prozent seiner Dribblings. Dem Mittelfeld-Künstler wollte einfach nichts gelingen.

Olise wirkt in den Top-Duellen noch gehemmt

Hat Michael Olise also ein Big-Game-Problem? Nach dieser Saison muss man die Frage mit einem "Ja" beantworten. Mit seinen ansonsten enorm starken und konstanten Leistungen sowohl für den FC Bayern als auch für Frankreich hat Olise die Messlatte natürlich hoch gelegt. Mutiert er dann aber genau bei den beiden wichtigsten Spielen im Jahr zum Totalausfall, lässt das kaum einen anderen Schluss zu.

Zwar präsentiert sich Olise immer sehr cool und entspannt und zeigt auch, wenn es nicht läuft, selten Momente der Frustration, jedoch könnte es in seinem Kopf anders aussehen. Sowohl gegen PSG im Rückspiel als auch gegen Spanien wirkte der 24-Jährige gehemmt und nicht zu 100 Prozent überzeugt von sich und seinen Aktionen. Das daraus resultierende geringfügige Zögern in seinen Bewegungen und bei seinen Pässen wird auf internationaler Top-Ebene gnadenlos bestraft.

Natürlich wissen auch die gegnerischen Coaches inzwischen, dass Olise ein absoluter Schlüsselspieler ist. Wird er jedoch von mehreren Akteuren direkt unter Druck gesetzt, scheint er seine Spielkunst nicht mehr ganz zur Entfaltung bringen zu können. Mit Nuno Mendes und Marc Cucurella bekam er es auch mit den weltbesten Linksverteidigern zu tun. Ein Fingerzeig dafür, dass er sich gegen die Elite noch schwer tut.

Olise ist noch nicht reif genug für den Ballon d‘Or

Im Vorfeld der WM wurde Olise trotz des schwachen Auftritts im PSG-Rückspiel als heißer Kandidat für den Ballon d‘Or genannt. Nach dem Halbfinal-Aus muss man aber festhalten, dass eine Ehrung mit der begehrtesten Individualauszeichnung nicht mehr gerechtfertigt wäre. Das Match gegen Spanien hat schließlich gezeigt, dass es sich beim CL-Spiel nicht um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt hat. Besonders ins Gewicht fällt, dass die beiden Auftritte nicht nur durchwachsen, sondern wahrlich auffallend schwach waren.

Womöglich ist Olise einfach noch nicht reif dafür, bei allen wichtigen Spielen verlässlich seine Leistung zu bringen. Man darf nicht vergessen, dass der Offensiv-Star erst zwei Champions-League-Saisons hinter sich hat und zuvor für einen mittelmäßigen Insel-Klub auf dem Platz stand. Für den Bayern-Star geht es nun darum, aus den Spielen seine Lehren zu ziehen und in den kommenden Jahren noch stärker zu werden. Mit 24 Jahren muss man schließlich noch lange nicht fertig mit seiner Entwicklung sein.

Olise auch mit starken Momenten in wichtigen Spielen

Zur Ehrenrettung von Olise sei erwähnt, dass er längst nicht in allen großen Partien untergegangen ist. Beim CL-Aus gegen Inter Mailand im Jahr 2025 konnte er zwar keine Torbeteiligung markieren, gehörte jedoch insbesondere im Hinspiel zu den besseren Bayern-Stars. In der abgelaufenen CL-Saison zeigte er gegen Real Madrid starke Leistungen und lieferte auch in beiden Spielen einen Scorer. Beim Halbfinal-Hinspiel gegen PSG erzielte er ebenfalls einen Treffer.

Gegen die schärfsten Bundesliga-Rivalen wie Leverkusen (acht Pflichtspiele, sieben Scorer), Stuttgart (sechs Pflichtspiele, sechs Scorer), Leipzig (fünf Pflichtspiele, fünf Scorer) und Dortmund (vier Pflichtspiele, vier Scorer) lieferte Olise auch meist ab. In der Bundesliga kommt er insgesamt auf 66 Scorer in 66 Partien. Folgerichtig liegt er mit seinen Bilanzen gegen die Spitzenteams ziemlich genau im Durchschnitt.

Auf Olise ist in der Regel also schon auch in größeren Matches Verlass, wenngleich Bayerns Pendant auf der linken Seite, Luis Diaz, hier mehr glänzen konnte. Lediglich wenn es mal so richtig ins Eingemachte geht, scheint Olise irgendetwas noch zu blockieren. Beim Rückspiel gegen Real platzte beispielsweise auch erst der Knoten, nachdem Diaz das Tor zum Weiterkommen erzielt hatte.

Kompany wird die richtige Ansprache finden

Zu große Sorgen muss sich der FC Bayern um seinen Offensiv-Star aber nicht machen. Vielleicht ist es für den Klub sogar von Vorteil, wenn Olise mal Schwächen zeigt und sich die Konkurrenz nicht mit aller Macht auf einen möglichen Transfer stürzt.

Vincent Kompany ist bekannt dafür, seine Spieler sowohl mental als auch spielerisch stetig weiter zu entwickeln. Der Belgier dürfte auch bei Olise die richtige Ansprache und die passenden Methoden finden, damit die Big-Game-Problematik bald der Vergangenheit angehört.


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