Solange es keine Möglichkeit gibt, Joshua Kimmich zu klonen, wird Julian Nagelsmann wohl immer im gleichen Dilemma feststecken. Stellt er seinen Kapitän rechts hinten oder doch im zentralen Mittelfeld auf? Dabei kann er nicht verhindern, dass ein Mannschaftsteil automatisch geschwächt wird. Aktuell plant der Bundestrainer mit dem 31-Jährigen in der Rechtsverteidigung.
Doch ist das wirklich klug? Es beschleicht einen eher das Gefühl, dass Nagelsmann mit dieser Entscheidung bei der WM 2026 richtig auf die Nase fallen könnte. Einen Kimmich kann man aus dem zentralen Mittelfeld beordern, wenn es andere Spieler gibt, denen man bedingungslos vertrauen kann. Bei der EM mag genau das der Fall gewesen sein, jedoch stand hier auch noch ein Toni Kroos zur Verfügung.
Nagelsmann kann nur Pavlovic ohne Bedenken bringen
Zweieinhalb Monate vor der WM 2026 ist das Mittelfeld-Zentrum nun aber ohne Kimmich eine einzige Baustelle. Klar, ein Aleksandar Pavlovic ist im fitten Zustand schon jetzt eine absolut verlässliche Größe. Doch dann?
Felix Nmecha hätte eine Option abgegeben, doch der Borusse fällt nun wochenlang aus und wackelt sogar in Hinblick auf die WM. Leon Goretzka hat derweil in den letzten beiden Länderspielen wieder eindrucksvoll bewiesen, warum er in der Nationalmannschaft kein Stammspieler sein darf. Insbesondere sein Auftritt gegen die Schweiz war mit nur 16 angekommenen Pässen und 1/6 gewonnen Zweikämpfen fast schon grotesk mau.
Darüber hinaus gibt es aber auch kaum Optionen. Pascal Groß und Anton Stach mögen als Kaderspieler geeignet sein, ganz sicher aber nicht als Starter. Angelo Stiller hätte die nötige Klasse, ist Pavlovic als Spielertyp aber zu ähnlich.
Deutschland braucht für eine erfolgreiche WM ein Weltklasse-Zentrum
Es ist also eigentlich unerlässlich, dass Nagelsmann auf sein Top-Mittelfeld-Duo baut. Dabei handelt es sich nun mal um Kimmich & Pavlovic. Auf diese Weise kann man eine kleine Problemposition in ein Prunkstück verwandeln. Kimmich und Pavlovic bilden schließlich auch bei den Bayern ein Duo der Extraklasse.
Genau dieses benötigt es auch in der Nationalmannschaft. Nur so kann es gelingen, den anderen Schwergewichten der Fußballwelt Paroli zu bieten. Das zentrale Mittelfeld ist schließlich nicht nur irgendeine Position, sondern das Herzstück einer Fußballmannschaft.
Die meisten großen Spiele werden hier entschieden, selbst wenn es sich oft um kleine Aktionen handelt, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Kein ambitioniertes Team kann es sich leisten, ausgerechnet auf den wichtigsten Positionen mit Fragezeichen auf der Stirn rumzulaufen. Harmoniert das Mittelfeld-Zentrum nicht, hat das fatale Auswirkungen auf die gesamte Performance.
Dass Kimmich dann nicht mehr rechts hinten auflaufen kann, ist ein Tod, den man schlichtweg sterben muss. Natürlich hat der DFB-Kapitän auch hier seine Qualitäten, jedoch kann man es eben viel leichter kompensieren, wenn rechts hinten nicht die Optimalbesetzung spielt. Der ein oder andere fehlende Vorstoß auf dem Flügel lässt sich verschmerzen, wenn dafür zumindest die Abwehrleistung stimmt.
Antonio Rüdiger ist der Mann für hinten rechts
Benedikt Höwedes hat es bei der WM 2014 vorgemacht, nun liegt es bei Antonio Rüdiger, genau das zu wiederholen. Deutschland hat mit Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah bereits zwei gute Innenverteidiger, weshalb es Rüdiger hier nicht unbedingt braucht. Der inzwischen wieder gut aufgelegte Real-Star hat aber durchaus die Qualität, rechts hinten zu spielen. Für den Routinier wäre das auch kein Neuland, zumal er in seiner Profi-Karriere bereits 32-mal auf dieser Position gespielt hat.
Rüdiger könnte die rechte Abwehrseite schließen und ist fußballerisch definitiv gut genug, um auch im Spiel mit dem Ball eine ordentliche Figur abzugeben. Auch bei Real Madrid rückt er gerne mal ein wenig nach vorne, um das Spiel anzuschieben. Oftmals zeigt dabei sogar sehr ansehnliche Flankenbälle aus dem Halbfeld. Recht viel mehr braucht es gar nicht, zumal mit David Raum auf der anderen Seite ein sehr offensivfreudiger Außenverteidiger auf dem Feld stehen wird.
Macht es Deutschland wie einst die Bayern?
Bereits in der Vergangenheit hat es sich gezeigt, dass es sich mit zwei komplett verschiedenen Außenverteidiger-Typen in einem leicht asynchronen System sehr gut spielen lässt. Die Bayern haben das mit Benjamin Pavard und Alphonso Davies lange erfolgreich zelebriert.
Folgerichtig lautet die Antwort auf alle Rechtsverteidiger-Fragen im DFB-Team aktuell Antonio Rüdiger. Es macht wahrlich wenig Sinn, Spieler wie Josha Vagnoman oder Ridle Baku hier zu bringen. Beiden fehlt es - wie auch allen anderen gelernten deutschen Rechtsverteidigern - an der nötigen Qualität.
Alternativ könnte Malick Thiaw ähnlich wie Rüdiger einen defensiven Rechtsverteidiger abgeben. Selbst das wäre besser, als wenn das DFB-Team ohne Kimmich im Mittelfeld auskommen müsste.
