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Jugendwahn in München: Wie weit weg ist der Bayern-Campus noch von La Masia?

Der FC Bayern hat sich mittlerweile auch mit seiner Jugendarbeit einen Namen gemacht. Doch wie gut ist diese eigentlich?
Bayern-Cheftrainer Vincent Kompany hat dem Campus deultich mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen
Bayern-Cheftrainer Vincent Kompany hat dem Campus deultich mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen | L. Vogt/GettyImages

Unter Vincent Kompany hat sich der FC Bayern München wieder gefestigt und zu seiner alten Dominanz und seinem sportlichen Selbstverständnis zurückgefunden. Das Münchner "Mia san Mia” ist unter dem Belgier wieder fester Bestandteil der fußballerischen DNA des FC Bayern München.

Darüber hinaus hat unter Kompany nun auch endlich die Münchner Nachwuchsarbeit einen deutlich höheren Stellenwert. Der Nachwuchs des Rekordmeisters wird unter dem aktuellen Cheftrainer vermutlich so stark gefördert wie zuletzt unter Louis van Gaal.

Kompany, der Nachwuchsförderer

Unter Kompany feierten bislang neun Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich ihr Bundesliga-Debüt. Neben Lennart Karl waren dies unter anderem auch Wisdom Mike, Jonathan Kusi Asare, Felipe Chavez, Erblin Osmani, Cassiano Kiala, Maycon Cardozo, David Santos Daiber und Deniz Ofli. Auch Javier Fernandez, der derzeit an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen ist, darf man hier nicht außer Acht lassen.

In der laufenden Vorbereitung zur neuen Saison zeichnete sich bereits ab, dass auch in Zukunft noch weitere Bayern-Talente unter dem Belgier Profi-Luft auf Pflichtspielebene schnuppern dürften. Beispiele dafür sind der erst 16-jährige Stürmer Bastian Assomo, die ebenfalls erst 16-jährigen Filip Pavic oder Leonard Prescott oder der bereits 19-jährige Tim Binder.

Vincent Kompany wirft Erblin Osmani und Maycon Cardozo ins kalte Wasser
Vincent Kompany wirft Erblin Osmani und Maycon Cardozo ins kalte Wasser | Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Die Nachwuchsarbeit des Rekordmeisters ist so erfolgreich wie seit Langem nicht mehr. Doch wie weit ist der FC-Bayern-Campus noch von der vermeintlich besten Talentschmiede der Welt, La Masia des FC Barcelona, entfernt?

Hat der Bayern-Campus schon Barça-Niveau?

Der 2017 eröffnete Bayern Campus erntete in den ersten Jahren seines Bestehens viel Hohn und Spott. Die millionenschwere Talenteschmiede spielte eigentlich kaum eine Rolle, wenn es darum ging, Talente in den Profifußball zu entsenden. Doch mittlerweile hat sich das geändert. In puncto Infrastruktur, Scouting und Weiterentwicklung ist die Jugendakademie des FC Bayern gefühlt auf Weltklasse-Niveau angekommen und liefert endlich auch einen gewissen Output.

Dass Vincent Kompany so viele Talente ins Training der Profis lässt und ihnen ernsthafte Chancen gibt, sich zu beweisen, zeugt von einer neu gewonnenen Durchlässigkeit.

Kompany und Bayern-Juwel Tim Binder
Kompany und Bayern-Juwel Tim Binder | picture alliance/GettyImages

Nicht nur die Debütanten, sondern auch die Nachwuchshoffnungen, die bereits vor Kompany ihr Debüt gaben oder extern dazugestoßen sind, erhalten unter dem Münchner Cheftrainer mächtig Rückendeckung.

Ein ganz besonderes Beispiel hierfür ist Aleksandar Pavlovic: Der Marktwert des Münchner Eigengewächses hat sich seit der Ankunft von Kompany verdreifacht – lag dieser im Mai 2024, kurz vor Amtsantritt Kompanys, noch bei 30 Millionen Euro, so ist Pavlovic aktuell bereits bei 90 Millionen Euro angelangt und damit der drittwertvollste Bayern-Profi.

Pavlovic ist jedoch nicht nur in puncto Marktwert von großem Wert. Der gebürtige Münchner ist auch sportlich aus dem Bayern-Team nicht mehr wegzudenken.

Aleksandar Pavlovic
Aleksandar Pavlovic | N. Hermann/GettyImages

Der steile Aufstieg von Lennart Karl unter Vincent Kompany spricht ebenfalls für sich. In nur einer Saison unter Kompany schnellte Karls Marktwert von 1,5 Millionen Euro auf satte 60 Millionen Euro in die Höhe. Es folgte sogar die Nominierung zur WM 2026, die letztlich nur von einem Verletzungsschock ausgebremst wurde.

Der nächste, der einen derart steilen Weg nehmen soll, ist Neuzugang Bara Sako Ndiaye, von dem Kompany schwärmt.

Vincent Kompany herzt Lennart Karl
Vincent Kompany herzt Lennart Karl | Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Das zeigt: In München läuft der Jugendwahn auf Hochtouren, und endlich werden auch eigene Nachwuchsproduktionen integriert.

Doch anders als in Barcelona ist es den Bayern bisher noch nicht gelungen, eine Vielzahl ihrer Talente als gewinnbringende feste Größen im Kader zu etablieren. Neben Pavlovic und Karl ist noch nicht viel los – und das unterscheidet die Münchner noch vom Konkurrenten aus Katalonien.

La Masia (noch) außer Reichweite für den FC Bayern-Campus

Während der FC Barcelona mit Lamine Yamal, Gavi, Fermin Lopez, Pau Cubarsi, Alejandro Balde, Eric Garcia, Marc Bernal und als Rückkehrer auch Dani Olmo gleich über mehrere Stützen in der ersten Mannschaft verfügt, sind es beim FC Bayern eben bislang nur Pavlovic und Karl.

Bereits beim spanischen Supercup 2025 standen insgesamt elf Spieler mit La Masia-Background unter den Titelgewinnern im Team von Trainer Hansi Flick.

Die Akademie des FC Barcelona produziert bereits Profis am Fließband
Die Akademie des FC Barcelona produziert bereits Profis am Fließband | NurPhoto/GettyImages

Und da unterscheidet sich der Bayern Campus noch deutlich von La Masia. Mittlerweile produzieren die Münchener auch deutlich mehr eigene Juwele, doch die Weiterentwicklung und Integration in die erste Mannschaft und den Profifußball im Allgemeinen ist bei den Spaniern nach wie vor sensationell gut und (noch) außer Reichweite.

Eigengewächs Lamine Yamal ist der absolute Starspieler des FC Barcelona
Eigengewächs Lamine Yamal ist der absolute Starspieler des FC Barcelona | MANAURE QUINTERO/GettyImages

Zwar muss sich der FC Bayern in Sachen Nachwuchsarbeit längst nicht mehr vor den Katalanen verstecken und ist in puncto Infrastruktur, Trainingsniveau und breitgefächerter Ausbildung viel näher an Barça herangerückt. Dennoch fehlt es der Münchner Nachwuchsarbeit im Vergleich mit La Masia noch an einer viel deutlicheren und einheitlicheren Fußball-DNA und dem ganz großen Output.

In Barcelona sind es seit Jahren vor allem die eigenen Talente, die zu den größten Stars im Verein heranreifen - und auch eine tragende Rolle in der Nationalmannschaft spielen.

Diese konnte in Barcelona aber über Jahrzehnte reifen, während sich die Nachwuchsschmiede in der bayerischen Landeshauptstadt erst noch weiter gefestigt und die eigene Vision vorangetrieben werden muss – das geht nicht von heute auf morgen.

Bayern-Campus muss noch reifen

Der große Unterschied liegt also nicht mehr in der Qualität der Ausbildungsmöglichkeiten der beiden Vereine, sondern vielmehr darin, wie viele der Talente im fortgeschrittenen Nachwuchsalter tatsächlich im eigenen Kader bleiben und weiterhelfen - der Feinschliff sozusagen. Und in dieser Hinsicht ist der FC Barcelona auch traditionell betrachtet noch meilenweit voraus.

Wenn man an die jüngere Vergangenheit denkt, fallen einem bei Barça sicherlich Spieler wie Lionel Messi, Carles Puyol, Xavi, Andres Iniesta, Sergio Busquets, Víctor Valdes, Cesc Fabregas, Gerard Pique, Jordi Alba und auch Pep Guardiola oder Ivan de la Pena ein - vielleicht sogar noch mehr. Bei den Münchenern muss man nach Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller und David Alaba schon etwas mehr grübeln.

Der FC Bayern benötigt wieder mehr qualitativ hochwertige DNA im Kader
Der FC Bayern benötigt wieder mehr qualitativ hochwertige DNA im Kader | Alexander Hassenstein/GettyImages

Deutlich wird auch, dass der FC Barcelona deutlich weniger externe Talente benötigt, um sein Niveau und seinen Output zu halten. Die Katalanen fördern deutlich mehr lokale Spieler und spanische Talente als es in München bisher beispielsweise mit Talenten aus München oder zumindest Bayern und Deutschland der Fall war.

Auch hier müssen sich die Wurzeln erst noch verfestigen. Während Lahm, Schweinsteiger und Müller noch "echte" Bayern-Juwele waren, sind es derzeit "nur" Pavlovic und Karl, die aus einer viel lokaleren Sparte schafften.

National betrachtet, könnte sich der Rekordmeister hier unter anderem vom SC Freiburg oder dem 1. FC Nürnberg einiges abschauen, die deutlich mehr home grown Player hervorbringen. Doch Spieler, wie zum Beispiel Tim Binder, machen Hoffnung.

Der Bayern-Campus ist weiter im Kommen
Der Bayern-Campus ist weiter im Kommen | Sebastian Widmann - UEFA/GettyImages

Zwar haben sich die Münchner an ein Level auf fast Augenhöhe herangearbeitet, doch um in einem Atemzug mit La Masia genannt zu werden, müssen sie in den kommenden Jahren deutlich mehr Eigengewächse in die erste Mannschaft und den Kader integrieren - und das konstant.

Dies ist dem Umstand geschuldet, dass der FC Bayern Campus deutlich jünger als La Masia ist und noch einige Jahre benötigt, um weiter zu reifen. Wenn es dem FC Bayern aber gelingt, auf Sicht fünf bis sechs eigene Talente ins Profiteam zu etablieren, von denen sich vielleicht drei bis vier zu echten Stammkräften entwickeln, dann sind die Bayern deutlich näher dran.

FC Bayern auf einem guten Weg, aber...

Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl sind erst der Anfang. Wenn auf ihren steilen Aufstieg aufgebaut wird und weitere Nachwuchsjuwelen aus dem Campus auf eine ähnliche Flughöhe gebracht werden, dann kommt man beim FC Bayern in Sachen Jugendarbeit auch nicht darum herum, von echter Weltklasse zu sprechen. Stehen neben Pavlovic und Karl in drei bis fünf Jahren noch weitere Bayern-Talente in der Startelf, dann werden die Karten neu gemischt. Noch ist La Masia im Vergleich zu den Bayern aber das Maß aller Dinge in der Nachwuchsarbeit und hat die Nase noch deutlich vor den Münchnern.

Die Bayern müssen aber sowohl kurzfristig als auch mittel- und langfristig nach der Ära Kompany beweisen, dass die eigene Jugendarbeit ein fester Bestandteil der Zukunft des Vereins ist und bleibt. So wie es beim FC Barcelona seit Jahrezehnten vorgelebt wird. Ein neuer Vergleich zwischen den beiden Akademien lohnt sich also vermutlich erst, nachdem noch viel Fußball ins Land gestrichen ist.


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