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Joga Bonito und das beste Finale aller Zeiten: Die fünf legendärsten WM-Spiele

Die WM ist die Geburtsstunde von unvergesslichen Spielen. Insbesondere die folgenden fünf Partien haben sich dabei in das kollektive Fußball-Gedächtnis gebrannt.
Pele erhob sich 1970 zum König des Fußballs
Pele erhob sich 1970 zum König des Fußballs | Mirrorpix/GettyImages

Wenn bei der Weltmeisterschaft die größten Fußballnationen aufeinandertreffen, dann ist Spektakel garantiert. In einigen Fällen erzählen sich Fans auch noch Jahrzehnte später von diesen Spielen und haben dabei stets ein Leuchten in den Augen.

Die WM hat viele solcher Partien in ihrer langen Geschichte gehabt. Egal ob es die Geburtsstunde von Legenden war, das Scheitern einer ganzen Nation oder die Erfüllung eines Lebenstraums: Die folgenden fünf Spiele haben sich in das kollektive Fußballgedächtnis eingebrannt.

Wichtig: Wir nehmen hier die Spiele ohne deutsche Beteiligung unter die Lupe. Die legendärsten Spiele der DFB-Elf findet ihr hier.

1. WM 1950, Finale: Brasilien - Uruguay (1:2)

Uruguay bejubelt das zwischenzeitliche 1:1
Uruguay bejubelt das zwischenzeitliche 1:1 | ullstein bild Dtl./GettyImages

Das Maracanacao. 200.000 Menschen verfolgten damals im legendären Maracana-Stadion das Finale zwischen Brasilien und Uruguay, in das die Selecao als klarer Favorit ging.

Doch dann passierte das Undenkbare. Uruguay gewann das Spiel und sorgte für eine der größten Überraschungen der Fußball-Geschichte. Im Stadion und im ganzen Land herrschte Schockstarre.

Ein Mensch stürzte sich im Stadion freiwillig in den Tod, drei weitere starben an Herzversagen. Die Niederlage war so monumental, dass Brasilien daraufhin nie wieder in weißen Trikots auflief und jahrzehntelang noch daran zu knabbern hatte.

Insbesondere der damalige Keeper Moacyr Barbosa wurde zum Sündenbock gemacht und wurde bis zu seinem Tod gemieden. Jahrzehntelang wurde er für die Niederlage verantwortlich gemacht und durfte nicht einmal die späteren WM-Kader besuchen, da er "Unglück bringe", wie es hieß.

Er verbrannte am Ende sogar den Torpfosten, neben dem Uruguays Alcides Ghiggia damals das Führungstor geschossen hatte. Dieser sagte später einmal über seinen Treffer: "Es war wie ein kalter Schauer für die Brasilianer, Zuschauer wie Spieler. Sie machten nicht den Eindruck, sich nochmal erheben zu können." Und: "Es war eine komische Atmosphäre, die Leute weinten und waren so entsetzt, dass ich mich fast schuldig fühlte."

2. WM 1958, Finale: Brasilien - Schweden (5:2)

Soccer: Pele
1958 ging der Stern von Pele auf | picture alliance/GettyImages

Dieses Spiel begründete Brasiliens Vormachtstellung im Weltfußball. Nach dem Maracanacao 1950 bei der WM 1954 von Ungarn im Viertelfinale entzaubert worden, sollte 1958 alles anders werden.

Eine neue Generation sollte Brasilien wieder an die Spitze führen, angeführt von einem 17-jährigen Jungen namens Pele. Ihm zur Seite standen weitere Legenden des Fußballs: Flügelstürmer Garrincha, Stürmer Vava oder Mittelfeldspieler Didi.

Dabei tat sich die neue Selecao zunächst noch schwer und quälte sich beispielsweise im Viertelfinale gegen Wales zu einem 1:0-Sieg. Dann jedoch legten Pele und seine Kollegen richtig los.

Im Halbfinale wurde Frankreich um den überragenden Just Fontaine mit 5:2 aus dem Stadion geschossen, wobei Pele selbst einen Hattrick in 23 Minuten erzielte und das zwischenzeitliche Ergebnis auf 5:1 schraubte.

Den Schweden im Finale erging es kaum besser. Stand es zur Pause noch nur 2:1 für die Selecao, entfaltete sich im zweiten Durchgang die brasilianische Fußballkunst.

Pele traf kurz nach Wiederanpfiff zum 3:1 und erzielte dabei eines der schönsten Tore der WM-Geschichte: Er nahm den Ball mit der Brust an, lupfte ihn über den Verteidiger und schoss ihn anschließend volley in die Maschen.

Durch dieses Tor wurde Pele endgültig weltberühmt, während Brasilien sich anschickte, die kommenden Jahre zu dominieren.

3. WM 1970, Finale: Brasilien - Italien (4:1)

Soccer World Cup 1970: Final Brazil vs. Italy 4:1
Italien war gegen Brasilien chancenlos | picture alliance/GettyImages

Nie wieder spielte eine Nationalmannschaft so vollkommenen Teamfußball wie Brasilien im Finale der WM 1970. Mit Pele als Speerspitze zelebrierte die Selecao Joga Bonito, das schöne Spiel, in nie dagewesener Form. Fußball war an diesem Tag kein Sport, es war Kunst.

Insbesondere der Treffer zum 4:1-Endstand von Außenverteidiger Carlos Alberto hat bis heute Legendenstatus, da dieser Angriff die Spielkunst der Brasilianer repräsentierte.

Nach Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte berührte jeder Spieler den Ball, ehe Pele den Ball per No-Look-Pass auf Carlos Alberto spielte, der ihn anschließend wuchtig ins Toreck drosch.

Es war Fußball in Reinform, den die Fans an jenem Tag im Aztekenstadion zu sehen bekamen. Und ganz nebenbei gewann Pele durch die Gala-Vorstellung seinen dritten WM-Titel – bis heute Rekord.

Wie überirdisch Pele in diesem Spiel war, zeigt übrigens der Kommentar des italienischen Verteidigers Tarcicio Burgnich gut, der den Stürmer eigentlich decken sollte: "Vor dem Spiel sagte ich mir: 'Er besteht aus Haut und Knochen wie jeder andere auch' – aber ich hatte mich geirrt."

4. WM 1986, Viertelfinale: Argentinien - England (2:1)

Diego Maradona, Peter Shilton
Die Hand Gottes: Maradona trifft zum 1:0 gegen England | Getty Images/GettyImages

Die WM 1986 wird auf ewig mit Diego Armando Maradona verknüpft sein. Bei diesem Turnier wurde er endgültig zum größten Spieler aller Zeiten in Argentinien (bis Lionel Messi kam) und zum einzigen Herausforderer Peles im 20. Jahrhundert.

Bekannt ist das WM-Viertelfinale allerdings nicht wegen Maradonas spektakulärem Sololauf zum 2:0, das später zum Tor des Jahrhunderts gewählt wurde. Nein, es ist vor allem wegen der Hand Gottes bekannt.

In der 51. Minute stieg Maradona hoch und bugsierte den Ball mit der Hand am englischen Torhüter Peter Shilton vorbei. Den Videobeweis gab es damals noch nicht, weshalb der Treffer bestehen blieb.

Nach dem Spiel erklärte Maradona: "Es war ein bisschen mit dem Kopf von Maradona und ein bisschen mit der Hand Gottes."

In seiner Autobiografie schrieb er später, dass er das Tor mit der Hand Gottes sogar seinem Jahrhunderttor vorziehe: "Manchmal denke ich, dass ich das Tor, das ich mit der Hand gemacht habe, dem anderen vorziehe … es war in etwa so, als würde ich den Engländern die Brieftasche klauen".

Maradona schreibt weiter, dass sich der Sieg und auch das Tor wie die "Rache" für den Falklandkrieg angefühlt hatten, der vier Jahre zuvor wütete. Dadurch war die Partie extrem emotional aufgeladen.

Englands Trainer Bobby Robson hatte eine andere Sichtweise. "Es war die Hand eines Halunken", erklärte er im Anschluss an die Partie.

5. WM 2022, Finale: Argentinien - Frankreich (6:5 i. E.)

Zum dritten Mal gewann Argentinien 2022 eine Weltmeisterschaft
Zum dritten Mal gewann Argentinien 2022 eine Weltmeisterschaft | BSR Agency/GettyImages

Das beste Finale aller Zeiten. Allein schon dramaturgisch war das Endspiel zwischen Argentinien und Frankreich wie von einem Hollywood-Regisseur geschrieben. Auf der einen Seite Lionel Messi, der sich endgültig zum besten Fußballer aller Zeiten aufschwingen konnte, auf der anderen Seite Kylian Mbappé, der mit 23-Jahren zum zweiten Mal Weltmeister werden konnte.

Das Spiel kannte dabei keine Pausen, Argentinien führte dabei zur Halbzeit durch Tore von Messi und Angel Di Maria mit 2:0, Frankreich schlug jedoch in der 79. und der 80. Minute durch Mbappé zurück – Verlängerung.

In dieser ging Argentinien erneut durch Messi in Führung, doch erneut glich Mbappé aus, womit er zum ersten Spieler seit Geoff Hurst wurde, der einen Hattrick in einem WM-Finale erzielte.

Es hätte sogar noch ein viertes Tor sein können, wenn Randal Kolo-Muani kurz vor Schluss quer gelegt hätte. Doch der damalige Frankfurter schoss lieber selbst aufs Tor – und zwang Emiliano Martinez damit zu einer der schon jetzt legendärsten Paraden der WM-Geschichte.

Es ging ins Elfmeterschießen, wo die Albiceleste am Ende die besseren Nerven hatte. Messi war endgültig auf dem Thron und hatte den Makel des fehlenden WM-Pokals endgültig ausgelöscht.


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