Der BVB spielt punktetechnisch eine herausragende Saison. Wäre der FC Bayern nicht so brutal gut unterwegs, hätte Dortmunds Ausbeute in vielen anderen Jahren sogar zur Meisterschaft gereicht.
Trotzdem gibt es in Fankreisen immer wieder Kritik an Niko Kovac, der einen recht pragmatischen Ansatz wählt und mit seinem Stil, Fußball spielen zu lassen, für nur wenig Begeisterung sorgt. Auch die Tatsache, dass der BVB unter dem Deutsch-Kroaten kaum Top-Spiele gewinnt, sorgt für Unmut (90min berichtete).
BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke, der im sportlichen Bereich jahrelang der starke Mann bei Schwarzgelb war, hat im Interview mit den Ruhr Nachrichten jedoch eine Lanze für den Trainer gebrochen und betont, dass er genau der richtige Mann für die Westfalen sei.
Watzke feiert biederen Ansatz von Kovac
"Man muss einfach erkennen: Niko wählt den Ansatz, der ihm für den Erfolg am zwingendsten erscheint. Wenn er das Gefühl hat, dass es ein defensiverer Ansatz sein muss, dann wählt er den", so Watzke, der laut eigener Aussage in Zu-Null-Spiele förmlich "verliebt" ist.
"Wir haben jetzt 13-mal zu null gespielt – das ist für mich das Schönste. Für mich ist jedes Gegentor, speziell auswärts, ein Einschlag. Ich kann das in meinem Körper richtig spüren. Am Ende geht es mir mit einem 1:0 oder 2:0, das vielleicht spielerisch nicht auf dem allerhöchsten Niveau war, am nächsten Tag viel besser, als wenn ich hier 4:4 spiele. Im Fußball geht es ums Gewinnen – und um nichts anderes", verteidigte Watzke den Stil unter Kovac.
"Natürlich willst du unterhalten werden, aber fragen Sie mal die Leute, die hier aus dem Signal Iduna Park rausgehen: Was wollt ihr eigentlich lieber – ein brillantes 3:3 oder ein knappes, aber souveränes 1:0? Ich sage Ihnen: 80 Prozent gehen zufrieden nach Hause. Wenn ich am Sonntagmorgen aufwache und wir haben gewonnen, geht es mir dreimal besser, als wenn wir da irgendeine Gala abgefeuert und nur unentschieden gespielt haben."
Kovac hat sich "enorm entwickelt"
Watzke rechnete Kovac zudem hoch an, dass dieser "speziell in dem schwierigen letzten Jahr das Ganze deutlich stabilisiert" habe. "Da hat es ja manches Feuerchen gegeben, wo mancher Trainer, der im Leben noch nicht so viel erlebt hat, noch einmal reingeblasen hätte. Und Niko hat die Feuerchen alle ausgetreten und ist komplett seriös damit umgegangen."
Der Sauerländer bescheinigte seinem Trainer zudem eine enorme Entwicklung in den vergangenen Jahren. "Er war immer ein intelligenter Typ – und jetzt hat er die richtige Mischung gefunden: Respekt gegenüber den Spielern, aber auch die Fähigkeit, die Spieler mitzunehmen und ihnen gleichzeitig als Trainer etwas zu geben. Das klappt sehr gut", schwärmte Watzke. "Die Punkteausbeute in der Bundesliga spricht da für sich."
