Hamann rechnet knallhart mit Werder ab: "Das geht gar nicht"
Von Dominik Hager

Werder Bremen befindet sich als Tabellen-16. nicht nur auf dem Relegationsplatz, sondern auch in akuter Abstiegsgefahr. Trainer Horst Steffen wurde die sportliche Talfahrt zum Verhängnis, jedoch hat es aus Sicht von TV-Experte Dietmar Hamann den falschen Mann getroffen.
"Ich hätte an Horst Steffen festgehalten, für mich war der Rausschmiss ein Fehler. Steffen ist ein Mann der weiß, was er macht. Er steht für Kompetenz und nachhaltiges Arbeiten", erklärte der Ex-Bayern- und Liverpool-Profi im Gespräch mit der Bild. Hamann zufolge hätte man Steffen mehr Zeit geben müssen. Dieser wäre auch in der jetzigen Situation "der beste Mann" an der Werder-Seitenlinie.
Hamann übt scharfe Kritik: "Nicht zu entschuldigen"
Deutlich kritischer sieht er hingegen die Arbeit von Clemens Fritz. Auf den Manager angesprochen, fand Hamann deutliche Worte. "Die Panne mit den Leih-Statuten ist nicht zu entschuldigen. Das hätte irgendjemand im Verein wissen müssen. Das geht gar nicht", kritisierte er. Fritz und sein Team hatten irrtümlicherweise gedacht, im Winter keine Spieler mehr leihen zu können.
Ein zeitnahes Aus von Fritz kann sich Hamann gut vorstellen. "Was für Trainer gilt, gilt auch für Geschäftsführer. Er muss liefern. Seine Zukunft hängt maßgeblich an den nächsten drei bis vier Monaten", machte er deutlich.
Hamann sieht viele Leihgeschäfte kritisch
Aufgrund des schmalen Geldbeutels haben die Bremen-Verantwortlichen im Sommer hauptsächlich auf Leihspieler gesetzt. Laut Hamann ein gefährliches Spiel. Zwar sei er grundsätzlich "ein großer Fan" davon, jedoch nur bis zu einem gewissen Grad.
"Wenn ein Viertel des Kaders oder mehr aus Leihspielern besteht, dann ist das zu viel", monierte er. Darunter könne "die Identifikation mit dem Klub leiden", was eigentlich immer eine Stärke von Werder gewesen sei.
Hamann kritisiert Boniface: "Schon in Leverkusen Faxen gemacht"
Eine Leihe, die komplett schief gegangen ist, ist jene von Victor Boniface. "Er hat in Leverkusen schon Faxen gemacht. Das war eher ein Not-Transfer", so das Urteil von Hamann. Generell sei die Offensive das Hauptproblem. "Sie schießen zu wenig Tore. Es fehlt die Durchschlagskraft und Torgefahr", bemängelt der Experte.
Topp müsse so langsam nachweisen, dass er in der Bundesliga mithalten könne und auch Romano Schmid zeige zu wenig. Njinmah müsse den Abschluss verbessern, um auf Dauer Bundesliga spielen zu können.
Folgerichtig sieht Hamann auch den Ducksch-Verkauf als kritisch an. "Hinterher ist man immer schlauer. Er wollte ja auch weg. Aber er war ein Fixpunkt, der dem Gegner Respekt eingeflößt hat. Und das fehlt jetzt", machte er klar. Man hätte folgerichtig nach dem Verkauf zumindest "einen Spieler holen müssen, der zuverlässig trifft".
Hamann-Kritik an Thioune: "Hat mir nicht gefallen"
Was für Werder nun wichtig wäre, wäre "ein Befreiungsschlag". Immerhin habe der Kader auch seine Stärken. "Im Tor macht es Backhaus sehr gut, auch das Mittelfeld mit Stage und Lynen gefällt mir", führte Hamann aus. Nun ist jedoch auch der neue Coach Daniel Thioune gefragt, das Potenzial zu nutzen.
Hamanns erster Eindruck von Thioune ist jedoch nicht der beste. "Was mir nicht gefallen hat, war seine Fomulierung nach dem Freiburg-Spiel, die Mannschaft habe nicht den Glauben oder die Überzeugung gehabt. Das hätte man anders darstellen können", beklagte er. Die Tatsache, dass der neue Coach kaum Bundesliga-Erfahrung mitbringe, sei "Gefahr und Risiko zugleich".
Hamann sieht Chancen gegen die Bayern und glaubt an Klassenerhalt
Als verpufft sieht er den Trainerwechsel aber noch nicht an, da man gegen Freiburg verlieren könne. Offenbar glaubt Hamann tatsächlich, dass nun am Wochenende gegen die Bayern etwas gehen könne. "Es ist der perfekte Zeitpunkt. Sie haben eine englische Woche und sind aktuell verwundbar", verdeutlichte er.
Letztlich glaubt Hamann, dass die Werderaner den Klassenerhalt packen werden. "Auf Platz 15. Ich glaube, dass sie drinbleiben. Aber es wird eng", prophezeite er. Bleibt aus Werder-Sicht zu hoffen, dass Hamann in seiner Rechnung nicht einen oder gar drei Punkte gegen die Bayern miteinberechnet hat. Der letzte Punkt zu Hause gegen die Bayern ist schließlich fast 17 Jahre her.
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