Am Montagabend fand bei Borussia Mönchengladbach die Mitgliederversammlung statt. Schon im Vorfeld waren intensive Diskussionen und eine angespannte Stimmung erwartet worden, verlief die Saison doch äußerst enttäuschend. Immerhin wird die Fohlenelf dem auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt eher entgegen taumeln, als sich diesen überzeugend zu sichern.
Drei Personen standen bei der Mitgliederversammlung – wenig überraschend – ganz klar im Fokus. Dabei handelte es sich um Rainer Bonhof, Rouven Schröder und Eugen Polanski. Ihre jeweiligen Reden wurden mit Spannung erwartet und hielten schlussendlich auch, was sie versprachen – zumindest im Hinblick auf die eindrücklichen Aussagen.
"Scheiß-Jahr": Mit Rücktritt konfrontierter Bonhof weiter kämpferisch
Bonhof zeigte sich in seiner Rede als Vereinspräsident sehr emotional. Schon bevor er in seine Schilderungen rund um die aktuelle Saison einstieg, musste er ein paar Tränen verdrücken. Auch währenddessen musste er gleich mehrmals pausieren und kurz innehalten, ehe er fortfahren konnte.
"Es ist ein Scheiß-Jahr. [...] Ich hatte gedacht, wir sind stabiler. Das ist leider nicht eingetreten, und wir sind den Leidensweg so, wie wir alle hier stehen, mit der Mannschaft mitgegangen. Ich hatte körperliche Schmerzen, als wir beim Derby in Köln noch das 3:3 bekommen haben. Wenn du aber dann bei Auswärtsspielen bist und unsere Fans siehst – für die lohnt es sich, nicht abzusteigen", erklärte Bonhof (via Bild).
Der bei Borussia längst nicht mehr unumstrittene Präsident wurde bei der Aussprache von gleich mehreren anwesenden Mitgliedern mindestens indirekt nach einem Rücktritt gefragt, teilweise sogar aktiv darum gebeten. Die aktive Fanszene etwa sprach sich für einen solchen Rücktritt aus.
Bonhof zeigte sich aber weiterhin kämpferisch. "Heißt Mut zur Veränderung auch personelle Neubesetzung?", wurde er gefragt. Seine Antwort: "Bis jetzt habe ich im Kopf, nochmal den Finger zu heben." Der 74-Jährige, der zwischen 2009 und 2024 zunächst Vizepräsident war und seitdem sein Amt inne hat, scheint also seinen Job weiter ausführen und nochmal kandidieren zu wollen.
Polanski wünscht sich Arschlöcher und geht vom Verbleib im Amt aus
Kämpferisch passte am Montagabend auch zu Polanski. "Ich habe andere Ansprüche an die Mannschaft und an mich selbst. Aber wir müssen Schritt für Schritt gehen und können nicht drei auf einmal nehmen", erklärte er den mühsamen Weg zum Klassenerhalt, der eigentlich nicht das Ziel von Gladbach sein sollte. Das sei dementsprechend auch nicht das, "was ich mir unter Erfolg vorstelle".
Zugleich machte der Cheftrainer deutlich, dass er weiterhin von einem Verbleib ausgeht. Schon nach dem 0:0-Unentschieden beim VfL Wolfsburg hatte Polanski betont, dass die Mannschaft auf einem guten Weg sei und dass er – seiner Erwartung nach – auch in der nächsten Saison am Spielfeldrand stehen werde (90min berichtete).

"Wir werden es schaffen, in der Liga zu bleiben. Meine Überzeugung war vom ersten Tag an riesengroß, auch wenn mich die Mannschaft tagtäglich an den Rand des Wahnsinns bringt. Trotzdem habe ich diese Überzeugung von der Qualität der Mannschaft", führte Polanski aus. In der Mannschaft hätte er aber gerne "auch ein paar Arschlöcher", womit er auf die verschiedenen Charaktere zu sprechen kam.
Am wichtigsten sei seit seiner Amtsübernahme jedoch gewesen, den Verein in der Bundesliga zu halten. Dieses Ziel scheint soweit sicher zu sein, wenngleich rechnerisch noch nicht fix. "Dann bin ich voller Tatendrang, gewisse Sachen zu ändern, wie ich sie haben will und wie Borussia Mönchengladbach sich anfühlen soll", blickte Polanski schon über das nahende Saisonende hinaus.
Schröder fordert Mut: "Sonst wird alles so bleiben, wie es war"
Den größten Zuspruch der anwesenden Mitglieder bekam jedoch Rouven Schröder für seine Ausführungen, die er unter das Motto 'Mut' stellte. Zunächst bedankte er sich für "die nette Aufnahme" bei Borussia. "Als Gladbachs Anfrage kam, war mir sofort klar, dass ich das machen will. Und das war die absolut richtige Entscheidung. Ich bin voller Tatendrang", startete der 'Head of Sports' in seine fast 20-minütige Rede.
Für den Sommer und auch darüber hinaus forderte Schröder mutige Entscheidungen ein und kündigte diese seinerseits auch an. Auf der Folie, die der 50-Jährige zum Schluss seiner Rede präsentierte, war zu lesen: "Mut zu Veränderungen, Mut zu Entscheidungen, Mut zu Konsequenz und Mut zu Zusammenhalt."
Dazu erklärte er: "Wir dürfen Dinge nicht nur verwalten, wir müssen sie ansprechen und anpacken, und das mit Konsequenz." Ansonsten werde alles so bleiben, wie es in dieser Saison war und ist. Der Klub brauche daher "einen guten Sommer" sowie "Spieler, die Bock haben auf Borussia".
Weitere Nachrichten rund um die Borussia:
