Borussia Mönchengladbach konnte in den letzten Jahren nur ganz selten für positive Ausrufezeichen sorgen und landete regelmäßig im Niemandsland der Tabelle. Selbst das Wort Abstiegskampf ist den Fohlen zuletzt nicht mehr fremd gewesen. Die Verantwortlichen haben im Sommer entschieden, mit Eurgen Polanski weiterzumachen, das Assistenztrainerteam jedoch zu verändern. Zudem soll ein offensiverer Fußball gespielt werden.
Kann dem Klub auf diese Weise der Weg nach oben gelingen? Wir werfen einen Blick auf fünf Schlüsselfaktoren, die für den Erfolg in der anstehenden Saison entscheidend sein werden.
1. Kann Polanski für Kontinuität auf der Trainerposition sorgen?
Die Saison hat zwar noch nicht mal begonnen und trotzdem wackelt der Stuhl von Eugen Polanski ein wenig. Der Gladbach-Coach ist wohl ziemlich knapp an einer Entlassung vorbei geschrammt. Das ausgesprochene Vertrauen dürfte schnell wieder brüchig werden, wenn der Saisonstart unerfreulich ausfällt. Für den Verein wäre es aber wichtig, dass nicht in jeder Spielzeit ein neuer Coach kommt, sondern endlich wieder Kontinuität herrscht. Hierbei sind aber natürlich nicht nur die Bosse, sondern auch Polanski selbst gefragt. Dieser ist noch ein junger Trainer und kann sich noch weiterentwickeln. Medienberichten zufolge tritt Polanski im Training bereits um einiges lauter und kommunikativer auf und sorgt für klare Ansprachen. Dies könnte dem Team in der anstehenden Saison helfen.
2. Funktioniert der Offensivfußball-Ansatz?
Es zeigt sich immer wieder, dass das Verteidigen im modernen Fußball der leichtere Part ist als das Angreifen. Erst zuletzt hat die WM wieder gezeigt, dass limitiertere Teams mit einer stabilen Grundordnung und defensiver Stabilität auch spielstärkeren Teams alles abverlangen können. Wiederum schaffen es nur die stärksten Teams, mit einer offensiven Spielweise und viel Ballbesitz wirklich erfolgreich zu sein.
Rouven Schröder hat von den Fohlen nun gefordert, wieder aktiver, offensiver und attraktiver zu spielen. Dies mag zwar erstmal gut klingen, ist aber aus besagten Gründen auch in der Bundesliga ein gefährliches Vorhaben. Gladbach zählt nicht zu den Top-Teams und könnte mit einem solchen Ansatz eine Bruchlandung hinlegen. Auf der einen Seite besteht die Gelegenheit, Euphorie zu entfachen, auf der anderen Seite kann eine löchrige Defensive zum ganz großen Chaos führen.
3. Können die Leistungsträger gehalten werden?
Noch gibt es in Bezug auf die Zukunft einiger Gladbach-Stars ein größeres Fragezeichen. Insbesondere bei Abwehr-Chef Nico Elvedi steht ein Jahr vor Vertragsende die Entscheidung bevor, ob er verlängert oder das Weite sucht. Ein Verbleib von Keeper Moritz Nicolas gilt als wahrscheinlich, aber nicht gesichert. Offen ist auch die Zukunft von Franck Honorat, der wohl auf einen Abschied schielt. Selbiges gilt für Joe Scally, der offenbar von einem Engagement in der Premier League träumt. Insbesondere ein Abschied von Elvedi und Nicolas würde Gladbach enorm schwächen. Beide wären 1:1 praktisch nicht zu ersetzen.
4. Sind die Neuzugänge auch tatsächliche Verstärkungen?
Borussia Mönchengladbach hat gut zwölf Millionen Euro für seine Neuzugänge ausgegeben. Es ist dabei aber völlig offen, ob überhaupt einer davon eine wirkliche Verstärkung sein kann. Daniel Batz ist als Ersatzkeeper eingeplant und würde selbst bei einem Nicolas-Abgang nicht aufrücken. David Herold, Enzo Leopold und Isac Lidberg haben in der 2. Bundesliga überzeugt, müssen sich an das deutsche Oberhaus aber erst gewöhnen. Der aus Donezk kommende Yukhym Konoplya ist ähnlich wie die beiden Japaner Zento Uno und Daiki Hashioka sowie der aus Warschau kommende Jan Leszczynski ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Auf den ersten Blick ist jedenfalls kein Kracher-Neuzugang dabei. Es ist also völlig offen, wer aus dem Oktett das Team mehr als nur in der Breite verstärkt und für echten frischen Wind sorgen kann. Dieser wäre für die Fohlen definitiv nötig.
5. Wird Tim Kleindienst wieder zum Leistungsträger?
Für Borussia Mönchengladbach war es enorm bitter, dass Tim Kleindienst praktisch die gesamte letzte Saison über gefehlt hat. Zwar hat Haris Tabakovic als Leihspieler performt, jedoch müssen die Fohlen nun wieder ohne diesem auskommen. Umso wichtiger wäre es, dass Kleindienst verletzungsfrei bleibt und zumindest wieder ansatzweise die Form aus der Saison 2024/25 erreicht. Sollte dies der Fall sein, muss man sich wohl zumindest um den Klassenerhalt überhaupt keine Sorgen machen. Kleindienst ist ein hervorragender Knipser und mannschaftsdienlicher Spieler, der Gladbach nicht nur durch seine Tore auf ein anderes Level hebt.
Fazit:
Es spricht relativ wenig dafür, dass Gladbach in der kommenden Saison wieder oben angreifen kann. Sollten die Leistungsträger gehalten werden und Kleindienst fit bleiben, ist ein einstelliger Platz zumindest machbar. Genauso gut kann es aber auch in die andere Richtung gehen. Man darf bezweifeln, dass die Neuzugänge eine klare Verbesserung darstellen. Zudem hat der Plan, offensiven und attraktiven Fußball zu spielen, auch seine Risiken. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Gladbach in der Tabelle zwischen Rang neun und Rang zwölf landen wird.
Die Gefahr ist jedoch größer, dass es ein deutlich schlechterer Platz wird, als die Chance, dass ein eklatant besseres Ergebnis in der Endabrechnung feststeht.
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