Gelbsperren abschaffen! Die UEFA hat Schuld an dem Zirkus - ein Kommentar

Die Bayern-Stars Joshua Kimmich und Michael Olise haben in Bergamo regelrecht um Gelb gebettelt. Es ist an der Zeit, die Kartenregelung zu überarbeiten.
In der K.o.-Runde sollte es keine Gelbsperren geben
In der K.o.-Runde sollte es keine Gelbsperren geben | F. Noever/GettyImages

Wenn in einem Champions-League-Spiel manche Spieler eigentlich nur noch damit beschäftigt sind, sich eine Gelbe Karte zu sichern, läuft definitiv etwas falsch. Man kann argumentieren, dass die Bayern am Dienstagabend in Bergamo in Person von Michael Olise und Joshua Kimmich einen Zirkus veranstaltet haben, jedoch ist das nicht ganz richtig. Veranstaltet hat diesen die UEFA, die Bayern-Stars haben ihn lediglich zu ihrer Spielwiese gemacht und den Clown gespielt.

Die Zuschauer dürften sich von dem Spektakel bestens unterhalten gefühlt haben. Die Ereignisse auf dem Rasen und im Anschluss am Mikrofon waren Comedy pur. Nur ist die Champions League eigentlich keine Witzveranstaltung, sondern die wichtigste und größte Bühne im europäischen Fußball.

Noch nicht mal unsportliches Verhalten kann man Olise und Kimmich wirklich vorwerfen. Das Ziehen der Gelben Karte war nichts als clever und in Anbetracht des drohenden Kracher-Duells im Viertelfinale notwendig. Ebenso notwendig waren Kimmichs irrwitzige Aussagen im Interview - schließlich wurde ein gewisser Sergio Ramos schon mal für seine Ehrlichkeit bestraft und ein weiteres Spiel gesperrt.

UEFA muss reagieren: Gelbsperren in der K.o.-Runde unverhältnismäßig

Es ist längst an der Zeit, dass die UEFA diesem Unsinn ein Ende setzt. Dabei kann es nur einen logischen Schritt geben. Die Gelbsperren gehören abgeschafft! Zumindest in der K.o.-Runde.

Gelbsperren-Regelungen sind für den Ligabetrieb optimal geeignet. Fällt ein Akteur zu oft negativ auf, muss er eben mal eine Partie zusehen. Dies ist ein absolut nachvollziehbares Strafmaß. Wohl niemand würde sich darüber beschweren, nach der fünften Gelben Karte für ein Bundesligaspiel gesperrt zu sein. Auch in der Ligaphase der Champions League lässt sich eine solche Regelung prima anwenden.

Sobald es in eine K.o.-Runde geht, verliert das System aber völlig seine Verhältnismäßigkeit. Es ist schlichtweg etwas anderes, in einem Do-or-die-Spiel zu fehlen, als in einem von vielen Ligaspielen. Es handelt sich hierbei schließlich um die wichtigsten Spiele der Saison. Sperren sind lediglich bei schwerwiegenderen Unsportlichkeiten das richtige Strafmaß. Bei Gelb-Roten Karten oder glatt Rot trifft das zu, nicht aber bei einfachen Gelben Karten.

Gelbsperren schaffen keine Fairness

Zum einen sei gesagt, dass die Spieler bis zu 14 Partien auf dem Konto haben können, ehe die Karten nach dem Viertelfinale gelöscht werden. Drei Verwarnungen sind da definitiv nicht so viele, um sagen zu können, dass nur unsportliche Spieler einen Denkzettel erhalten. Gelbe Karten sitzen bei so manchem Referee schließlich auch sehr locker.

Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch wieder Schiedsrichter, die ihre Karten in der Kabine vergessen zu haben scheinen. Auf diese Weise entsteht ein Ungleichgewicht, weil manche Klubs einfach öfter das Glück haben, einen Schiedsrichter mit langer Leine zu erwischen.

Die Regelung bestraft zudem tendenziell die Underdog-Klubs. Während Spitzenteams oft mehr Möglichkeiten zur Rotation haben, vorbelastete Spieler schonen können und Partien oft vorzeitig für sich entscheiden, geht es für andere Vereine meist von der ersten bis letzten Minute heiß her. Zudem haben die Playoff-Teilnehmer zwei Spiele mehr Zeit, um Karten zu sammeln.

In der Champions League gehören die besten Spieler auf den Platz

Letztlich gilt in der Champions League eben auch: Treffen die besten Teams aufeinander, möchte der Fan auch die besten Spieler auf dem Platz sehen. Dafür steht die Königsklasse des Fußballs. Matches wie Bayern vs. Real Madrid oder Bayern vs. Manchester City - wie es im Viertelfinale der Fall sein wird - sollen auch nicht durch das Fehlen gelbgesperrter Spieler mitentschieden werden.

Inzwischen ist es in der Champions League wie auch bei WM- und EM-Turnieren üblich, dass es zumindest keine Gelbsperren für das Finale geben kann. Ein guter und wichtiger Schritt, man denke nur an das Champions-League-Finale zwischen Bayern und Chelsea, bei dem auf beiden Seiten drei Stammspieler fehlten.

Dieser Schritt ging aber noch nicht weit genug. Erst wenn Gelbsperren in K.o.-Spielen abgeschafft werden, herrscht Verhältnismäßigkeit und kein hausgemachter Zirkus wie jüngst in Bergamo.

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