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Bayern-Saison trotz Champions-League-Aus elektrisierend, aber…

Der FC Bayern hat in der Champions League die Segel gestrichen. Ist die Saison trotzdem noch positiv zu bewerten?
Der FC Bayern spielt trotz des CL-Ausscheidens eine hervorragende Saison
Der FC Bayern spielt trotz des CL-Ausscheidens eine hervorragende Saison | Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages

Die Meisterschaft ist gewonnen, das Pokal-Endspiel erreicht, doch das Champions-League-Finale wird erneut ohne den FC Bayern stattfinden. Dies ist die bittere Realität nach dem 1:1 gegen Paris Saint-Germain im Rückspiel der Champions League.

"In elf Jahren beim FC Bayern war das die stärkste Saison, die wir gespielt haben. Stärker sogar als die Triple-Saison."
Joshua Kimmich

Kaputtreden lassen wollten sich die enorm enttäuschten Bayern-Stars ihre Saison nach dem unglücklichen K.o. dennoch nicht. "In elf Jahren beim FC Bayern war das die stärkste Saison, die wir gespielt haben. Stärker sogar als die Triple-Saison, da haben wir ein halbes Jahr eigentlich keinen guten Fußball gespielt", unterstrich Joshua Kimmich nach dem Spiel seine Meinung. Doch ist ein solch positives Fazit überhaupt zulässig, wo doch der größte Traum geplatzt ist?

Ein Vergleich mit der Triple-Saison ist generell schwierig, da hier die Corona-Pandemie Einfluss genommen hat. Zwar hatten die Bayern im Jahr 2020 einen Ticken mehr Balance im Spiel und waren letztlich auch kaltschnäuziger, jedoch ist es gar nicht zielführend, beide Spielzeiten gegenüberzustellen.

Bayern spielt trotz CL-Aus eine grandiose Runde

Vielmehr muss man das bewerten, was in diesem Jahr passiert ist - und hier muss man Kimmich durchaus zustimmen. Ein knappes Ausscheiden gegen ein Top-Team wie PSG legt zwar einen kleinen Schatten über die Saison, nichtsdestotrotz absolvieren die Bayern eine grandiose Runde und haben auch in der Champions League brilliert.

Mit dem offensiven, spektakulären und meist auch erfolgreichen Fußball haben die Münchner das Fan-Herz zum Glühen gebracht. Lange hat ein Bayern-Team einen nicht mehr so in den Bann gezogen wie in dieser Saison, lange konnte man sich nicht mehr so mit einer Mannschaft identifizieren. Gerade die Partien gegen Real Madrid und Paris Saint-Germain waren Fußball-Feiertage mit Dramatik, Spannung und atemberaubenden Angriffen.

Es sind die Matches, auf die man die gesamte Spielzeit hinfiebert. Sie haben alles gehalten, was sie versprochen haben - und vor allem die Emotionen geliefert, die eine ungefährdete Meisterschaft nach all den Titeln nicht mehr liefern kann.

Madrid-Weiterkommen bleibt als positives Highlight hängen

Trotz des Ausscheidens bleibt der lange ersehnte Prestige-Sieg gegen Real Madrid in bester Erinnerung. Der erste Durchgang im Bernabeu war vielleicht das höchste Niveau, das je ein Bayern-Team auf den Platz gebracht hat - und das Weiterkommen in der Allianz Arena Ekstase pur.

Hätte man Madrid nicht geschlagen, hätte man die Saison tatsächlich deutlich negativer bewerten müssen, so aber hatte das Team den einen ganz großen Moment auf internationaler Bühne.

Schiedsrichter-Entscheidungen mitverantwortlich für das Aus

Zwar gerieten die Münchner gegen PSG schon im Hinspiel an ihre Grenzen, jedoch trat hier vor allem eine Eigenschaft des Bayern-Teams in den Vordergrund, die das ganze Jahr über zu spüren war. Ein Team, das nach einem 2:5 in Paris nicht zerfällt und noch auf 4:5 stellt, hat wahrlich eine ganz besondere Mentalität und Kampfstärke. Umso bitterer das frühe Gegentor im Rückspiel.

Unter dem Strich waren es wie so oft auch strittige Schiedsrichter-Entscheidungen, die ein Duell auf Augenhöhe entschieden haben. Insbesondere die nicht gegebene Gelb-Rote Karte gegen Nuno Mendes hat PSG geholfen und Bayern womöglich das CL-Finale gekostet. Keineswegs ist man gegen starke Pariser, die im Rückspiel praktisch keine Fehler gemacht haben, untergegangen.

Der FC Bayern ist noch attraktiv und angesagt

Fasst man die Champions League und die grandiose Bundesliga-Saison mit schon jetzt 116 Toren zusammen, kann man nur von einer bärenstarken Runde sprechen. Dabei darf man auch nicht vergessen, wie düster die Stimmung noch im Sommer war. Die Transferphase hat kaum einen begeistert und insbesondere die Absage von Florian Wirtz hat darauf schließen lassen, dass der FC Bayern einfach nicht mehr so attraktiv und angesagt ist wie früher.

Selbiges Gefühl hatte man schon ein Jahr zuvor, als reihenweise Trainer einen Job in München ausgeschlagen hatten. All diese Fragen sind nun aber Schall und Rauch. Der FC Bayern hat gezeigt, dass er noch immer ein Top-4-Verein in Europa ist, mit seinem begeisternden Fußball mächtig Eigenwerbung betrieben und an Strahlkraft gewonnen hat. Dank Vincent Kompany ist auch die Außendarstellung wieder erstklassig.

Bayern muss das DFB-Pokalfinale gewinnen

Und doch gibt es noch eine Sache, die für eine positive Endbewertung enorm wichtig wäre. Der FC Bayern muss endlich wieder den DFB-Pokal gewinnen. Eine Saison mit nur einem Titel würde den Leistungen des Kompany-Teams schlichtweg nicht gerecht werden. Folgerichtig muss gegen den VfB Stuttgart im Finale ein Sieg her, damit man wirklich von einer rundum gelungenen Saison sprechen kann.

Letztlich bleibt es eben dabei, dass eine Saison an den gewonnen Titeln gemessen wird. Da die Meisterschaft praktisch obligatorisch ist, benötigt es den Pokal als Extra-Schmankerl.

Es gibt noch Verbesserungspotenzial

Vincent Kompany hat in München Großes in Bewegung gebracht, jedoch muss an so mancher Schwäche gearbeitet werden, um den Henkelpott in der kommenden Saison gewinnen zu können. An der ein oder anderen Stelle hat schlichtweg noch der letzte Tacken Reife gefehlt.

So attraktiv die offensive Spielweise auch sein mag, müssen die Bayern hier und da mehr dosieren. Bezeichnend dafür war das frühe 0:1 im Rückspiel gegen Paris. Nachdem man schon im Hinspiel zahlreiche Chancen und Gegentore zugelassen hat, weil die Außenverteidiger hoch gepresst haben und nicht sehen konnten, was in ihrem Rücken abgeht, kann es nicht sein, dass nach knapp drei Minuten genau auf diese Weise erneut ein Gegentreffer fällt.

Die Spiele gegen Real und insbesondere gegen PSG waren teilweise eine Gratwanderung zwischen positiver und negativer Ekstase. Wer Champions-League-Sieger werden möchte, muss gegen die Top-Teams der Welt Konter besser absichern und vor allem die Außenbahnen besser dicht halten. Letztlich hat das neben den Schiedsrichter-Entscheidungen den Bayern das Genick gebrochen.

In Hinblick auf die kommende Saison darf man aber auch deswegen optimistisch sein, weil Jamal Musiala und Alphonso Davies dann hoffentlich wieder voll zurück sind. Beide haben gute Ansätze gezeigt, bei beiden war aber auch offensichtlich, dass sie noch nicht wieder auf ihrem absoluten Top-Level sind. Gelingt dies, ist der FC Bayern noch eine Spur stärker.

Zu guter Letzt ist Max Eberl zudem gefordert, auf dem Transfermarkt möglichst zwei Top-Alternativen in der Offensive zu verpflichten. Im Vergleich zu anderen Top-Klubs kann der FC Bayern einfach zu wenige Hochkaräter von der Bank bringen. Gerade das hätte im Rückspiel gegen Paris, bei dem ausgerechnet Michael Olise einen ganz gebrauchten Tag erwischt hat, die Wende bringen können.


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