Die Saison 2025/26 ist (mit Ausnahme der Relegationsspiele) nun Geschichte – und was war das bitte für eine Spielzeit für Borussia Dortmund?! Mit letztlich 73 Punkten beendeten die Borussen eine Spielzeit im deutschen Oberhaus so erfolgreich wie seit 2019 nicht mehr und dennoch fühlt sich alles irgendwie unrund, nicht zufriedenstellend und trüb an.
Im Pseudo-Meisterrennen der Bundesliga war man dem FC Bayern München letztlich chancenlos unterlegen; mit 16 Punkten ist der deutsche Rekordmeister fast schon außer Sichtweite vor dem BVB im Ziel eingeflogen. Auch in den Pokalwettbewerben gab es lediglich die mit Tränen verzierte Teilnehmerurkunde.
Im DFB-Pokal schied man bereits im Achtelfinale aus und vom ganz bitteren Ausscheiden im Zwischenrundenduell der Champions League mit dem italienischen Vertreter Atalanta Bergamo fangen wir besser gar nicht erst wieder an.
In Dortmund keimt ein zartes Pflänzchen
Davon, dass der BVB – mit dem FC Bayern ausgeklammert – die erfolgreichste Spielzeit aller Vereine in der nun abgeschlossenen Bundesligasaison hingelegt hat und mit acht Punkten Vorsprung auf RB Leipzig als "Meister der Normalos" bezeichnet werden kann, kann man sich in Dortmund recht wenig kaufen.
Der BVB schien einfach nur gut mitspielen zu können – mehr aber auch nicht. Doch Moment mal, was ist das denn für ein komisches Gefühl im Bauch?
Der BVB hat in den vergangenen Monaten einen spürbaren Umbruch eingeleitet – und das nicht nur auf dem Rasen. Mit dem Aus von Vereinsikone Sebastian Kehl, der sich lange als Spieler und anschließend als Funktionär treu dem Verein aufopferte, begann ein strukturelles Umdenken und ein Neuanfang von der Spitze herab mit frischen Ideen und neuem, unbefangenen Mut.
Mit Ole Book, der sich bei der SV Elversberg bereits eindrucksvoll beweisen konnte, aber im deutschen Oberhaus noch ein unbeschriebenes Blatt ist, wurde Kehl auf dem Stuhl des Dortmunder Sportdirektors mit frischem Blut ersetzt. Doch neben der Hoffnung auf die große Besserung schwangen immer wieder auch Zweifel mit, ob der 40-jährige Book dem BVB bereits gewachsen wäre.

Die ersten Amtswochen hatten es für den neuen Sportdirektor auch gleich in sich. Da wäre zum einen die aufsehenerregende Vertragsverlängerung von Abwehrstar Nico Schlotterbeck, die noch immer einen etwas faden Beigeschmack hat, da unklar ist, ob der 26-Jährige angesichts seiner Ausstiegsklausel länger beim BVB bleiben wird.
Book wurde umgehend ins kalte Wasser geworfen und durfte die brisante Geschichte als seine erste echte Amtshandlung den unbarmherzigen Haifischen der Medienwelt verkaufen und jede Nachfrage wegkommentieren.
Zum anderen gab es aber auch die großen Abschiede von unter anderem namhaften Starspielern wie Julian Brandt oder Niklas Süle und nicht zu vergessen Salih Özcan.

Die Borussen scheinen einen Frühjahrsputz zu veranstalten – mit dem frischen Besen in der Hand schiebt Ole Book den Staub vergangener Tage fleißig beiseite. Die ersten Zweifel am Sportdirektor sind mittlerweile zuversichtlichem Nicken und flächendeckend breiter Zustimmung gewichen.
Und was kommt da plötzlich zum Vorschein? Es ist ein zartes Pflänzchen der Hoffnung, das in einem noch etwas blassen gelb-schwarzen Farbton aus dem grauen Mief der jüngeren Dortmunder Vergangenheit keimt.
Man wird beim BVB doch nicht etwa mal ernsthaft hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können?
Die Dortmunder Dialyse – frisches Blut für neuen Mut
Während die letzten Miesepeter noch ganz düster und abwinkend nichts von einem hoffnungsvollen Aufschwung wissen wollen und sich lieber am deutlich einfacheren Gemotze festhalten, wandelt sich gerade das Gefühl rund um den BVB und neue Zuversicht keimt auf.
Denn neben dem klaren und befreienden Schnitt bei teuren Altlasten geht auch ein klarer Tapetenwechsel einher, der dem Vizemeister ein neues Gesicht und frischen Glanz verschafft und dabei altbekannte Gefühle hervorruft.

Der beste Beweis dafür ist die Verpflichtung von Joane Gadou, der als echter Transfercoup betrachtet werden darf. Mit dem 19-jährigen Franzosen konnte sich der BVB einen Rohdiamanten der Extraklasse angeln, der die Bundesligaherzen im Sturm erobern könnte – ähnlich wie dies einem Luka Vuskovic beim HSV gelang. Ihm zur Seite stehen weitere vielversprechende Jungstars wie Samuele Inacio, Luca Reggiani, Filippo Mane, Jobe Bellingham und bald auch Kaua Prates und Justin Lerma.
Neben dem Pool von Supertalenten gibt es die nicht viel älteren, aber bereits deutlich erfahreneren Hoffnungsträger des BVB, wie etwa Carney Chukwuemeka, Maximilian Beier oder Fabio Silva. Gerade Letzterer gilt als Leuchtturm der Fan-Hoffnungen bei den Borussen.

Wenn der Umbruch weiter clever gestaltet werden soll, dann sollte man den Portugiesen zum neuen Stürmer Nummer eins machen und sich im Sommer vom wechselwilligen und scheinbar launischen Serhou Guirassy trennen.
Störfaktoren des Umbruchs entsorgen
Wie kaum ein anderer im "neuen Kader" verkörpert der Guineer den abgenutzten Frack der enttäuschten Vergangenheit und ist auch bei den Fans zunehmend in Ungnade gefallen. Wie aus der Türkei zu hören ist, soll Fenerbahçe Istanbul dem Vernehmen nach seit langem großes Interesse an einer Verpflichtung des 30-Jährigen haben, und auch Serhou Guirassy soll von einem Transfer zu einem aussichtsreicheren Titelaspiranten als dem BVB träumen.
Der Umbruch in Dortmund kostet viel Geld, und das könnte Guirassy in die Kassen spülen. Doch damit nicht genug.

In diesem Zuge sollte man auch am eskapadenfreudigen Karim Adeyemi nicht länger festhalten und den nicht selten als Quertreiber auftretenden Offensivspieler im Sommer noch zu Geld machen. An Interesse am pfeilschnellen Offensivmann soll es wohl nicht mangeln und Adeyemi selbst gelingt es nicht, sein Potenzial dauerhaft auf den Platz zu übertragen. Will der BVB noch Geld für den 24-Jährigen sehen und zeitgleich Gehalt für andere Spieler einsparen, dann in diesem Sommer.
Es ist nur ein Gefühl, aber Borussia Dortmund...
Wichtige Vertragsverlängerungen sowie neuer Mut und frische Ideen aus der Spitze der Kaderplanung, die sich bereits in dem gewagten, weil teuren Transfer von Joan Gadou widerspiegeln. Unheimlich viel Potenzial und Raum zu großer Entwicklung innerhalb des bereits bestehenden Kaders dank zahlreicher Top-Talente. Ein insgesamt rosiger Ausblick. Doch auch die Kissen werden in der Frühlingssonne ausgeschüttelt und von altem Staub befreit.
Mit dem Abgang von einigen großen Namen beim BVB wie Brandt, Süle und möglicherweise auch Guirassy und Adeyemi, gibt man denen, die dahinter kommen, nun endlich die Luft zum Atmen und sich in neuen Rollen frei zu entfalten. Zum Wohle einer neuen, gesünderen und klareren Hierarchie.

Zu diesen neuen Anführern gehört neben den ohnehin schon ausgemachten Leadern Nico Schlotterbeck (26) und Gregor Kobel (28) künftig sicher auch Mittelfeldstar Felix Nmecha (25), dem so mancher Experte Weltklasseniveau zutraut, sofern er von größeren Verletzungsproblemen verschont bleibt. Auch seine Vertragsverlängerung war ein enormes Signal.
Echte Liebe & endlich echte Hoffnung?
Es ist nur so ein Gefühl, aber es scheint, als habe Borussia Dortmund endlich einen Weg eingeschlagen, der nun fruchtbaren Nährboden für einen echten Neuanfang bietet.
Es ist der Mut, nicht mehr an alten Hoffnungen festzuhalten, sondern nach vorne zu blicken und bewusst den Weg der Entwicklung zu wählen, bei dem auch die neuen tragenden Säulen gestärkt werden.

Dieser Weg wird vielleicht auf kurze Sicht noch nicht die Früchte tragen, von denen alle seit so langer Zeit träumen. Doch er ist mit Sicherheit der richtige Weg, um zu den Bäumen zu gelangen, die eben diese Früchte tragen. Ernten muss jeder ohnehin selbst.
Viel Arbeit, Geduld und weiterer visionärer Mut werden erforderlich sein, doch der frische Wind in Dortmund wird sicherlich bereits ab Spieltag eins der neuen Saison spürbar sein.
Was man damit in Dortmund entfachen kann, hat man in den ersten erfolgreichen Jahren von Jürgen Klopp gesehen. In der Spielzeit 2010/11 erreichte der Kult-Coach unter anderem mit einem 19-jährigen Mario Götze sowie den Hoffnungsträgern Robert Lewandowski, Shinji Kagawa, Mats Hummels, Kevin Großkreutz, Neven Subotic, Sven Bender und Nuri Sahin (die damals alle 22 Jahre alt waren) bereits Zählbares und festigte den BVB nach Jahren des Mittelmaßes wieder in der Fußballelite.

Auch damals gab es einen erfrischenden Mix aus heißhungrigen Hoffnungsträgern und Toptalenten sowie vereinzelt fest verwurzelten Führungsspielern wie Dede, Roman Weidenfeller oder Sebastian Kehl.
Umbruch muss auch vom Trainer getragen werden
Um den Aufbruch jedoch vollständig und nachhaltig zu machen, muss auch Cheftrainer Niko Kovac mit der Zeit gehen und seine Defensivstärke nur noch als Basis des künftigen Spielstils und Auftretens ansehen.
Was man sich in Dortmund längst von ihm wünscht, ist endlich wieder Fußball, der die Fans ins Stadion lockt. Zuletzt waren es eher die große Verbundenheit und die echte Liebe der Fans in Kombination mit regelmäßigen Punkten, die viele Anhänger im Stadion gehalten haben und so manchen Terrorball erträglicher oder aushaltbar machten. Auch hier braucht es Aufbruchstimmung, neuen Mut und frischen Wind.

Dortmund muss neben den hoffnungsvollen Gedankengängen auf dem Papier (und endlich mal wieder schönen Heimtrikots) auch auf dem Platz endlich wieder ansehnlicher werden und Spaß am Spiel verkörpern.
Gelingt es Kovac, diesen Spaß am Spiel zu entfachen, mutige Spielfreude als Steckenpferd aufzuzäumen und damit die gesamte Qualität seiner Truppe zu entfalten, wird sich Borussia Dortmund wie eine Lawine über die Bundesliga ausbreiten und mit frischem und frechem Fußball neue Herzen erobern. Davon bin ich überzeugt.
Ob es dann auf Sicht auch mal wieder reicht, die Bayern hinter sich zu lassen oder andere Erfolge einzufahren, wird sich zeigen müssen – und es wird Glück erfordern. Aber Glück ist letztlich nichts anderes als die Summe aus Vorbereitung und Gelegenheit. Wenn es soweit ist, müssen die Borussen bereit sein. Es braucht dafür aber ein Ausbrechen aus dem zurückhaltenden Denken auf und neben dem Platz.
Ich habe den Eindruck, dass es nicht die Dunkelheit ist, die Borussia Dortmund fürchtet, sondern das eigene Licht.
Man möchte als Außenstehender fast schon zurufen: Trau dich, BVB, trau dich endlich! Trau dich, wieder groß und schön zu sein!
Weitere BVB-News lesen:
