Jetzt sind es "60 years of hurt"! Die Three Lions haben es erneut nicht geschafft, ins WM‑Finale einzuziehen, und müssen weiter auf den zweiten Weltmeisterschaftstitel seit 1966 warten. Im Halbfinale gegen Argentinien ging England in Hälfte zwei zwar mit 1:0 in Führung. Im Anschluss parkte die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel aber den sprichwörtlichen Bus.
Das große Problem: England ließ Türen und Fenster offen. Die Albiceleste erspielte sich Chance um Chance und drehte kurz vor Schluss das emotionsgeladene Duell verdient. Hochverdient, kann man sogar sagen.
- England 1-2 Argentinien: Die Highlights des WM-Halbfinals im Video
- Die Pressestimmen aus England
- Das sagt Tuchel zu seinen Wechseln
- Die Pressestimmen aus Argentinien und dem Rest der Welt
England 1-2 Argentinien: Die Highlights des WM-Halbfinals im Video
Nach der englischen Führung durch Anthony Gordon in der 55. Minute hatten die Three Lions nur noch einen Ballbesitzanteil von zwölf (!) Prozent zu verzeichnen. Beim Torjubel schien die komplette Energie aus den englischen Akteuren herausgezogen worden zu sein.
Nach der obligatorischen Trinkpause stellte Tuchel auf eine noch defensivere Fünferkette um und brachte mit Konsa, O'Reilly und Burn in der Schlussphase drei frische Verteidiger. Weil er damit die Mauer-Taktik weiter befeuerte, geriet Tuchel wenig verwunderlich ins Kreuzfeuer der Kritik.
Die englische Presse sparte nach dem Halbfinal-K.o. nicht mit Vorwürfen. "Das geht auf Tuchels Konto", hieß es unter anderem in der Sun. Der Mirror meinte: "Tuchels Wechsel gehen nach hinten los."
Laut BBC wird Tuchel dennoch im Amt bleiben und soll seinen Vertrag erfüllen. Dieser ist bis nach der Heim-EM 2028 datiert (mehr Infos zur Tuchel-Entscheidung hier).
Die Pressestimmen aus England
The Sun: "Welt des Leids. Die Three Lions sind am Boden zerstört. Die Fans schimpfen: 'Das geht auf Tuchels Konto' - der englische Nationaltrainer wird wegen 'feiger' Auswechslungen bei der Niederlage im WM-Halbfinale scharf kritisiert."
The Mirror: "Das ist herzzerreißend. Tuchels Wechsel gehen nach hinten los."
The Guardian: "Argentinien bricht Englands Herzen. Die Mentalitätsmonster haben es wieder getan!"
The Times: "Qualen für England, nachdem Martinez Argentinien in der Nachspielzeit den Sieg bringt."
Daily Mail: "Herzschmerz in Atlanta! Es ist wieder passiert... Es ist eine weitere schmerzhafte Niederlage für England. Aller guten Dinge sind drei. Die Three Lions verlieren ihr drittes WM-Halbfinale in Folge, und diese Niederlage schmerzt besonders. Die Titelverteidiger werden am Sonntag ihren Titel verteidigen."
The Telegraph: "Es gab viele Stolpersteine auf dem Weg und viel zu viele Demütigungen im Laufe der Jahre, aber als England fünf Minuten vor Schluss in einem WM-Halbfinale führte, hatte man das Gefühl, dass es diesmal vielleicht anders sein könnte. England verlor das Spiel durch zwei Gegentreffer innerhalb von sieben Minuten. Die Vorwürfe werden noch Jahre anhalten."
Das sagt Tuchel zu seinen Wechseln
"Glaube nicht, dass es ein strukturelles Problem war."Thomas Tuchel
Der "angeklagte" Tuchel wurde nach der bitteren Pleite natürlich zu seinen Wechselüberlegungen befragt. Der 52-jährige Deutsche meinte, sein Team sei "nah dran" am Finale gewesen, "aber nach unserem Tor sind wir zu passiv geworden, haben viele Chancen zugelassen und konnten den Ballbesitz nicht für uns entscheiden".
Tuchel weiter: "Wir haben so, so viele Flanken, Chancen und Torschüsse zugelassen. Wir waren nah dran, konnten aber nach unserem Tor das Niveau nicht halten."
Er erklärte auch, warum er sich für die Umstellung auf eine Fünferkette entschied: "Wir haben uns für eine Fünferkette entschieden, weil die Lücken zu groß waren, sie jeden Kopfball gewonnen und immer wieder Flanken geschlagen haben. Wir wollten die Lücken im Innenraum schließen und in der Luft stark sein."
Nach der Führung hatte England zunächst im gewohnten 4-2-3-1-System weitergespielt, das gegen den Ball zu einem 4-4-2 wird. Tuchel dazu: "Wir haben nach dem Tor nichts geändert, aber das Spiel hat sich komplett gewandelt. Das kann man mit einer Million Trainer diskutieren. Ich muss auf dem Platz eine Entscheidung treffen, so habe ich das Spiel analysiert und mich auf eine bestimmte Weise verhalten. Ich übernehme die Verantwortung."
Ein offensiver Wechsel sei für ihn derweil nicht infrage gekommen: "Natürlich wollten wir ein zweites Tor erzielen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ein offensiver Wechsel helfen würde. Wir blieben im 4-4-2, wurden aber immer passiver, konnten keine Bälle gewinnen und den Ball nicht halten. Daher glaube ich nicht, dass es ein strukturelles Problem war."
"Dieses sich früh reinfallen lassen und passiv werden – das ist der Tod von Führungen."Mats Hummels (MagentaTV)
Mats Hummels kritisierte als Experte bei MagentaTV, dass die Engländer in ihrer Defensiv-Taktik deutlich zu passiv agierten: "Wenn man das verteidigt, muss man super aktiv bleiben. Wenn du nicht als ganze Mannschaft, bis auf vielleicht den Mittelstürmer, komplett aktiv und aggressiv weiter verteidigst, dann wirst du erdrückt, weil dann fliegen zu viele Bälle rein. Dann kommt genau das. Aber sie haben leider nicht die Lehren rausgezogen. Deswegen: Dieses sich früh reinfallen lassen und passiv werden – das ist der Tod von Führungen.“
Die Pressestimmen aus Argentinien und dem Rest der Welt
In Argentinien wurde das Halbfinale natürlich ganz anders wahrgenommen. Dort feiert man den nächsten Einzug in ein WM-Finale und die Chance, den Titel zu verteidigen. Für Volksheld Lionel Messi wäre es der zweite große Triumph. Die Albiceleste könnte mit Deutschland gleichziehen und WM-Titel Nummer vier ergattern.
Pressestimmen aus Argentinien
La Nación: "Ein Sieg für die Ewigkeit."
Olé: "Helden: historische Aufholjagd, tschüss England und ab ins WM-Finale. Mit Toren von Enzo Fernández und Lautaro Martínez besiegte die Albiceleste die Briten mit 2:1 und steht im Finale der Weltmeisterschaft."
Clarín: "Argentinien schreibt gegen England erneut Geschichte: Die Albiceleste dreht ein weiteres episches Spiel und steht im Finale gegen Spanien."
Perfil: "Argentinien schreibt Geschichte: Nach einem Rückstand besiegten sie England und stehen nun im WM-Finale 2026."
Internationale Pressestimmen
Spanien
Marca: "Wir haben das Finalissima! Wie wunderbar! Was für ein Durcheinander, Tuchel!"
AS: "Messi will einen weiteren WM-Titel. Eine brillante und technisch versierte Schlussphase brachte Argentinien ins Finale gegen Spanien am Sonntag."
Sport: "Er ist unsterblich. Einzigartig. Unersetzlich. Lionel Andrés Messi Cuccittini weigert sich zu gehen. Der Kapitän führte Argentiniens Wunderteam in Atlanta zu einem epischen Comeback, eliminierte England und schrieb damit erneut Geschichte."
Mundo Deportivo: "Wir haben ein Finale! Lautaro vollendet Argentiniens Aufholjagd nach einem weiteren Geniestreich von Messi!"
Italien
Gazzetta dello Sport: "Zwei Assists von Messi und Lautaros Tor in der 92. Minute: Argentinien dreht das Spiel gegen England und stürmt ins Finale gegen Spanien!"
Corriere dello Sport: "Argentinien fliegt zum zweiten Mal in Folge ins WM-Finale: Ein unendlicher Messi bei den Toren von Fernández und Lautaro. In Atlanta reicht England der frühe Führungstreffer von Gordon nicht, das sich im Halbfinale mit erhobenem Haupt verabschiedet. Die Albiceleste von Scaloni spielt am Sonntag als Titelverteidiger gegen Spanien von de la Fuente um den Pokal."
Tuttosport: "'It's not coming home' Argentinien gegen Spanien im WM-Finale. Das Spiel in sieben Minuten gedreht. Lautaro Martínez zum Verrücktwerden."
Frankreich
L'Équipe: "Heroisches Argentinien! Fünf Minuten vor dem Ende zurückliegend und erneut bis an die Grenzen gedrängt, hat Argentinien wieder eine außergewöhnliche Remontada geschafft, um die Three Lions an diesem Mittwoch in Atlanta aus dem Turnier zu werfen."
Le Figaro: "Unverwüstlich. Unermüdlich. Wie durch ein Wunder. Wie schon im Achtelfinale gegen Ägypten ist Argentinien auch diesmal aus dem Nichts zurückgekommen, um England an diesem Mittwoch in Atlanta zu stürzen."
