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Emotionale Stärke fehlt völlig: Diese Schwäche der DFB-Auswahl wird total unterschätzt

Wer nicht mehr bloß durch das spielerische Können zu überzeugen weiß, der braucht mehr emotionale Stärke. Doch dieser Effekt geht der deutschen Nationalmannschaft völlig ab. Ein Kommentar.
Deutschland-Fans nach dem WM-Aus gegen Paraguay
Deutschland-Fans nach dem WM-Aus gegen Paraguay | DeFodi Images/GettyImages

Angesichts des frühen und schlichtweg peinlichen Ausscheidens der deutschen Nationalmannschaft wird nun vorrangig über Julian Nagelsmann, seine Zukunft als Bundestrainer sowie die sportlichen Hintergründe diskutiert.

Ein Faktor, der dabei aber zu kurz kommt: Zwischen dem DFB-Team und Deutschland als Land, also primär den mitgereisten Fans vor Ort, gibt es keinerlei emotionale Verbindung.

Dabei ist aber nicht das vermeintliche Fehlen von Identifikationsfiguren gemeint oder eine angebliche Entfremdung, von der insbesondere rund um die "Stakeholder"-Debatte und der Kritik von kaum öffentlichen Trainingseinheiten vor ein paar Jahren die Rede war. Nein, vielmehr geht es um ein im wahrsten Sinne des Wortes verbindendes Element.

Als positives Gegenbeispiel sind zurzeit allen voran die Norweger zu erwähnen. Bereits im Vorlauf zur Weltmeisterschaft hat Norwegen das Image als Wikinger ganz bewusst bespielt, sogar ein Mannschaftsfoto in diesem Stil machen lassen. Das schweißt identitätsstiftend zusammen, war aber vor allem passend zum bekannten Rudern, das die Fans auf der öffentlichen Straße wie im Stadion zelebrieren.

"Ru!", schallt es nach zweifachem Trommelklang durch die Stadien. Während der Spiele, und nach den Siegen dann sogar gemeinsam mit der Mannschaft. Das sorgt für eine große emotionale Verbindung – und zwar auf direktem Wege. Die Spieler wissen, dass sie ein ganzes Land repräsentieren, haben dafür ein echtes Gefühl und sind emotional aufgeladen.

Die DFB-Auswahl braucht auch ein identitätsstiftendes Element – bestenfalls in direkter Verbindung zu den Fans

Nun mag es in einem Land, in dem es phasenweise schon verpönt ist, zur WM eine Deutschland-Flagge am Auto zappeln zu haben, umso schwieriger sein, eine solche Verbindung zwischen Fans und Mannschaft aufzubauen. Deshalb ist dieser Einwand auch gar nicht so sehr als Kritik gemeint, sondern viel eher als ein Hinweis: Dieser emotionale Faktor fehlt der DFB-Auswahl.

Das Höchste der Gefühle in dieser Hinsicht ist die Tormelodie, wenn wieder das Raumschiff abhebt – was meines Erachtens ohnehin eher ungeeignet für eine Tormelodie ist, aber das ist ein anderes Thema.

Wie eine solche emotionale Verbindung für die deutsche Nationalmannschaft aussehen kann? Schwierig zu beantworten, ein direkter Vorschlag liegt mir fern. Bloß eine andere Nation abzukupfern würde nicht helfen, es wäre eine ganz natürliche Entstehung nötig. Dennoch ist es wohl wichtig anzumerken, dass das DFB-Team auf diesen zusätzlichen Booster nicht zurückgreifen kann.

Nicht bloß zu wissen, sondern wirklich zu spüren und bestenfalls sogar vor Augen zu haben, dass man die eigene Nation vertritt und damit nicht bloß eine Flagge, sondern jeden, der es mit diesem Land hält – diese Stärke hat Deutschland nicht. Wie gesagt: Norwegen ist wohl zurzeit das beste Gegenbeispiel.


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