Der FC Bayern hat den Anspruch, die besten deutschen Talente zu sich zu holen, ist auf der Suche nach einem Linksaußen und will den vor allem in der Premier League vorherrschenden Transfer-Wahnsinn nicht mitmachen. Umso unlogischer wäre es, einen zwar vielseitig einsetzbaren, aber auch seit zwei Jahren stagnierenden und exorbitant teuren Anthony Gordon zu verpflichten.
Warum überhaupt in die Ferne blicken, wenn das Gute so nahe ist. Tatsächlich war "das Gute" am Samstagnachmittag sogar zu Gast im Münchner Wohnzimmer, direkt vor der Nase der Bayern-Verantwortlichen. Damit auch wirklich der jeder von seinem Besuch mitbekommt, glänzte er mit einem der sehenswertesten Treffer der Saison.
Die Rede ist natürlich von Köln-Star Said El Mala, der perfekt in die Münchner Philosophie passen würde. Eigentlich ist es ein mittelschweres Wunder, warum die Gerüchteküche hier noch nicht längst am Kochen ist. Hat der FC Bayern kein Interesse an El Mala? Hat El Mala keine Lust, in München zu spielen? Oder ist längst was im Busch und die Parteien halten das nur gut geheim?
El Mala wäre deutlich erschwinglicher als Gordon
Sofern die Bayern El Mala noch nicht auf dem Zettel haben, sollten sie das jedenfalls schleunigst ändern. Zwar sollen die Kölner rund 50 Millionen Euro fordern, jedoch wäre er damit noch immer rund 30 Millionen Euro billiger als Gordon. Davon abgesehen dürfte er in Sachen Gehalt maximal die Hälfte im Vergleich zum Newcastle-Profi fordern, der schon seit Jahren in der Premier League abkassiert. Die Münchner würden definitiv so viel Geld sparen, dass noch ein starker Backup für Harry Kane verpflichtet werden könnte.
Angesichts der Tatsache, dass die Bayern ohnehin offensiv sehr dünn besetzt sind, wäre die Option aus El Mala und einem richtigen Mittelstürmer jedenfalls interessanter als ein Gordon-Transfer alleine.
Die Münchner sehen in Gordon wohl den fertigeren Spieler, was er zweifelsfrei ist. Jedoch ist es auch ein häufig formuliertes Ziel des FC Bayern, Spieler selbst weiterentwickeln zu wollen. Mit Vincent Kompany hat der Klub einen Trainer, der das kann, und El Mala besitzt mit seinen 19 Jahren ein Potenzial, dem praktisch keine Grenzen gesetzt sind.
El Mala mit beeindruckender Bilanz in erster Bundesliga-Saison
Bereits in seiner ersten Bundesliga-Saison hat der Youngster mit 13 Toren mehr als doppelt so viele Tore erzielt, wie Gordon in der laufenden Premier-League-Spielzeit. Die 13 Buden sind auch deswegen so stark, weil Köln gegen den Abstieg gespielt hat und das für einen Offensivspieler besonders schwer ist. Der Blick auf die Torjägerliste verrät, dass kein Spieler aus der unteren Tabellenhälfte häufiger getroffen hat als das Köln-Juwel.
Doch auch abgesehen von seiner Torgefahr bringt El Mala alles mit, was ein Flügelstürmer braucht. Besonders hervorzuheben wäre natürlich sein Tempo. Der 19-Jährige wurde in der abgelaufenen Bundesliga-Saison mit 35,9 km/h gemessen und landete damit in den Top-10. Bestaunen konnte man seinen Speed erst jüngst im Duell mit dem FC Bayern, als er bei seinem spektakulären Treffer unter anderem Konrad Laimer, dem am schnellsten gemessenen Bayern-Spieler, davonlief.
Hinzu kommt, dass El Mala sehr stark im Eins-gegen-Eins ist, was statistisch belegt ist, indem er seine Dribblings am neuntmeisten in der abgelaufenen Bundesliga-Saison erfolgreich abgeschlossen hat. Hinzu kommen ein strammer Schuss und scharfe Flanken, selbst wenn die Streuung manchmal noch etwas groß ist.
El Mala hat Raum und Zeit für Verbesserungen
Ist El Mala damit schon ein fertiger Star? Nein, natürlich nicht. Um beim FC Bayern den Durchbruch zu schaffen, müsste er gegen den Ball, im Kurzpassspiel und in Sachen Ballsicherheit definitiv noch eine Ecke zulegen. Genau das kann der Kölner in München aber lernen. Wir dürfen nicht vergessen, dass El Mala erst eine Bundesliga-Saison hinter sich hat.
Für den FC Bayern wäre es auch gar kein riesiges Problem, wenn El Mala ein wenig Anlaufzeit benötigt. Auf Linksaußen ist schließlich ohnehin Luis Diaz die Nummer eins, der auch kaum mal mit verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen hat. Hinzu kommt, dass Serge Gnabry nach seiner Verletzung auch wieder zurückkommen wird.
Bedenkt man die Anwesenheit von Diaz und Gnabry, die beide um die 30 sind, stellt sich eh die Frage, warum man einen fertigen Spieler wie Gordon für Linksaußen holen sollte. Eigentlich würde ein Talent wie El Mala deutlich besser in die Altersstruktur passen. Dank seiner Beidfüßigkeit könnte dieser zunächst auf beiden Flügeln als Joker fungieren und dann in etwa drei Jahren voll den Job von Diaz übernehmen.
Selbst wenn die Bayern Michael Olise eines Tages verlieren würden, wäre die Offensivreihe der Zukunft mit Lennart Karl, Jamal Musiala und eben El Mala noch immer sehr vielversprechend.
Bayern sollte bei El Mala schnell handeln
Die Bayern-Bosse sollten nicht mehr viel Zeit verlieren und möglichst schnell voll auf die Karte El Mala gehen. Es droht schließlich die Gefahr, dass El Mala mit zur WM darf und dort seinen Marktwert sogar noch weiter nach oben schraubt.
Hinzu kommt, dass die absoluten Schwergewichte auf den Zug aufspringen könnten. Das scheint aktuell noch nicht der Fall zu sein und genau deswegen gilt es auch, die Gunst der Stunde zu nutzen. 50 Millionen Euro sind zwar viel Geld, jedoch wäre sein Marktwert schon jetzt noch ein gutes Stück höher, wenn er die 13 Buden in der Premier League gemacht hätte.
