Dortmund macht bei Julian Brandt einen fatalen Fehler - Kommentar

Borussia Dortmund trennt sich im Sommer von Julian Brandt. Ein Fehler, der fatale Folgen haben könnte.
Julian Brandt
Julian Brandt | IMAGO / Kirchner-Media

Julian Brandt gehörte in den letzten Jahren zu den besonders kontrovers diskutierten BVB-Spielern. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass sein Dortmund-Aus von manchen bejubelt und anderen betrauert wird. Brandt ist für viele eine Symbolfigur für die verpassten Titelchancen und die Unbeständigkeit der Borussen. Ein beliebter Vorwurf: Brandt geht - wenn es nicht läuft - mit dem Team unter.

Es ist durchaus verständlich, dass sich so mancher von Brandt mehr erwartet hätte. Immerhin hat er fußballerisch enorm viel drauf und wurde von Niko Kovac sogar mit Florian Wirtz und Jamal Musiala verglichen. Doch selbst wenn Brandt in Dortmund nicht zum Weltklasse-Spieler wurde, hätte sich der BVB dringend darum bemühen müssen, mit diesem zu verlängern.

Brandt ist der einzige Kreativspieler im BVB-Kader

Brandt bringt schließlich eine Qualität mit, die kein anderer Spieler im Dortmund-Team hat: Kreativität! Der offensive Spielgestalter versteht es mit seiner Technik und Übersicht, Mitspieler einzusetzen, und kann tödliche Zuspiele durch die Gasse spielen. Einen vergleichbaren Spielertypen gibt es in Dortmund nicht. Flügelstürmer wie Maximilian Beier oder Karim Adeyemi haben keinen Hauch von Kreativität und auch Mittelfeldspieler wie Jobe Bellingham oder Carney Chukwuemeka kommen eher über ihre körperlichen Fähigkeiten.

Nicht mal im Ansatz kann man nach den Abgängen von Giovanni Reyna und Pascal Groß einen anderen Borussen als Kreativspieler ansehen. Selbst einen weiteren wirklich guten Techniker sucht man neben Brandt vergeblich.

Gerade als Top-Team benötigt es aber auch Spieler, die gegen tief stehende Ketten spielerische Lösungen finden und als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff fungieren. Mit Tempo und Athletik alleine kommt man da nicht weit. Es muss auch Akteure geben, die die durchaus torgefährlichen Offensivspieler wie Beier, Adeyemi oder Serhou Guirassy freispielen.

Brandt glänzt beständig mit starken Scorer-Zahlen

Brandt hat in seiner Bundesliga-Karriere insgesamt 91 Assists gegeben und liegt im historischen Ranking an Position sieben. Von den aktuellen Bundesliga-Akteuren ist er sogar die Nummer eins. Brandt ist eben kein Durchschnitts-Kicker, wie es im Dortmunder Kader so viele gibt, sondern schon einer, der das gewisse Etwas mitbringt.

Dies zeigen auch seine Scorer-Zahlen. In den letzten Bundesliga-Saisons erzielte Brandt regelmäßig an die 20 Scorer-Punkte. In den letzten drei Jahren gehörte Brandt zudem stets zu den Top-10-Spielern, die am meisten Großchancen eingeleitet haben. In dieser Saison ist er wettbewerbsübergreifend der zweitbeste BVB-Torschütze nach Serhou Guirassy.

In Summe gelangen ihm im BVB-Trikot 125 Torbeteiligungen. Der Borusse kann sowohl als Torschütze als auch als Vorlagengeber auftreten und hat einen großen Anteil daran, dass Dortmund so häufig als Bayern-Jäger Nummer eins agieren konnte. Brandt für die fehlenden Titel verantwortlich zu machen, ist angesichts der Zahlen regelrecht absurd.

Dortmund treibt Umbruch an der falschen Stelle voran

Offenbar haben sich die BVB-Bosse aber genau von diesen Stimmen mitreißen lassen. Rein objektiv ist es schlichtweg nicht zu begründen, einen Spieler im besten Alter vom Hof zu jagen, der Jahr für Jahr zu den Leistungsträgern gehörte. Dabei fließt nicht mal ein Cent Ablöse in die BVB-Kassen.

Brandt wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einer Führungsfigur, der zwar sicher nicht als Aggressive Leader auftritt, im Team aber sehr anerkannt und beliebt ist. Auf solche Spieler können junge Talente, die schon beim BVB sind oder noch nach Dortmund wechseln, aufschauen.

Umso unlogischer ist es, dass Akteure wie Karim Adeyemi, die sich seit ihrer Ankunft mehr Verfehlungen als Top-Vorstellungen geliefert haben, dafür mit Samthandschuhen angefasst werden.

Es ist absolut richtig, dass Dortmund einen Umbruch einläuten muss, nur trifft es mit Brandt eben genau den Falschen. Spieler, die über ihrem Zenit sind oder keinen echten Mehrwert bieten, hätte es mehr als genug gegeben. Marcel Sabitzer, Niklas Süle, Salih Özcan und Emre Can dienen hierbei als Beispiele.

Dortmund reißt unnötige Baustelle auf: Ersatz schwierig zu bekommen

Der BVB bringt sich durch die Brandt-Trennung selbst enorm in die Bredouille. Weder in der Champions League noch im DFB-Pokal wurden die ganz dicken Premien eingestrichen. Wo also soll das Geld für den Umbruch herkommen? Zwar möchte der BVB laut Ricken im Sommer einen Top-Flügelspieler holen, jedoch bräuchte man nun eigentlich auch noch einen Top-Spielgestalter. Bedenkt man, wie überhitzt der Markt ist, sind halbgare Lösungen vorprogrammiert. Insbesondere, wenn man sich auf mehrere Baustellen fokussieren muss.

Womöglich probieren es die Borussen zum gefühlt zehnten Mal mit Sancho, der aber im Gegensatz zu Brandt schon lange nicht mehr als gefährlicher Scorer in Erscheinung getreten ist. Seine aktuelle Saison bei Aston Villa ist zum Vergessen.

Wenn schon Umbruch, dann mit Sinn und Verstand. Das Brandt-Aus spricht hier eine andere Sprache.

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