Für den VfL Wolfsburg und seine Fans herrscht seit dem späten Montagabend Gewissheit. Nach der 1:2-Niederlage im Rückspiel der Relegation gegen den SC Paderborn müssen die Niedersachsen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte einen Bundesligaabstieg verkraften und den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Zum ersten Mal seit ihrem Aufstieg im Jahr 1997 spielen die Wölfe somit also nicht in der höchsten deutschen Spielklasse des Landes. Damals sah die Welt noch ganz anders aus.
Es ist ein komisches Gefühl in Wolfsburg, denn abgesehen davon, dass der Kader der Wölfe auf ganz andere Ziele als den Abstiegskampf ausgerichtet war, entschied man sich vor kurzem dazu, in Sachen Vereinswappen und Identität wieder in die Vergangenheit zu reisen und auf das traditionelle Logo zu setzen.
Ausgerechnet jetzt reist der VfL auch sportlich in die Vergangenheit und kehrt in die 2. Bundesliga zurück. Letztmals spielten die Niedersachsen dort in der Spielzeit 1996/97 und stiegen mit dem damaligen Trainer Willi Reimann am Saisonende auf. Fünf Jahre nach dem Aufstieg aus der damaligen Oberliga Nord war Wolfsburg plötzlich erstklassig und hielt sich 29 Jahre lang am Stück im deutschen Oberhaus.
Reise in die Vergangenheit: Die Welt als Wolfsburg das letzte Mal in der 2. Bundesliga spielte
Blickt man zurück auf die letzte Saison der Wölfe in der 2. Liga, reibt man sich verwundert die Augen.
Zusammen mit dem VfL Wolfsburg stiegen damals auch der 1. FC Kaiserslautern und Hertha BSC in die Bundesliga auf. Die Lauterer wurden anschließend in ihrer Aufstiegssaison gleich deutscher Meister und zogen in die Champions League ein.
Die Zweitligaabsteiger hießen am Saisonende 1996/97 VfB Lübeck, VfB Oldenburg und Rot-Weiss Essen, die am heutigen Dienstagabend ihre Rückkehr in die 2. Bundesliga gegen die Greuther Fürth perfekt machen könnten. Die Fürther hingegen stiegen damals mit Trainer Armin Veh aus der damaligen Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga auf.

Ein Blick auf die Abschlusstabelle der Bundesliga nach dem 34. Spieltag der Saison 1996/97 zeigt auf den ersten Blick keine großen Unterschiede zu heute. Meister wurde der FC Bayern München, dahinter folgten Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart.
Doch dann folgen die ersten deutlichen Anzeichen, dass es sich um ganz andere Zeiten handelte. Auf den Plätzen fünf bis sieben folgten der VfL Bochum, der Karlsruher SC und der TSV 1860 München, die sich allesamt für den Europapokal qualifizierten. Auf Rang neun stand der MSV Duisburg, die drei Absteiger hießen Fortuna Düsseldorf, SC Freiburg und der FC St. Pauli.

Beim FC Bayern spielten damals unter anderem noch Oliver Kahn, Jürgen Klinsmann, Mario Basler und Lothar Matthäus. Trainer war der Italiener Giovanni Trapattoni.
Der BVB sicherte sich im Endspiel der Champions League den Titel gegen Juventus Turin. Mit von der Partie waren unter anderem Matthias Sammer, Stefan Reuter, Michael Zorc, Heiko Herrlich und ein gewisser Lars Ricken, der sich mit seinem Treffer zum 3:1 unsterblich machte. BVB-Trainer damals: Ottmar Hitzfeld.

Bei Vizemeister Bayer Leverkusen spielte damals noch Niko Kovac zusammen mit Ulf Kirsten, Paulo Sergio und Erik Meijer. Trainiert wurde die Werkself von Christoph Daum.
Ein paar weitere bekannte Trainer der Vergangenheit waren damals Werner Lorant bei 1860 München, Jogi Löw beim VfB Stuttgart, Felix Magath beim HSV und Hans-Jürgen "Dixie” Dörner bei Werder Bremen.

Im Oktober 1996 übernahm Huub Stevens den FC Schalke 04 von Patrick Berger. Die Knappen wurden am Saisonende Zwölfter und gewannen auf internationaler Bühne den UEFA-Cup mit einem 3:0-Sieg über Roda Kerkrade. Die Torschützen: Marc Wilmots, Youri Mulder und Ingo Anderbrügge. Beim VfB Stuttgart bildeten Giovane Elber, Fredi Bobic und Krasimir Balakov das "Magische Dreieck“.

Ein Blick nach Spanien erinnert an den Meistertitel von Real Madrid unter Trainer Fabio Capello, der nach der Saison 1996/97 von Jupp Heynckes abgelöst wurde. Im Kader der Madrilenen standen damals unter anderem der deutsche Torhüter Bodo Illgner, die spätere Bundesligalegende Ze Roberto, der für Bayer Leverkusen, den FC Bayern und den Hamburger SV spielte, sowie der spätere Schalker Raúl.
Hinter den Königlichen landete der FC Barcelona mit Trainerlegende Sir Bobby Robson. Im Mittelfeld der Katalanen spielten damals Luis Enrique und Pep Guardiola, im Angriff die brasilianische Fußballlegende Ronaldo sowie der Portugiese Luis Figo.

In der italienischen Serie A sicherte sich Juventus Turin mit Trainer Marcello Lippi und Starspielern wie Didier Deschamps, Antonio Conte, Alessandro Del Piero oder Zinedine Zidane den Meistertitel und beendete die Saison auf dem Thron.
Direkt hinter der Alten Dame sicherte sich Parma den Vizemeistertitel. Mit dabei waren damals der 19-jährige Gianluigi Buffon, Fabio Cannavaro, Lilian Thuram und Hernan Crespo. Die AC Mailand wurde in der Saison 1996/97 nur Zwölfter. Im Kader der Rossoneri waren unter anderem Paolo Maldini, Alessandro Costacurta, Roberto Baggio, George Weah und der deutsche Nationalspieler Christian Ziege.

In der englischen Premier League gewann Manchester United gerade seine zweite Meisterschaft in Folge als beim FC Liverpool ein 17-jähriger Michael Owen langsam die Fußballwelt eroberte. Deutlich bedeutender war jedoch der Sieg der DFB-Auswahl im EM-Endspiel in England im Sommer 1996, noch kurz bevor die Aufstiegsreise der Wölfe ihren Anfang nahm. Matchwinner war damals Oliver Bierhoff mit einem Doppelpack.

Die Welt abseits des grünen Rasen 96/97
Im Juli 1996 wurde mit dem Klon-Schaf Dolly erstmals ein geklontes Tier zur Welt gebracht. Das aus Körperzellen erschaffene Schaf Dolly erlangte im Februar 1997 Weltruhm, als es der Welt vorgestellt wurde.
Ebenfalls im Sommer 1996 startete die Pop-Band Spice Girls mit ihrem Hit "Wannabe" eine Weltkarriere. Bandmitglied Victoria heiratete später die Fußballlegende David Beckham.

Im Winter 1996 kurz vor der Weihnachtszeit erobert das Spielzeug Tamagotchi die Kinderherzen des Planeten. Das kleine Kult-Gerät erfreut sich noch heute großer Beliebtheit unter Sammlern und Liebhabern.

Nur wenige Monate nach dem Aufstieg des VfL Wolfsburg in die Bundesliga kam die englische Prinzessin Diana bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Die NASA schickte die Sonde Pathfinder auf den Mars. Wenig später, im Sommer 1997 und kurz nach dem Wolfsburger Aufstieg kommt der erste Harry Potter Band auf den Markt.

Die Telekom ging im November 1996 an die Börse und deutscher Bundeskanzler war damals noch Helmut Kohl, der Tony Blair im Mai 1997 zu seiner Wahl als Premierminister Großbritanniens gratulierte.
Wie man sieht, war die Welt damals tatsächlich in vielerlei Hinsicht eine ganz andere. Vieles von dem, was brandneu und aktuell war, als der VfL Wolfsburg aus der 2. Bundesliga ins deutsche Oberhaus aufstieg, ist heute Kult – oder längst in Vergessenheit geraten.
Was macht eigentlich?
