Seit der Ankunft von Vincent Kompany spielt der FC Bayern München gefühlt in einer anderen Liga als der Rest der Bundesliga und dominierte vor allem im Vorjahr nach Belieben.
Die Münchner gewannen das Double beinahe im Vorbeigehen und vor allem die Edel-Offensive um Kane, Olise und Diaz sorgte für unaufhaltsamen Wirbel und fand weltweite Anerkennung. Der Kader des Rekordmeisters hat sich zur neuen Saison kaum verändert. Mit Nathaniel Brown und Ismael Saibari kamen nur zwei namhafte Neuzugänge, während mit Leon Goretzka nur ein bis dahin wichtiger Baustein den Klub die bayerische Landeshauptstadt verließ.
Aufgrund des kaum veränderten Kaders und nur punktueller Veränderungen darf man davon ausgehen, dass die Münchner auch in dieser Saison nichts von ihrer zurückgewonnenen Dominanz einbüßen werden. Es sei denn, sie machen sich das Leben selbst schwer.
Die Bayern straucheln noch etwas
Nach den ersten drei Spieltagen der neuen Saison in der Bundesliga steht die Mannschaft von Kompany mit sieben von neun möglichen Punkten dar und steht (noch) nicht an der Tabellenspitze. Diese Punkteausbeute verdanken die Bayern jüngst Harry Kane, der am späten Sonntagabend mit seinem Siegtor gegen die SV Elversberg eine erneut kleine Schmach verhinderte und den knappen 2:1-Auswärtssieg bei den Saarländern perfekt machte.

Am heutigen Montag halten sich die kritischen Stimmen deshalb etwas im Zaum. Ganz anders würde es aber aussehen, wenn der Rekordmeister aus den ersten drei Saisonspielen mit nur einem Sieg dagestanden hätte und die sicher eingeplanten Siege gegen Schalke und Elversberg ohne Dreier beendet hätte.
Gegen die königsblauen Aufsteiger aus Gelsenkirchen kamen die Münchner schon nicht über ein 0:0 hinaus, was das erste Bundesligaspiel ohne Bayern-Tor seit Februar 2025 bedeutete, und auch beim Fußballzwerg aus Elversberg sah es phasenweise nach nicht mehr als einem mageren Unentschieden aus. Während Schalke das Remis wie einen Sieg feierte, fühlte es sich bei den Bayern wie eine Niederlage an. So wäre es auch in Elversberg gekommen.

Zu früh zu viel Rotation?
Die übermächtige Dominanz des FC Bayern ist in der neuen Saison noch nicht vollständig angekommen – zumindest ergebnistechnisch. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass Vincent Kompany bereits an den ersten drei Spieltagen die Rotationsmaschine angeschmissen hat. In allen drei Ligaspielen liefen die Münchner mit einer veränderten Startelf auf. Auch die Pokalwettbewerbe tragen dazu bei.
Mancherorts stellt sich vermutlich die Frage, ob das so clever ist, zu Saisonbeginn schon an einer ganz klaren ersten Elf vorbeizugehen und die Einsatzzeiten zu streuen. Auch wenn so mancher Gegner vermeintlich noch nicht von der ganz großen Qualität gezeugt hat - doch genau darin liegt eben auch die schwindelerregende Fallhöhe.
Wenn Kompany, von Rotation beeinflusst, gerade gegen vermeintlich kleinere Gegner Punkte liegen lässt, wird auch schnell die Frage aufkommen, ob der Coach zu selbstsicher oder gar überheblich an so manche Hürde heran geht und nicht jede Aufgabe als gleich wichtig ansieht. Nicht weil Kompany so denken würde, sondern weil es das Haifischbecken Medienlandschaft dann dankend aufnehmen würde. Das würde auch der harmonischen Stimmung in München zumindest in Teilen schaden.
Ein kleiner Beleg: Als es gegen Schalke nicht lief, wechselte Kompany Kane, Olise und Musiala ein. Gegen Elversberg waren es am Sonntag Davies, Kimmich, Musiala und Luis Diaz.

Die Sommervorbereitung des amtierenden Doublesiegers war aufgrund der zahlreichen WM-Fahrer ohnehin schon stark beeinträchtigt und auch wenn sich die Münchner aus dem Vorjahr noch blind verstehen dürften, darf man den Faktor eines eingespielten Teams, das sich im Flow befindet, nicht unterschätzen.
Die Rädchen müssen so früh wie möglich ineinandergreifen, da es ab einem gewissen Zeitpunkt der Saison kaum noch möglich sein wird, darauf großen Einfluss zu nehmen.
Die Welle zu reiten ist das eine - auf die Welle zu kommen, das andere
Fast jeder Surfer wird es wohl bestätigen: Es ist deutlich schwieriger, auf die Welle zu kommen, als sie am Ende auch zu reiten.
Vielleicht sollte Vincent Kompany, auch mit der anstehenden Länderspielpause vor Augen, in der ihm schon wieder zahlreiche Spieler fehlen werden, den Fokus darauf legen, eine eingespielte erste Elf mit hungrigen Herausforderern aufzubauen, anstatt sich mit frühzeitiger Belastungssteuerung oder breit gestreuten Einsatzminuten zu beschäftigen.
Nicht, weil sich die Bayern-Stars im Kompany-Fußball nicht längst blind verstehen würden oder sich innerhalb des eigenen Kaders so viel verändert hätte, sondern vielmehr weil sich um den FC Bayern herum so viel verändert hat und selbst eine eingespielte Kompany-Truppe sich auf diese Veränderungen einstellen und ihren Rhythmus finden muss.

Denn wenn die Münchner an den letzten beiden Spieltagen deutlich mehr als die zwei Punkte auf Schalke eingebüßt hätten, wäre der Wind an der Säbener Straße vermutlich heute ein anderer – und dieses Problem wäre dann hausgemacht. Bevor du die Welle reiten kannst, musst du auf ihr sein, sonst überrollt sie dich auch mal ganz schnell.
Sicherlich ist das mit Blick auf den FC Bayern Jammern auf ganz hohem Niveau, und die Ergebnisse spielten Kompany ja auch zu. Doch auf lange Sicht darf das keineswegs unterschätzt werden. Beim Bergsteigen scheitert man selten am Berg selbst, sondern am kleinen Stein im Schuh.
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