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Die Rolle von Joshua Kimmich ist absurd – was Nagelsmann dringend ändern muss

Joshua Kimmich kommt bei der WM 2026 noch überhaupt nicht zur Geltung. Dies liegt insbesondere daran, dass er völlig falsch eingesetzt wird – ein Kommentar.
Joshua Kimmich konnte bei der WM 2026 noch nicht überzeugen
Joshua Kimmich konnte bei der WM 2026 noch nicht überzeugen | Alexander Hassenstein/GettyImages

Deutschland hat zwar seine Vorrundengruppe gewonnen, ist aber weit von einer Verfassung entfernt, die einen tiefen Run bei der diesjährigen WM zulassen würde. Probleme gibt es fast schon an allen Ecken und Enden. Das eklatanteste ist jedoch die Rolle von Kapitän Joshua Kimmich. Unverständlich ist nicht nur, dass der 31-Jährige als Rechtsverteidiger spielen muss, sondern vor allem, wie er diese Rolle interpretiert oder besser gesagt interpretieren muss.

Im System Nagelsmann ist Kimmich insbesondere im Spiel mit Ball eigentlich gar kein klassischer Rechtsverteidiger, sondern eher ein rechter Innenverteidiger. Ja, es kann mal sinnvoll sein, Kimmich eher als inversen Rechtsverteidiger einzusetzen, weil er seine Stärken im Zentrum hat, wo er seine spielgestalterischen Fähigkeiten einzusetzen weiß. Bei der EM 2024 hat der Kapitän in einer solchen Rolle durchaus funktioniert.

Der Grund dafür, dass bei der WM 2026 fast gar nichts mehr funktioniert, ist die Tatsache, dass er deutlich tiefer spielt. In Ballbesitz steht Kimmich meist auf einer Höhe mit Jonathan Tah und Antonio Rüdiger. Es ist nicht unüblich, dass ein Außenverteidiger oder ein zentraler Mittelfeldspieler sich auf diese Position begibt, um einen Dreieraufbau stellen zu können. Äußerst merkwürdig ist dabei allerdings, dass das Trio praktisch aneinanderklebt. Sowohl gegen die Elfenbeinküste als auch gegen Ecuador standen die Akteure der Dreierkette nur wenige Meter auseinander.

Joshua Kimmich, Nilson Angulo
Kimmich war gegen Ecuador häufig nicht sattelfest | Howard Smith/ISI Photos/GettyImages

Damit macht man nicht nur die Wege für die gegnerischen Spieler kürzer, sondern bringt auch keinerlei Dynamik und Breite ins Spiel. Der Abstand zum Rest der Mannschaft ist teilweise viel zu groß. Bemüht sich Kimmich als Innenverteidiger, den Ball zu Leroy Sané zu befördern, ist dieser so lange unterwegs, dass Sané direkt Druck von mehreren Gegenspielern bekommt und kaum Anspielstationen hat. Tatsächlich ist Sané derjenige, der neben Kimmich selbst am meisten unter der Rolle des Kapitäns leidet.

Kimmich in aktueller Rolle völlig verschenkt

Kimmich kann auf diese Weise aber nicht nur seinen Vordermann kaum unterstützen, sondern auch selbst seine Stärken nicht ausleben. Der 31-Jährige kommt kaum mal in Zonen, in denen er seine gefürchteten Chipp-Pässe und Flanken auspacken kann. Genau das war bei der EM noch der Fall und hat dafür gesorgt, dass Kimmich einen äußerst offensivstarken Rechtsverteidiger abgegeben hat.

Derart weit vor dem gegnerischen Tor hat der Bayern-Profi keine besonders ausgeprägten Fähigkeiten im Spielaufbau. Kimmich ist auch nicht derjenige, der in Schlotterbeck-Manier Diagonalbälle über den ganzen Platz jagt. Möchte Nagelsmann mit einem Dreieraufbau spielen, wäre es wohl sogar sinnvoller Pavlovic im Spiel mit Ball nach hinten zu ziehen, da dieser enorm passsicher ist, bei der WM in seiner aktuellen Rolle aber auch noch kein Gewinn darstellt.

Kimmich-Position stellt seine Schwächen in den Vordergrund

Gegen den Ball war ohnehin hinlänglich bekannt, dass es Kimmich aufgrund seiner mäßigen Athletik schwer haben wird, gegen die Super-Sprinter anzukommen. In der aktuellen Rolle werden seine Schwächen besonders zum Vorschein gebracht. Der Münchner verteidigt relativ tief, was bedeutet, dass der Gegner oft mit Anlauf kommt. Für Kimmich ist der Zug dann oft schon abgefahren.

Der DFB-Captain ist schlichtweg der deutlich bessere Pressing-Spieler, wo er seine Ausdauer und seine Galligkeit einsetzen kann. Den Gegner stören, bevor dieser Fahrt aufgenommen hat, lautet die Devise. So wie er jetzt eingesetzt wird, wären Malick Thiaw und Waldemar Anton die besseren Alternativen.

Joshua Kimmich, Enner Valencia
Häufig wird Kimmich im Aufbauspiel unter Druck gesetzt – wie hier von Enner Valencia | DeFodi Images/GettyImages

Nagelsmann muss eingreifen: Diese Optionen gibt es

Im Hinblick auf die K.o.-Runde müsste Nagelsmann hier dringend intervenieren. Im Endeffekt bleiben ihm zwei Optionen. Die eine Option wäre, Kimmich wieder in einer offensiveren Außenverteidiger-Rolle wie bei der EM 2024 zu bringen, am Spielerpersonal aber wenig zu ändern. Dies hätte lediglich den Nachteil, dass man die defensiven Defizite in Kauf nehmen muss.

Mit der Unterstützung von Sané wäre das aber womöglich machbar. Aus dem Mittelfeld könnte Pavlovic im Spielaufbau mehr unterstützen, wobei sich hier Nagelsmann dringend die Frage stellen muss, ob ein Dreieraufbau sinnvoll ist, wenn die Spieler so eng beisammen stehen. Gewissermaßen wirkt ein Akteur auf diese Weise regelrecht verschenkt.

Die zweite Option wäre, Kimmich wieder zurück ins Mittelfeld zu ziehen. Dies erscheint sinnvoll, weil der 31-Jährige im Verein auf dieser Position absolute Weltklasse-Leistungen gezeigt hat. Nagelsmann lehnt das ab, weil er weiter auf Nmecha und Pavlovic bauen möchte. Trotz der guten Leistungen von Nmecha gegen Curaçao und die Elfenbeinküste wirkt das Mittelfeld-Duo aber gerade unter Druck nicht stabil.

Aleksandar Pavlovic
Aleks Pavlovic sucht bei der WM noch seine Form | Catherine Ivill - AMA/GettyImages

Eine Möglichkeit bestünde darin, Pavlovic aus der Startelf zu nehmen. Der Bayern-Youngster spielt bislang kein gutes Turnier, weshalb Nmecha im direkten Vergleich die Nase vorne haben müsste. Die andere Möglichkeit wäre, Kimmich als zusätzlichen zentralen Mittelfeldspieler aufzubieten. Dies könnte Pavlovic helfen, sich wieder wohler zu fühlen und dem ganzen DFB-Team dabei helfen, die Spiele wieder besser kontrollieren zu können. Insbesondere im Falle eines Achtelfinals gegen Frankreich wäre es von Vorteil, im Mittelfeld widerstandsfähig und numerisch in der Überzahl zu sein.

Nagelsmann sollte einen Offensivspieler für einen Verteidiger opfern

Besagte Umstellung hätte dann die Folge, dass ein Offensivspieler wegfallen müsste. Treffen würde es entweder Jamal Musiala oder Leroy Sané, die beide nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Insbesondere ersterer tut sich nach seiner schweren Verletzung weiterhin schwer.

Klar ist natürlich auch, dass es einen Spieler benötigt, der Kimmich rechts hinten ersetzt. Angesichts der Tatsache, dass auf der linken Seite mit Nathaniel Brown ein offensivstarker Spieler wirbelt, würde es Sinn ergeben, rechts einfach eine defensivstarke Lösung zu nehmen. Waldemar Anton und Malick Thiaw wurden bereits in einer solchen Rolle getestet, Antonio Rüdiger wäre eine weitere Option.

Alle drei sind keine Spieler, die die Linie nach vorne rennen und pausenlos anschieben, jedoch hat Kimmich das ja auch nicht gemacht. Die Aufbaupässe, die der Bayern-Star gespielt hat, können auch die gelernten Abwehrspieler an den Mann bringen. Zudem bestände der Vorteil, dass ein robuster Defensivspieler mehr auf dem Platz ist. Gerade gegen die Zauber-Offensive von Frankreich würde man einen solchen definitiv benötigen.

Sicherlich könnte man auch darüber nachdenken, Brown nach rechts zu ziehen und Raum links hinten aufzubieten, der Leipziger hat sich gegen Ecuador aber so gar nicht angeboten und gerade defensiv viele Probleme offenbar.


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