Die große Frage: Wie weit ist Lennart Karl wirklich schon?

Lennart Karl ist ein unfassbares Talent mit starken Leistungen in dieser Saison. Dennoch sollte man seine Erwartungen für den Rest der Saison in Grenzen halten.
Vorsicht bei Lennart Karl
Vorsicht bei Lennart Karl / KARL-JOSEF HILDENBRAND/GettyImages
facebooktwitterreddit

Beim FC Bayern München ist die Euphorie um ein neues Offensiv-Juwel zuletzt deutlich spürbar gewesen. Lennart Karl kommt bereits auf 22 Pflichtspieleinsätze, erzielte sechs Tore und bereitete zwei weitere vor. Zahlen, die für sich sprechen und erklären, warum sein Name inzwischen regelmäßig in größeren Zusammenhängen genannt wird.

In Teilen der öffentlichen Diskussion wird Karl bereits mit Jamal Musiala oder sogar Lamine Yamal verglichen, bei einigen fällt sogar das Wort Weltmeisterschaft. Grundsätzlich ist dieser Hype nachvollziehbar. In diesem Alter auf diesem Niveau zu performen, ist bemerkenswert. Genau hier liegt jedoch auch die Gefahr, denn Erwartungshaltungen wachsen oft schneller als ein Spieler selbst.

Der anspruchsvollste Teil der Saison steht noch bevor

Ein entscheidender Punkt wird dabei häufig ausgeblendet. Der schwierigste Abschnitt der Saison liegt noch vor den Bayern. Während bereits einige intensive Partien absolviert wurden, steigen die Anforderungen mit den entscheidenden Spielen im DFB-Pokal und vor allem in der K.-o.-Phase der Champions League nochmals spürbar an.

Schon zu Saisonbeginn gab es Begegnungen, in denen sich der Rekordmeister schwer tat, sein Spiel aufzuziehen. Die Duelle mit Union Berlin oder das Pokalspiel gegen Köln zeigten zumindest in gewissen Phasen, wie schnell vermeintlich kleinere Gegner Tempo, Raum und Leichtigkeit nehmen können. In genau solchen Partien setzte Trainer Vincent Kompany dann (noch) nicht auf Karl oder dosierte seine Einsatzzeiten sehr bewusst.

Wenn der 17-Jährige dann auf dem Platz stand, fehlte ihm in diesen Spielen stellenweise die sonst sichtbare Unbekümmertheit. Physische Härte, defensive Disziplin und der hohe Gegnerdruck ließen nur wenige klare Aktionen zu. Das ist kein Makel, sondern Teil eines Entwicklungsprozesses.

Zwischen Euphorie und vorschneller Kritik

Gerade hier droht jedoch eine gefährliche Dynamik. Sollten sich solche Spiele im weiteren Saisonverlauf häufen, könnten Stimmen schnell lauter werden, die Karls Leistungen grundsätzlich infrage stellen. Aussagen wie "Seht ihr, so gut ist er gar nicht!" sind im heutigen Diskurs leider schnell formuliert.

Dass diese Kritik nicht lange auf sich warten lässt, zeigt bereits ein Blick auf aktuelle Wortmeldungen. Mario Basler äußerte sich jetzt schon skeptisch:
"Er ist ein junger Spieler, ein guter Spieler. Ich glaube trotzdem, dass er sich bei Bayern München nicht durchsetzen wird. Da fehlt einiges. An seiner Größe wird er nichts mehr ändern können. Am Schluss ist er einfach nicht gut genug für Bayern München."

Wenn solche Einschätzungen bereits in einer Phase fallen, in der Karl sportlich liefert, lässt sich erahnen, wie schnell sich das Stimmungsbild bei einem Formtief drehen könnte.

Den Blick für das Gesamtbild bewahren

Gerade deshalb ist Zurückhaltung gefragt. Weder sollte Karl nach einem starken Saisonstart vorschnell auf ein WM-Niveau gehoben werden, noch darf man ihn nach einigen schwächeren Auftritten als überbewertet abstempeln. Die Saison ist lang, die Anforderungen steigen, und Entwicklung verläuft selten linear.

Am Ende wird es darum gehen, Karls Leistungen über einen längeren Zeitraum einzuordnen. Erst dann lässt sich seriös bewerten, wo er aktuell steht und welches Potenzial er langfristig ausschöpfen kann. Bis dahin wäre etwas mehr Geduld für alle Beteiligten vermutlich der beste Weg.


Weitere FC Bayern-News lesen:

feed