Die deutsche Nationalmannschaft hat beim 7:1-Erfolg gegen Curacao einen fast perfekten WM-Auftakt erwischt. Viel zu meckern gab es abgesehen von wenigen Unkonzentriertheiten in der ersten Halbzeit kaum etwas.
Eine Ausnahme wäre da allerdings noch. Der kontrovers diskutierte Leroy Sané konnte gegen den WM-Zwerg kaum etwas ausrichten und fiel im Vergleich zu seinen Kollegen merklich ab. Zwar gab es von Julian Nagelsmann nach dem Spiel das fast schon obligatorische Lob für seinen Einsatz, jedoch hat man eher das Gefühl, als würde der Bundestrainer geradezu zwanghaft auf den großen Auftritt des 30-Jährigen warten.
Dabei ist es nicht so, als hätte der Bundestrainer keine anderen Spieler zur Verfügung. Wir werfen einen Blick auf mögliche Aufstellungs-Alternativen ohne Sané in der Startelf.
Option 1: Deniz Undav auf die 10, Jamal Musiala nach rechts
Deniz Undav hat als Einwechselspieler für Jamal Musiala einmal mehr seine herausragenden Scorer-Fähigkeiten bewiesen. Der VfB-Star war an drei Toren direkt beteiligt und glänzte mit seiner gewohnten Raffinesse und Kaltschnäutzigkeit. Es wäre also definitiv eine Möglichkeit, Undav von Beginn an zu bringen. Jamal Musiala hat ein sehr ordentliches Spiel gezeigt, ist auf der Zehn aktuell aber nicht unersetzbar und womöglich auch nicht perfekt aufgehoben. Auf dem Flügel hätte er etwas mehr Platz und könnte sich womöglich sogar leichter tun.
Bei der EM haben Wirtz und Musiala auch meist als Flügel gespielt, während Ilkay Gündogan die Zehn bekleidete. Genauso könnte man es jetzt wieder machen, nur eben mit Undav anstelle von Gündogan. Dem deutschen Spiel könnte mit Musiala und Wirtz auf dem Flügel ein wenig die Breite fehlen, weil auch Brown und Kimmich gerne ins Zentrum rücken, dafür haben sie aber reichlich Kombinationspartner. Auch Undav und Havertz sind hierin schließlich bewandt.
Option 2: Deniz Undav in die Spitze, Kai Havertz nach rechts
Diese Variante wird in den sozialen Netzwerken und Foren fleißig diskutiert. Viele möchten Undav als Mittelstürmer sehen und würden Havertz auf die rechte Seite verfrachten. Möglich wäre derartiges natürlich. Undav hat den nötigen Killer-Instinkt für die Sturmspitze und Havertz kann mit seiner Schnelligkeit und Technik auch auf der rechten Seite spielen.
Ganz optimal ist das allerdings nicht. Havertz ist kein Spieler, der über den Flügel pausenlos in Eins-gegen-eins-Situationen gehen und diese auflösen kann. Inzwischen fühlt sich der Arsenal-Star in der Spitze richtig wohl. Zudem bringt er auch eine gewisse Größe und Physis mit, die sonst ein wenig im Zentrum fehlen würde.
Option 3: Deniz Undav in die Spitze, Kai Havertz auf die Zehn und Jamal Musiala nach rechts
Man könnte auch Havertz auf die Zehn stellen und Jamal Musiala auf die rechte Seite schieben, um Undav als Stürmer einzusetzen. Letztlich unterscheidet sich diese Variante aber nicht stark von Option 1. Undav und Havertz sind beide eine Kombination aus Zehner und Neuner. Stehen beide gemeinsam auf dem Platz, würden sie ohnehin immer ein wenig rotieren.
Mal stößt der einer in die Spitze hinein, mal der andere. Beide können auch mal auf den Flügel ausweichen und Musiala oder Wirtz den Weg ins Zentrum bereiten. Dies ist der Vorteil, wenn man Spieler auf dem Platz hat, die so flexibel agieren können.
Option 4: Jamie Leweling auf die rechte Seite
Die simpelste Option wäre es wohl, Sané einfach durch Jamie Leweling zu ersetzen. Dieser ist ein klassischer rechter Offensivspieler und könnte den Gala-Star praktisch Eins-zu-eins ersetzen. Leweling wäre sogar noch mehr der Spielertyp, der Deutschland Breite geben kann und gerne auch mal zur Grundlinie zieht. Ein solcher Akteur könnte dem DFB-Team sicherlich helfen, weil die meisten anderen Spieler eben gerne im Zentrum unterwegs sind.
Leweling ist sicher kein herausragender Individualist und nicht ganz so gefährlich vor dem Tor wie Undav, jedoch ist er enorm laufstark und wäre auch defensiv eine sehr brauchbare Unterstützung auf der Kimmich-Seite. Bei Nagelsmann scheint Leweling aktuell aber nicht sonderlich hoch im Kurs zu sein.
Option 5: Leon Goretzka für Leroy Sané und Umstellung auf 4-3-3
Es bestünde auch die Möglichkeit, auf ein 4-3-3-System umzustellen. In diesem Szenario würden dann nur Wirtz und Musiala hinter bzw. neben Havertz spielen und hätten viele Freiheiten. Nagelsmann hätte zudem die Möglichkeit, das zentrale Mittelfeld zu stärken. Bedenkt man die Tatsache, dass Aleksandar Pavlovic als starker Passspieler und Stratege auf dem Platz steht und Felix Nmecha eine Art Allrounder ist, würde es Sinn machen, noch einen klassischen Box-to-Box-Spieler in die Startelf zu werfen.
Hier wären wir dann bei Leon Goretzka angekommen. Der Münchner besitzt die Fähigkeit, immer wieder in die Spitze vorzustoßen und gefährlich zu werden. Zudem kann er mit seiner Athletik auch gegen den Ball wichtig sein. Goretzka ist als individueller Spieler aufgrund seiner spielerisch oft durchwachsenen Leistungen zu Recht umstritten, gerade gegen starke Gegner kann es aber Sinn machen, das Mittelfeld zu stärken. Eine Alternative wäre der spielstärkere Nadiem Amiri, der im DFB-Team aber noch eher unerprobt ist.
Fazit
Nach der Top-Leistung von Deniz Undav macht es am meisten Sinn, ihn in die Startelf einzubauen. Die logischste Option wäre dabei, Jamal Musiala nach rechts zu ziehen. Undav würde dann entweder vor, hinter oder mit Havertz in einer zentralen Rolle spielen. Die Alternative dazu wäre, Jamie Leweling anstelle von Sané praktisch Eins-zu-eins auf den rechten Flügel zu stellen. Leweling würde dem Team Breite geben, hat aber nicht die absolute Top-Qualität. Die Möglichkeit, Goretzka einzubauen und auf 4-3-3 umzustellen macht wohl nur gegen absolute Kracher-Gegner wie beispielsweise Frankreich Sinn.
Weitere News zur Nationalmannschaft lesen:
