Wenige Wochen vor dem WM-Start ist die Stimmung in Deutschland noch etwas gedämpft. Nur wenige trauen dem DFB-Team einen ganz tiefen Run zu. Zwar ist eine gewisse Schwarzmalerei gewiss auch eine deutsche Tugend, jedoch kann man es den Kritikern nicht verdenken. Einige Stars sind nicht in Topform und der Blick auf die voraussichtliche Aufstellung lässt einige Schwachpunkte und Problemfelder erkennen.
Dabei ließen sich einige davon mit einem gleichermaßen simplen wie folgenreichen Schritt lösen. Deutschland benötigt einen Systemwechsel und zwar weg vom 4-2-3-1 und hin zum 3-4-2-1-System. Mag der ein oder andere geneigt sein, zu sagen, dass das DFB-Team mit Dreierkette selten wirklich stark aufgespielt hat, gilt eben auch, dass das aktuelle Spielerpersonal viel besser zu dieser Formation passt. Mal abgesehen davon, dass Deutschland bei den letzten Turnieren mit Viererkette auch nicht die Sterne vom Himmel gespielt hat.
WM 2026: Das sind Deutschlands Probleme im 4-2-3-1-System
Werfen wir zunächst einen Blick auf die voraussichtliche Aufstellung im 4-2-3-1-System:
Neuer - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum - Pavlovic, Goretzka (Nmecha) - Leweling (Sané), Musiala, Wirtz - Havertz
In dieser Aufstellung fällt sofort auf, dass Kimmich als Rechtsverteidiger aufgeboten ist. Dabei hat der Bayern-Star in der abgelaufenen Saison gemeinsam mit Aleksandar Pavlovic eines der stärksten Mittelfeld-Duos in Europa gebildet. Macht es also wirklich Sinn, ein solches Duo zu trennen?
Zudem sei gesagt, dass Kimmich inzwischen auch in den 30ern ist und sein fehlender Speed noch ein wenig mehr Probleme machen könnte, als das vor ein paar Jahren der Fall war. Bedenkt man nun, dass David Raum seine Stärken auch eher in der Offensive hat, blickt man auf ein Außenverteidiger-Duo, das gegen die Top-Nationen durchaus seine Mühe haben könnte.
Anders als noch 2024, als Toni Kroos die Fäden im Mittelfeld gezogen hat, ist Kimmich im Mittelfeld auch nicht so leicht zu ersetzen. Neben Fixpunkt Pavlovic steht kein Nebenmann zur Verfügung, der so richtig etwas hermacht. Bei Goretzka gab es in der Nationalmannschaft zuletzt mehr Schatten als Licht und der solide, aber auch nicht überragende Nmecha hatte mit einer längeren Verletzungspause zu kämpfen.
In der offensiven Dreierreihe stellt sich wieder die Frage, ob Florian Wirtz oder Jamal Musiala die Zehnerrolle bekleiden soll. Beide fühlen sich im Zentrum wohler als auf dem linken Flügel und sind an sich bestrebt, ähnliche Räume zu besetzen.
WM 2026: Darum ist Deutschland im 3-4-2-1-System besser
Werfen wir einen Blick auf eine mögliche Deutschland-Aufstellung im 3-4-2-1-System:
Neuer - Rüdiger, Tah, Schlotterbeck - Leweling, Kimmich, Pavlovic, Raum - Musiala, Wirtz - Havertz
Man mag von Antonio Rüdiger charakterlich halten, was man möchte, sportlich hat er sich in der Rückrunde aber sehr ordentlich präsentiert und auch in den Kracher-Spielen gegen Manchester City und den FC Bayern seinen Mann gestanden. Tatsächlich ist es ein wenig schade, dass Yann Bisseck nicht mit dabei ist, weil dieser die Position des rechten Innenverteidigers bei Inter Mailand großartig ausfüllt. Dennoch: Egal ob Rüdiger, Waldemar Anton oder Malick Thiaw - Deutschland hat starke Innenverteidiger im Kader.
Die Dreierkette würde bewirken, dass Joshua Kimmich auf seine Parade-Position ins zentrale Mittelfeld rücken kann. Jamie Leweling ist schließlich für einen klassischen Rechtsverteidiger zu offensiv, kann aber mit seiner Laufstärke hervorragend als Schienenspieler agieren und hat das auch beim VfB Stuttgart schon bewiesen. Somit wäre die rechte Seite besetzt. Auf links würde es Raum auch gut zu Gesicht stehen, etwas offensiver ausgerichtet zu sein. Flanken sind schließlich die größte Qualität des Leipzigers. Auch seine Alternative Nathaniel Brown dürfte sich in einer offensiveren Rolle wohl fühlen.
Die Systemumstellung hätte außerdem die Folge, dass sowohl Florian Wirtz als auch Jamal Musiala auf ihren Top-Positionen spielen können. Musiala wäre eher der rechte Halbzehner, während Wirtz wie in seiner Blütezeit bei Leverkusen als linker Halbzehner auf dem Platz stehen würde. Beide würden sich nichts wegnehmen und könnten prächtig miteinander kombinieren. Die Breite würden dann Leweling und Raum auf den Außenbahnen geben.
WM 2026: Deutschland muss mehr über die Defensive kommen
Das 3-4-2-1-System muss vielleicht nicht gegen Teams wie Curacao oder Ecuador angewandt werden, hat gegen Top-Teams oder Mannschaften auf Augenhöhe aber noch einen entscheidenden Vorteil. Die Defensive würde durch den zusätzlichen Innenverteidiger gestärkt werden.
Deutschland ist nicht stark genug, um mit einem offensiven Fußball und viel Ballbesitz wirklich bestehen zu können. Eine solche Taktik ist nur für absolute Top-Teams zu empfehlen. Derartiges sollte man beispielsweise lieber den Spaniern überlassen. Das DFB-Team muss aber vor allem über eine kompakte Defensive kommen.
Auch bei den letzten Turnieren hat sich Deutschland gegen schwächer oder ähnlich gut besetzte Teams oft schwer getan, weil diese einfach den simpleren Fußball gespielt und mehr Wert auf die Defensive gelegt haben. Dies ist schlichtweg die weniger herausfordernde Art und Weise, Fußball zu spielen, und gegen Teams, die nicht mit purer Klasse und individueller Qualität gesegnet sind, oft der Weg zum Erfolg.
Gegen die absoluten Hochkaräter kann es durchaus Sinn machen, sich einfach mal hinten zu verstecken und auf gezielte Nadelstiche zu setzen. Sollte es im Achtelfinale - wie es der Turnierbaum vermuten lässt - gegen Frankreich gehen, wäre diese Taktik prädestiniert. Warum also nicht den Franzosen den Ball geben und sie das Spiel machen lassen? Dies mögen die Bleus, die nur darauf warten, den Gegner auszukontern, bekanntlich ohnehin nicht so gerne.
Manchmal muss man den Gegner eben auch mit den eigenen Waffen schlagen.
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