Als Deutschland im Rahmen der Gruppenauslosung für die WM 2026 die Lose Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador gezogen hat, herrschte praktisch Einigkeit darüber, dass das DFB-Team sehr gut davongekommen ist.
Eine auf dem ersten Blick vertretbare Ansicht, da alle drei Nationen bei den letzten Weltmeisterschaften keine große Rolle gespielt haben. Doch die Historie hat mit der Gegenwart oft wenig zu tun.
Wenngleich Curaçao ein absoluter Underdog ist, und hier ein Sieg quasi Pflicht ist, dürften die übrigen Kontrahenten kniffliger sein als die meisten erwarten. 90min analysiert, warum die weiteren Gegner des DFB-Teams massiv unterschätzt werden und keineswegs leicht zu bezwingen sind. Droht gar eine Wiederholung der WM-Debakel 2018 und 2022?
WM 2026: Elfenbeinküste punktet mit Top-Qualität vorne wie hinten
Stärkster Gegner ist auf dem Papier die Elfenbeinküste. Die Ivorer zählen nicht nur traditionell zu den besten Teams Afrikas, sondern sind neben Marokko und Senegal auch das Team, das in 2026 am besten besetzt ist.
Tatsächlich sind die Ivorer vom individuellen Spielermaterial kaum hinter Deutschland anzusiedeln. Besonders stark aufgestellt ist das Team auf den offensiven Flügelpositionen. Die Klasse von Yan Diomande hat man in der Bundesliga bestaunen können und United-Star Amad Diallo gehört zu den Top-Flügelstürmern der Premier League.
Mit Simon Adingra, Routinier Nicolas Pepe und Bundesliga-Juwel Bazoumana Touré ist auch in der Breite reichlich Potenzial vorhanden. Dank der rechtzeitigen Einbürgerung von Inter-Youngster Ange-Yoan Bonny hat man nun auch auf der Mittelsturm-Position reichlich Qualität.
Während in der Offensive vor allem junge Himmelsstürmer das Kommando übernehmen müssen, ist im zentralen Mittelfeld reichlich Erfahrung am Start. Zunächst wäre Franck Kessié zu nennen, der zwar inzwischen in Saudi-Arabien kickt, beim AC Mailand und FC Barcelona aber auf Top-Niveau gespielt hat. Seko Fofana vom FC Porto und Ibrahim Sangaré sind ebenfalls routinierte und gestandene Spieler.
Äußerst stark ist zudem die Innenverteidigung mit Ousmane Diomande, Wilfried Singo und Evan Ndicka. Rechts hinten steht mit Guela Doué ebenfalls ein talentierter Akteur zur Verfügung. Lediglich auf der Torhüter- und Linksverteidiger haben die Ivorer leichte Schwächen.
Elfenbeinküste setzt Ausrufezeichen gegen Frankreich
Die Elefanten haben bei den letzten Länderspielen gezeigt, dass sie sich vom Viertelfinal-K.o. beim Afrika-Cup (2:3 gegen Ägypten) gut erholt haben. Jüngst gab es einen 2:1-Sieg gegen Frankreich, was ein klares Ausrufezeichen ist.
Zuvor konnte das Team Schottland (1:0) und Südkorea (4:0) bezwingen. Die Ivorer haben eine extrem gute Mischung aus jungen Shootingstars und routinierten Kräften. Ein Sieg ist für das deutsche Team keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Dies gilt insbesondere deswegen, weil das Team aus Afrika pfeilschnelle Flügelspieler hat, die die Probleme der deutschen Außenverteidiger nutzen können.
Ecuador in der Defensive stark besetzt
Verglichen mit der Elfenbeinküste, ist Ecuador nicht ganz so ausgewogen besetzt, doch auch das Spiel gegen die Südamerikaner könnte zur absoluten Geduldsprobe werden. Defensiv ist Ecuador schließlich extrem stark besetzt.
Dies gilt vor allem für die Innenverteidigung, die mit den Ex-Bundesliga-Stars Piero Hincapié und William Pacho zu den besten des gesamten Turniers gehört. Davor agiert Chelsea-Star Moisés Caicedo auf der Sechs, der zu den defensivstärksten Mittelfeldspielern der Premier League zählt. Pervis Josué Estupiñán komplettiert die exzellente Hintermannschaft.
Abgesehen von diesen Akteuren gibt es keine richtigen Stars. Dennoch handelt es sich keineswegs um komplett unerfahrene Spieler. Die meisten spielen inzwischen in Europa oder in Brasilien. Hervorzuheben ist Linksaußen Nilson Angulo, der in der belgischen Liga überzeugt und im Winter den Weg auf die Insel gefunden hat. Im Angriff ist Enner Valencia der bekannteste Name und eine Ikone in Ecuador, wenngleich der 36-Jährige seine beste Zeit hinter sich hat.
Ecuador mit unfassbarer Defensiv-Statistik
Offensiv ist Ecuador definitiv nicht so gefährlich wie die Elfenbeinküste, jedoch dürfte es unglaublich hart werden, die Defensive zu knacken. Ecuador konnte zuletzt Saudi-Arabien bezwingen und im März gegen die Niederlande und Mexiko Remis spielen. In 2025 und 2026 ist Ecuador ohnehin ungeschlagen, wenngleich nur vier der 13 Spiele gewonnen werden konnten.
Die letzten Niederlagen waren eine Pleite im Elfmeterschießen gegen Argentinien und ein 0:1 gegen Brasilien. Es folgten 18 Spiele ohne Niederlage und mit mickrigen sieben Gegentoren. Dies entspricht 0,39 Gegentore pro Partie – eine Weltklasse-Bilanz.
Die WM-Quali beendete Ecuador mit 29 Punkten 14:5 Toren in 18 Spielen auf dem zweiten Platz hinter Argentinien.
WM 2026: Weiterkommen für Deutschland trotzdem Pflicht
Bedenkt man, dass bei der WM acht von zwölf Gruppen-Dritte weiterkommen, ist der Einzug in die K.o.-Runde für Deutschland dennoch Pflicht. Man braucht sich aber nicht zu wundern, wenn das DFB-Team auch schon in der Gruppenphase an seine Grenzen gerät und nicht alles leicht von der Hand geht. Deutschland ist der Favorit auf den Gruppensieg, jedoch ist die Angelegenheit keineswegs klar.
Es wäre schon eher überraschend, wenn das Team von Julian Nagelsmann tatsächlich mit drei Siegen und neun Punkten aus der Gruppenphase herausgeht.
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