Beim Trainingsstart des FC Schalke 04 am vergangenen Sonntag gab es einige spannende Randgeschichten, und die große Vorfreude auf die Bundesliga war bei Cheftrainer Miron Muslic und seinem Team deutlich spürbar.
Doch bevor der Startschuss für die neue Spielzeit erfolgen kann, muss die Mannschaft erstligatauglich gemacht werden und um die Kräfte möglichst schnell in die richtigen Bahnen zu lenken, lässt sich der Kultverein aus Gelsenkirchen mit seinem Testspielprogramm auch nicht lange Zeit. So steht bereits am kommenden Samstag ein vielleicht schon aufschlussreiches Duell beim FC Gütersloh an.
Das erste Testspiel dürfte Muslic auch dazu dienen, neue Erkenntnisse darüber zu sammeln, welche Akteure für seinen Plan zum Klassenerhalt im deutschen Oberhaus geeignet sind bzw. sich besonders aufdrängen wollen. Doch wie soll der Schalker Weg zum Klassenerhalt eigentlich aussehen?
Schalke: Evolution oder Rückschritt?
In der Aufstiegssaison 2025/26 in der 2. Bundesliga war es spannend zu beobachten, dass Muslic sein Team nicht starr und stur auf eine feste Marschroute festlegte, sondern in der Winterpause eine Neuausrichtung des königsblauen Segels vornahm.
Während die Knappen in der Vorrunde noch mit gekonntem Reagieren statt mutigem Agieren beschäftigt waren und über schnelles Umschaltspiel nach Ballgewinnen zum Erfolg kamen, war im Winter klar, dass der Schalker Matchplan von den Gegnern analysiert und Lösungen dagegen entwickelt werden würden.
Muslic und sein Team entschieden sich in der Rückrunde dann für ein deutlich aktiveres Agieren mit dem Ball und unterstützten diesen Plan mit den Transfers von Edin Dzeko, Dejan Ljubicic und Adil Aouchiche. Nach einigen anfänglichen Stolperern, bei denen man auf Schalke stets einen kühlen Kopf bewahrte, ging auch dieser Plan auf und der Aufstieg wurde perfekt gemacht.

Mit einer ähnlichen Herangehensweise dürfte nun auch die Mission Klassenerhalt angegangen werden. Der FC Schalke 04 wird in der Vorrunde der Saison 2026/27 vermutlich wieder vor allem auf defensive Stabilität und schnelle Umschaltmomente setzen. Dafür muss man sicherlich kein Experte sein, denn vermutlich geht es um nichts anderes als das nackte sportliche Überleben des Bundesligarückkehrers. Alles andere wäre eine Überraschung.
Im deutschen Oberhaus ist die Herangehensweise jedoch eine andere, da die Teams insgesamt deutlich spielstärker sind als die Gegner in der zweiten Liga. Und genau darauf scheint man sich auch bei der Kaderplanung detailliert vorzubereiten.
Der kommende Schalker Erfolgsweg wird vermutlich wieder defensiv gestrickt sein und darauf basieren, den Weg durchs Zentrum zum eigenen Tor so unbequem wie möglich zu gestalten.
Allerdings werden die Angriffsmuster der Erstligakontrahenten bei weitem nicht auf derart vielen langen Bällen beruhen, die - wie in der Vorsaison - von Katic und Co. geklärt werden können. Stattdessen ist die spielerische Qualität in der Bundesliga flächendeckend so hoch, dass Kombinationsfußball durchs Zentrum zur guten Tagesform gehört – und genau da setzt Muslic offenbar an.
Schalke bastelt am Klassenerhalt
Mit dem Verbleib von Soufiane El-Faouzi und der Verpflichtung von Satoshi Tanaka wurde das königsblaue Zentrum mit zwei lauffreudigen Zerstörern besetzt, die den Dribbelkünstlern der Liga das Leben schwer machen werden und als Lunge und Herz des Schalker Spiels dienen dürften.
Vermutlich kommen gerade die Gegner, gegen die Schalke seine Punkte holen muss, dann doch an Grenzen und letztendlich zur ungeliebten Wahl des langen Balles. Und genau da dürfte ein weiterer Ansatzpunkt liegen: Schnelle Ballgewinne bei zweiten Bällen und das zügige Umschaltspiel auf schnelle Offensivspieler wie Sturm-Neuzugang Junior Adamu.

Laufstarkes, dynamisches Gegenpressing mit gedankenschnellen Inszenierungen von Umschaltmomenten statt viel Ballgeschiebe und dem Traum mithalten zu können. Genau diese Herangehensweise wird man von Schalke erwarten dürfen.
So viel ist wohl sicher und auch überaus nachvollziehbar. Auch gerade deshalb darf gerne von einer Evolution im versteckten Sinne gesprochen werden, da sich Schalke mit altbewährten Stärken neu erfinden und beweisen muss.
Mentalitätsmonster Miron Muslic dürfte seinen Teil dazu wieder beitragen und die Knappen in jedem Duell ordentlich anzünden. Auch dieser Aspekt der talentirrelevanten Bereiche könnte wichtige Zähler einbringen.
Die große Frage wartet dann wohl im Winter
Im Winter wird sich dann jedoch bereits die erste Gretchenfrage stellen: Stellt Muslic bei einer nach Maß verlaufenden Vorrunde den Plan erneut um oder bleibt man, anders als in der Vorsaison, beim gleichen Stiefel? Das ist zwar noch weit entfernte Zukunftsmusik, aber eine dennoch spannende Frage, die man in einigen Monaten noch einmal neu beleuchten muss. Und vielleicht kann man auch dann erkennen, ob Schalke clever vorwärts plant oder unter Druck die Nerven verliert.
Denn dann wird sich auch herausstellen, ob Muslic tatsächlich die Qualität hat, auf Erstliganiveau herausragende Arbeit zu leisten und den FC Schalke zu einer anhaltenden und unaufgeregten Weiterentwicklung zu treiben.

Schalker Plan lässt sich bereits ablesen
Auch wenn die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison 2026/27 erst wenige Tage alt ist, sind die bisherigen Transfers für die Schalker deutliche Fingerzeige, womit der Verein seine Brötchen zum Klassenerhalt verdienen will. Unabhängig davon, was oder wer noch kommen oder gehen wird.
Und trotz der schwierigen Aufgabe, den Klassenerhalt zu schaffen, könnte auch diese kommende Spielzeit für die Schalker Fans jede Menge Spaß bedeuten. Vor allem, wenn der königsblaue Anhang die Mannschaft ähnlich unterstützt wie im Aufstiegsjahr.

In diesem Punkt darf man allerdings auch nicht vergessen, dass einige Fans die erste Schwächephase der letzten Spielzeit bereits für massive Kritik genutzt haben. Mit Blick auf die erste Liga wirkt diese Gefahr noch größer. Auch von den Fans werden also höchste Disziplin und großes Durchhaltevermögen gefordert sein und die Geschichte am Ende rund zu machen.
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