Leichtfüßig, kreativ, spielfreudig und erfolgreich – Borussia Dortmund dominierte den HSV mit einer Eindeutigkeit, die man sonst nur vom FC Bayern kennt. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die beiden griechischen Newcomer Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias. Mit ihrer Spielkunst und jugendlichen Energie hoben sie das BVB-Spiel auf ein ganz anderes Level.
Nach nur 48 Minuten wurde aus Euphorie aber plötzlich Schockstarre. Konstantelias musste verletzungsbedingt raus und wird – wie inzwischen klar ist – mit einem Kreuzbandriss fast die gesamte Saison verpassen.
Eine für den Spieler tragische Situation und für den Verein mehr als nur ein Nackenschlag. Vielmehr ist zu befürchten, dass die Horror-Verletzung zu einem absoluten Wendepunkt an diesem noch frühen Zeitpunkt der Saison wird. Die nach vielen Jahren endlich wieder vorherrschende Aufbruchstimmung ist in einem fatalen Moment gekillt worden. Allein auf psychologischer Ebene ist die Verletzung für den ganzen Verein katastrophal. Niko Kovac brachte es in der PK auf den Punkt: "Der Sieg war teuer erkauft."
BVB kann ohne Konstantelias seinen neuen Spielstil kaum noch aufziehen
Für den BVB waren es zwei Halbzeiten wie Tag und Nacht. Wirbelten Konstantelias und Karetsas die HSV-Abwehr gehörig durcheinander, war das Spiel wie abgebrochen, als Sabitzer den verletzten Griechen ersetzte. Dies kam nicht überraschend und macht die Sache umso besorgniserregender.
Das Griechenland-Duo stand für eine völlig neue Spielkultur beim BVB, geprägt von technisch sauberem Kombinationsfußball und Überraschungsmomenten. Ohne Konstantelias fehlt das entscheidende Puzzlestück – und ein passender Spielpartner für Karetsas. Folgerichtig kam auch von diesem nach der bösen Verletzung seines Landsmannes nicht mehr viel.
Droht nun also die Rückkehr zum bislang bekannten Kovac-Rumpelfußball, der zwar nicht unerfolgreich, aber oft unansehnlich war? Genau das ist zu befürchten. Die offensive Ausrichtung gegen den HSV war eigentlich absolut Kovac-untypisch – aufgrund der neuen Ausrichtung des Vereins aber notwendig. Der BVB-Coach scheint sich hier auch ein Stück weit der Vereinsphilosophie gebeugt zu haben. Der Ausfall von Konstantelias gibt Kovac nun wieder die Möglichkeit, in "alte Muster zurückzufallen" – und man könnte es ihm nicht einmal verdenken.
BVB-Titelhoffnungen fast schon wieder dahin
Zwar ist der BVB mit diesen Mustern Vize-Meister geworden, hatte aber keine Chance, gegen die Bayern anzukommen. Nun keimte jedoch die Hoffnung auf, dass sich beim Kovac-BVB 2.0 eine Dynamik entwickelt, die nach langer Zeit auch wieder für den FC Bayern gefährlich hätte werden können.
Ob man die Münchner wirklich vom Thron hätte schubsen können, sei mal dahingestellt - und ist eher zu bezweifeln. Es ist allerdings bekannt, dass der BVB eine enorme Power entwickeln kann, wenn die Fans wieder für ihr Team brennen und eine positive Grundstimmung herrscht. Diese ist inzwischen gewichen. In den sozialen Medien und Vereinsforen hat sich blankes Entsetzen breitgemacht. Der Stich ins BVB-Herz muss nun erst einmal langsam verheilen. Die Freude auf die neue Saison wird sich wohl erst in ein paar Wochen wieder einstellen.
Ist es vermessen, einen Verein aufgrund einer Verletzung von nur einem Spieler abzuschreiben? Vielleicht, aber der Ausfall geht einher mit einem fatalen Einschnitt auf der sportlichen und auf der psychologischen Ebene.
Folgerichtig ist auch die Chance auf einen spannenden Meisterkampf deutlich zusammengeschrumpft. Der lange Ausfall des 23-Jährigen ist nicht nur für Dortmund, sondern für ganz Fußball-Deutschland ein bitterer Schlag. Eine blutjunge Dortmund-Mannschaft, die mit euphorisierenden Fußball den Bayern-Konkurrenz machen kann, hätte der Bundesliga unglaublich gut getan.
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