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Das große Transfer-Zeugnis 2026/27 für den VfB Stuttgart

Der VfB konnte all seine Schlüsselspieler in diesem Sommer seit langer Zeit mal wieder halten. Doch der Endspurt auf dem Transfermarkt verlief entgegen der schwäbischen Gelassenheit äußerst turbulent.
Dzenan Pejcinovic ist Stuttgarts Königstransfer.
Dzenan Pejcinovic ist Stuttgarts Königstransfer. | NurPhoto/GettyImages

Eigentlich schien es ein eher gemächlicher Transfer-Sommer für den VfB Stuttgart zu werden. Das zäheste Thema waren wohl die Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg über Dzenan Pejcinovic. Ansonsten war zwischenzeitlich, gerade während der WM, nicht gerade viel los. Doch wie auch schon im Vorjahr bei Nick Woltemade wurde es zum Deadline Day hin erneut so richtig heiß. Während Jamie Leweling, Bilal El Khannouss und Josha Vagnoman allesamt geblieben sind, überraschte Chema Andrés mit seinem Abgang zu Brighton.

Wie können die Neuzugänge weiterhelfen?

  • Dznenan Pejcinovic (VfL Wolfsburg)
  • Bilal El Khannouss (Leicester City, war zuvor ausgeliehen)
  • Leo Sauer (Feyenoord Rotterdam)
  • Grischa Prömel (TSG Hoffenheim)
  • Marius Funk (Energie Cottbus)

Schon ganz früh tütete der VfB die ablösefreien Transfers von Grischa Prömel und Marius Funk ein. Mit Prömel haben die Schwaben einen Spielertypen für ihr zentrales Mittelfeld geholt, der ihnen in den letzten Jahren gefehlt hat. Der 31-Jährige ist ein Box-to-Box-Spieler, der immer wieder im gegnerischen Strafraum auftaucht und Torgefahr mit Scoring-Output ausstrahlt. Mit Funk habe man in Stuttgart nach Aussagen von Trainer Sebastian Hoeneß "einen der besten dritten Torhüter der Bundesliga" geholt. Da Prömel in Esslingen aufgewachsen ist und Funk als gebürtiger Aalener bereits für sechs Jahre in der VfB-Jugend aktiv war, sind beide mit der Region bereits vertraut.

Auch die Festverpflichtung von Bilal El Khannouss stand früh fest. Der Edeltechniker machte bei der WM mit auffälligen Leistungen für Marokko auf sich aufmerksam, weshalb es bis zuletzt Gerüchte um einen Abgang in die Premier League gab. Doch der 22-Jährige entschied sich für einen Verbleib im Ländle. El Khannouss ist einer der Spieler mit dem größten Potenzial im VfB-Kader. Sollte der offensive Mittelfeldspieler noch mehr Konstanz in sein Spiel bringen, könnte er der nächste XXL-Verkauf der Schwaben nach Nick Woltemade zu Newcastle United (75 Millionen Euro) werden.

Leo Sauer soll Stuttgart mit seinem Tempo helfen.
Leo Sauer soll Stuttgart mit seinem Tempo helfen. | Stuart Franklin/GettyImages

Mit Leo Sauer hat sich der VfB einen pfeilschnellen, physischen Außenbahnspieler geholt, der Druck auf Chris Führich machen soll. Wer Sauer in der niederländischen Eredivisie bei Feyenoord noch nicht verfolgt hat, erinnert sich vielleicht an seinen eindrucksvollen Auftritt mit der slowakischen Nationalmannschaft gegen Deutschland in der WM-Qualifikation, als er Nnamdi Collins regelrecht schwindelig spielte.

Um Dzenan Pejcinovic aus Wolfsburg loseisen zu können, mussten die Schwaben in lange Verhandlungen mit den Niedersachsen treten. Letztlich gab der VfB nach und überwies die geforderte Summe von 25 Millionen Euro in die Autostadt. Der 21-jährige Mittelstürmer bringt neben seinen Abschlussqualitäten Tempo, Tiefengang und spielerische Fähigkeiten in das Stuttgarter Spiel. Er ist somit ein dritter Spielertyp für die VfB-Spitze, der sich von Deniz Undav und Ermedin Demirovic deutlich unterscheidet. Sebastian Hoeneß soll sich stark für den Transfer des Deutschen eingesetzt haben und auch Jürgen Klopp soll Pejcinovic ganz oben auf seiner Liste für den DFB haben.

Wie kann der VfB die Abgänge verkraften?

  • Chema (Brighton)
  • Jovan Milosevic (SC Braga)
  • Lazar Jovanovic (Udinese)
  • Noah Darvich (SV Elversberg, Leihe)
  • Laurin Ulrich (SC Paderborn, Leihe)
  • Florian Hellstern (Greuther Fürth, Leihe)
  • Mirza Catovic (Barca Atletic, Leihe mit potenzieller Kaufpflicht)
  • Badredine Bouanani (Glasgow Rangers, Leihe mit Kaufoption)
  • Pascal Stenzel (vereinslos)
  • Alexander Nübel (Leihende, jetzt bei Besiktas)

Der VfB musste zwingend noch Transfererlöse erzielen. Doch, dass es am Ende Chema treffen würde, der am Deadline Day für rund 22 Millionen Euro nach Brighton gewechselt ist, kam überraschend. Da hatte der VfB endlich beide Sechserpositionen doppelt besetzt, eine Baustelle, die Hoeneß in der Vergangenheit häufiger betonte, schon gehen sie wieder ohne vierten Mann in die Saison. Immerhin könnte nun die Stunde von Eigengewächs Yanik Spalt schlagen, der sich auf Einsätze bei den Profis freuen darf.

Lazar Jovanovic ist nach Italien gewechselt.
Lazar Jovanovic ist nach Italien gewechselt. | DeFodi Images/GettyImages

Mit Jovan Milosevic und Lazar Jovanovic machte der VfB ein serbisches Transferplus von etwa 8,5 Millionen Euro. Die beiden Offensivspieler hatten in Stuttgart keine Perspektive mehr - dafür hat man noch ordentlich Kohle aus ihnen gemacht. Außerdem hat Stuttgart Badredine Bouanani zu den Glasgow Rangers verliehen, da die Konkurrenz auf Rechtsaußen beim VfB einfach zu hoch war.

Die Leihen von Noah Darvich, Laurin Ulrich und Florian Hellstern innerhalb Deutschlands wirken alle sinnvoll. Stichwort: Spielzeit auf hohem Niveau. Nur der Abgang von Mirza Catovic kann durchaus kritisch beäugt werden. Der 19-Jährige gilt als Mega-Talent, doch hat beim VfB nie so richtig eine Chance erhalten. Ob die Schwaben den Verlust des defensiven Mittelfeldspielers noch bereuen werden?

Dann wären da noch die Abgänge von Pascal Stenzel und Alexander Nübel: Stenzel hatte sportlich beim VfB schon länger keine Relevanz mehr, aber galt als sehr wichtiger Spieler für die Kabine. Und Nübel war für den VfB stets ein sicherer Rückhalt, doch sein Abgang war nötig, um die Tür für Juwel Dennis Seimen als neue Nummer eins zu öffnen.

Konnte der VfB Stuttgart seine Problemstellen lösen?

Wie schon angedeutet, ist es den Schwaben auf der Sechserposition nicht gelungen, ihre Baustelle der Vorjahre zu schließen. Zwar ist Youngster Spalt durchaus zuzutrauen, dass er den nächsten Schritt geht, allerdings wären die Schwaben mit Sicherheit lieber mit vier gestanden zentralen Mittelfeldspielern in die Saison gegangen. Immerhin: Auch Nikolas Nartey könnte bei Not am Mann aushelfen. Der Däne ist aber wohl eher für die rechte Verteidigung eingeplant.

Nachdem man beim VfB schon im vergangenen Sommer einen dritten Stürmer mit hoher Qualität verpflichten wollte, Hyeon-gyu Oh jedoch durch den Medizincheck rasselte, hat man das in diesem Jahr nachgeholt. Auf der Mittelstürmer-Position hat der VfB seine Hausaufgaben auf jeden Fall erledigt - Undav, Demirovic und Pejcinovic klingt nach einem Elite-Trio.

Ansonsten hatte der Kader des VfB keine größeren Baustellen. Wichtig war es, den XXL-Kader zu verkleinern. Das haben die Schwaben geschafft, aktuell stehen nur noch 29 Mann im Kader. Durch die Dreifachbelastung wird Hoeneß wieder die Rotationsmaschinerie anschmeißen, sodass fast jeder Spieler im Team auf seine Einsatzzeiten kommen wird. Deshalb wirkt die Kadergröße ziemlich passend.

Wie wirtschaftlich war die Transferphase?

Stuttgart konnte es sich durch den Einzug in die Champions League und eventuell auch noch der Woltemade-Millionen geschuldet, erlauben, etwas ins Minus zu gehen. Die 25 Millionen Euro für Dzenan Pejcinovic und 15 Millionen Euro für Leo Sauer klingen auf den ersten Blick etwas viel, sind jedoch in Anbetracht der Entwicklung des Markts und des potenziellen Wiederverkaufwerts durchaus gerechtfertigt.

Der VfB hat es auf anderen Seite geschafft, große Einnahmen zu generieren, ohne einen einzigen Stammspieler zu verlieren. Bei Chema muss erwähnt sein, dass nicht die vollen 22 Millionen Euro an den VfB fließen, sondern auch Real Madrid einen Anteil bekommt. Zudem könnten in Zukunft noch weitere Gelder durch vereinbarte Kaufoptionen an den Neckar fließen.

Einnahmen

Ausgaben

Gesamtbilanz

37,9 Millionen Euro

55 Millionen Euro

-17,1 Millionen Euro

Quelle: transfermarkt.de

Das Gesamtfazit:

Der VfB Stuttgart hat ein unscheinbares, aber starkes Transferfenster hingelegt. Bei großen Angeboten für Jamie Leweling und Bilal El Khannouss sind sie nicht schwach geworden, sondern haben klar gemacht: Der VfB hat weiterhin große Ambitionen! Ein Verbleib solcher Leistungsträger und Qualitätsspieler ist auch für die anderen Spieler im Verein ein Fingerzeig und zusätzlicher Push. Das Zusammenhalten der Truppe ist der größte Erfolg von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und Sportdirektor Christian Gentner.

Fabian Wohlgemuth und Christian Gentner haben gute Arbeit geleistet.
Fabian Wohlgemuth und Christian Gentner haben gute Arbeit geleistet. | DeFodi Images/GettyImages

Auf der Zugangsseite hat man sich nur punktuell, aber gezielt verstärkt. Pejcinovic könnte beim VfB komplett einschlagen, Prömel bringt neue Leader-Qualitäten und Torgefahr aus dem Mittelfeld ins Team, Leo Sauer besitzt großes Potenzial, ist aber vermutlich noch das größte Fragezeichen, und Marius Funk hebt die Qualität im Torwarttraining nochmal an.

Der Wermutstropfen ist und bleibt der Abgang von Chema. Was der Spanier dem VfB im nächsten Jahr wohl eingebracht hätte, ist reine Spekulation. Aber Stuttgart hat einen wichtigen Mann fürs zentrale Mittelfeld verloren, ohne auf dem Transfermarkt noch reagieren zu können. Andererseits musste man in Bad Cannstatt noch Geld einnehmen - und da scheint Chema, neben Josha Vagnoman, die wohl sinnvollste Option gewesen zu sein.

Chefkoch Fabian Wohlgemuth hat nach einem neuen Rezept gekocht, aber er hat gekocht!

Gesamt-Bewertung Transfersommer: 8/10


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