Skip to main content

Das große Schalke-Transferzeugnis: Alle Neuzugänge der Saison in der Bewertung

Erneut musste der FC Schalke viele Transfers umsetzen. Frank Baumann hat jedoch für eine hohe Erfolgsquote unter den Neuzugängen gesorgt.
FC Schalke 04
FC Schalke 04 | DeFodi Images/GettyImages

Nach der desaströsen Vorsaison musste sich der FC Schalke zu dieser nun abgeschlossenen Saison wieder neu aufstellen – natürlich auch in personeller Hinsicht. Mit Miron Muslic wurde ein neuer, bis dato unbekannter Cheftrainer installiert, der von Tag eins an eine sehr klare Vorstellung verfolgte.

Dieser Vorstellung unter- beziehungsweise zugeordnet wurden dann auch die Transfers im Sommer angegangen, ehe die Neuzugänge im Winter als finale Weichenstellung für das Aufstiegsziel anzusehen sind. Frank Baumann, der federführend für all diese Entscheidungen verantwortlich ist, kann deshalb zweifelsfrei als der wahre Architekt hinter der Bundesliga-Rückkehr der Knappen bezeichnet werden.

90min wirft einen Blick auf alle Schalke-Neuzugänge in dieser Saison, aufgeteilt in die zwei Transferphasen.

Die Sommer-Neuzugänge


1. Finn Porath

Als wichtiger Stammspieler hat er Holstein Kiel verlassen und sich nach dem Abstieg der Störche dem S04 angeschlossen: Finn Porath kam also durchaus mit der gegenseitigen Hoffnung nach Gelsenkirchen, auch dort als Stammspieler eine gewichtige Rolle spielen zu können.

Abseits seiner ersten Einsätze für Schalke, in denen er sich engagiert und auch einflussreich zeigte, konnte er aber keine Eigenwerbung mehr betreiben. Zwar litt er auch unter durch anderweitige Ausfälle bedingte Experimente auf der für ihn ungewohnten linken Seite, doch auch als rechter Schienenspieler wusste er nicht mehr zu überzeugen.

Noch bevor er für acht Spiele im Saison-Endspurt wegen einer Oberschenkelverletzung gar nicht erst zur Verfügung steht, verbrachte er vier Partien in Folge über die jeweils vollen 90 Minuten auf der Bank. Eine Trennung nach nur einem Jahr scheint keineswegs ausgeschlossen zu sein.

Bewertung: 3/10


2. Christian Gomis

Den Willen und die Einsatzbereitschaft konnte man Christian Gomis nie wirklich absprechen. Oftmals rieb er sich im Sinne der Mannschaft auf, zeigte sich aber insbesondere in Aktionen mit Ball eher unglücklich – insbesondere im und rund um den gegnerischen Strafraum.

Lediglich ein einziges Tor und eine Vorlage konnte er in 19 Liga-Einsätzen zur erfolgreichen Schalke-Saison beisteuern. In der Rückrunde bekam er nur noch einzelne Startelf-Einsätze zugesprochen, ehe er in der Rolle als Einwechselspieler verschwand. Nach seinen Einwechslungen konnte er kaum noch Einfluss auf die Spiele ausüben.

Die Leihe, die schon jetzt für die nächste Saison klar angedacht ist, ist dafür die logische Konsequenz. Vor allem in Hinblick auf die Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro, die für S04-Verhältnisse ein großer Vertrauensvorschuss ist, konnte Gomis keineswegs überzeugen.

Bewertung: 2/10


3. Nikola Katic

Nikola Katic war dem Vernehmen nach der erste Wunschspieler von Miron Muslic. Beide haben schon bei Plymouth Argyle zusammengearbeitet, sodass der Abwehrspieler für etwas weniger als 500.000 Euro vom FC Zürich verpflichtet wurde.

Abseits von seiner Knieverletzung, die ihn im Saison-Endspurt zum Zuschauen verdonnerte und zweier Karten-Sperren, stand er stets in der Startelf. In der Regel überzeugte er durch seinen Einsatz, die Zweikampfhärte und vor allem durch seine Überlegenheit in der Luft. Dadurch konnte er zumeist auch die Schwächen am Ball oder die eher geringe Geschwindigkeit kaschieren, die aber zuweilen doch recht offensichtlich wurden.

Bewertung: 8/10

4. Soufiane El-Faouzi

Für rückblickend beinahe lächerliche 200.000 Euro verpflichtet, hat Soufiane El-Faouzi vom ersten Spieltag an perfekt in die von Muslic angedachte Spielphilosophie gepasst. So ist es nicht verwunderlich, dass er abseits von einzelnen Auswechslungen beinahe jede einzelne Einsatzminute dieser Saison mitgenommen hat.

Der Mittelfeldspieler gehörte mit seinem großen Laufpensum, seiner leidenschaftlichen Herangehensweise und den vielen Balleroberungen zu den wichtigsten Stützen dieser Aufstiegs- und Meistermannschaft.

Eine kleine Schwächephase hatte er zwischendurch und mehr Torgefahr hätte er durchaus entwickeln können – sein Fallrückzieher-Tor gegen die SV Elversberg natürlich ausgenommen. Insgesamt war er aber eine absolute Topverpflichtung. Finanziell wird sie sich definitiv lohnen, womöglich auch noch weiter in sportlicher Hinsicht, sollte er noch beim S04 bleiben.

Bewertung: 10/10


5. Hasan Kurucay

Auch wenn Katic diesen Titel offiziell trägt, so kann man Hasan Kurucay durchaus als heimlichen Abwehrchef bezeichnen. Es ist eigentlich absurd, dass er bis zu seiner Verpflichtung ohne klare Wechselperspektive war – was Königsblau einen ablösefreien Transfer ermöglichte.

Auch wenn Kurucay vielleicht nicht ganz an die Top-Zweikampfquote von Katic herankommt (60,7 zu 65 Prozent), macht er das mit seinem ausgezeichneten Aufbauspiel wett. Oftmals sind es seine Druckpässe, die direkt ein oder gar zwei gegnerische Linien durchbrechen. So wird auch er in der Bundesliga zum Stammpersonal gehören.

Bewertung: 9/10


6. Timo Becker

Die Rückkehr von Timo Becker war weitaus mehr als eine emotionale Geschichte, wie sich schnell herausstellen sollte. Abseits von einer zwar deutlichen, aber insgesamt doch eher kurzen Schwächephase nach seiner zwischenzeitlichen Verletzungspause, ging der 28-Jährige stets als wichtiger Leistungsträger vorweg.

So kombinierte er die Faktoren des von Muslic geprägten Begriffs des 'key performance players' mit der Identifikationsfigur. Zur nächsten Saison wird er vermutlich wieder in die Dreierkette zurückkehren, nach der Rückrunde als Rechtsverteidiger.

Bewertung: 8/10


7. Dylan Leonard

Über Dylan Leonard kann noch nicht viel gesagt werden. Nenneswerte Einsätze hatte er soweit noch keine. Doch in den Testspielen konnte er vermehrt schon andeuten, welch Können schon jetzt und auch welches Potenzial in ihm steckt.

Mit seinen zudem erst 18 Jahren gilt er beim S04 ganz klar als Perspektivspieler. Möglicherweise überrascht er bereits zur nächsten Saison mit häufigeren Einsätzen, falls er nicht doch zunächst verliehen wird.

ohne Bewertung


Die Winter-Neuzugänge


8. Kevin Müller

Kam leihweise zu Schalke, soll nun weiter bleiben und als Nummer zwei hinter Loris Karius agieren: Kevin Müller hat vier Einsätze bekommen, in denen er sich allerdings sportlich noch nicht hat auszeichnen können. Stattdessen gab es durch seine bisherigen Leistungen eher die Debatte unter den Fans, ob er als potenzieller Karius-Ersatz ausreichen könnte.

Dem Vernehmen nach ist er aber auch ein wichtiger Faktor für die Kabine und somit für das Innenleben der Mannschaft – ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Die Halbjahres-Leihe war somit solide, mehr aber auch nicht.

Bewertung: 6/10


9. Moussa Ndiaye

Passend zur verletzungsbedingten Zwangspause von Vitalie Becker lieh Schalke mit Moussa Ndiaye direkt den neuen Linksverteidiger-Stammspieler aus. Der 23-Jährige schlug direkt ein und zeigte zumeist sehr überzeugende Leistungen. Defensiv stand er sicher, offensiv konnte er immer mal wieder wichtige Akzente setzen.

Im Sinne dieser Rückrunden-Leihe, wie sie unabhängig möglicher Entwicklungen im Sommer zunächst nur angedacht war, hat Königsblau mit Ndiaye einen Volltreffer gelandet.

Bewertung: 9/10


10. Dejan Ljubicic

Im Vergleich zu den anderen Winter-Neuzugängen und auch zu seinen Teamkollegen auf dem Platz, spielte Dejan Ljubicic zuweilen eher unter dem Radar. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass er eher mittelmäßige Leistungen ablieferte. Viel eher waren seine guten Spieler nur nicht so sehr durch Einzelaktionen auffällig, als dass sie direkt ins Auge fallen würden.

Mit seinem Doppelpack beim 3:2-Sieg über den SC Paderborn steuerte er auch zwei äußerst wichtige Tore für einen schlussendlich extrem bedeutsamen Sieg bei, der zum vorzeitigen Aufstiegs-Matchball führte.

Bewertung: 8/10


11. Edin Dzeko

Edin Dzeko kam, sah und traf. Zwar stand er schlussendlich nur für etwa zwei Drittel der angedachten Zeit zur Verfügung, was die Bewertung der Leihe natürlich etwas schmälert. Als Boost war er aber sehr wichtig, ebenso seine sechs Treffer und drei Assists, die er allesamt in einer Phase von acht Spielen erzielte.

Damit machte er deutlich, wie viel Qualität noch immer in ihm steckt. Auch wenn er zum Saisonende nur noch dreimal als Einwechselspieler ohne weitere Torbeteiligung genutzt wurde, war seine Leihe doch auch ein wichtiger Faktor für die Bundesliga-Rückkehr.

Bewertung: 8/10


12. Adil Aouchiche

Dem Wissen von Maximilian Lüftl war es zu verdanken, dass Schalke überhaupt Adil Aouchiche auf dem Schirm hatte. Die sogar ablösefreie Verpflichtung des 23-Jährigen offenbarte sich schnell als bedeutsamer Bestandteil der Offensiv-Entwicklung, die Muslic zur Rückrunde ausgerufen hatte.

Drei Tore und fünf Vorlagen hat Aouchiche zu verbuchen, doch war er auch abseits dieser direkten Torbeteiligungen stets ein belebendes Element für die Offensive. Nicht selten konnte er durch seine hohe Arbeitsrate auch gegen den Ball wichtige Akzente setzen.

Bewertung: 9/10


Fazit: Ein insgesamt so gutes Transferjahr hatte Schalke schon lange nicht mehr

Schalke ist jeweils mit erschwerten Bedingungen in die Sommer- und Winter-Transferphase gestartet. Wenig finanzieller Spielraum bei zugleich sehr klaren Vorstellungen hinsichtlich der Spielerprofile. Umso bemerkenswerter ist es, wie gut die Quote der Verpflichtungen ausfällt, die den Knappen wirklich nachdrücklich geholfen und die Mannschaft verstärkt haben.

Dem Sommer kann somit guten Gewissens eine gute 7/10 ausgestellt werden, während der Winter nichts weniger als eine 10/10 verdient. Mit Ausnahme von Müller als Ersatzkeeper waren alle Winter-Neuzugänge sehr wichtige Stammspieler in der entscheidenden Rückrunde.

Positiv fällt also auch das Gesamtfazit aus: Mit nur wenigen Flops, dafür einigen guten bis sehr guten Transfers, hat sich Schalke eine Bewertung von 8,5/10 verdient.


Weitere Nachrichten rund um Schalke:

Add us as a preferred source on Google