Es ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit, dass der FC Schalke zur nächsten Saison wieder in der Bundesliga antreten darf. Insbesondere nach der Vorsaison hätte wohl jeder, der es irgendwie mit Königsblau hält, eine möglichst ruhige Saison im tabellarischen Mittelfeld mitsamt einem Fokus auf Stabilisierung und Entwicklung unterschrieben.
Stattdessen gab es den maximalen Erfolg für S04: Den Aufstieg mitsamt der Zweitliga-Meisterschaft – beides jeweils schon vorzeitig am 32. Spieltag eingetütet.
Wenn nun über die Anteile an der Bundesliga-Rückkehr gesprochen wird, stehen die üblichen Verdächtigen oft fest. Da ist natürlich Miron Muslic als Cheftrainer. Da ist Loris Karius als Nummer eins und sicherer Rückhalt im Tor. Da ist Kenan Karaman als Kapitän und Anführer, der von der DFL sogar als Spieler der Saison in Liga zwei ausgezeichnet wurde. Vergleichsweise wenig wird aber über Frank Baumann gesprochen.
Der ruhige Baumann war genau das, was Schalke brauchte
Den 50-Jährigen wird es nicht stören, dass er rund um diese Feierlichkeiten nicht im Fokus steht – im Gegenteil. Wurde zu seinem Amtsantritt zunächst noch gezweifelt, ob er mit seiner ruhigen und im positiven Sinne weitestgehend emotionslosen Art zu Schalke passt, hat sich frühzeitig herausgestellt, dass eine solche Persönlichkeit als Sportvorstand genau richtig für die Knappen ist.

Mit seiner Erfahrung hat Baumann exakt das vorgelebt, was man sich beim S04 im Sommer vorgenommen hatte: Weniger reden, mehr machen. So viele seiner Entscheidungen haben das Grundgerüst für die erfolgreiche Saison gelegt. Die Installation von Muslic als Cheftrainer, gegen zunächst äußerst große Zweifel. Die bereits zum Sommer wichtigen Transfers von Spielern wie Soufiane El-Faouzi, Hasan Kurucay oder Nikola Katic, die allesamt zum angedachten Spielstil passten.
Ein Transfer-Winter nach Maß: Jede einzelne Entscheidung hat gesessen und funktioniert
Und allen voran der Transfer-Winter muss an dieser Stelle lobend erwähnt werden, er verdient seine ganz eigene Betrachtung. Es war wohl, ausgehend von sowohl der finanziellen Ausgangslage als auch der Komplexität, das beste Winter-Transferfenster, das es je auf Schalke gegeben hat.
Die Ausgangslage: Nach einer sehr erfolgreichen Hinrunde sieht Muslic (rückblickend: völlig korrekterweise!) ein, dass der bisherige Spielstil nicht zum ganz großen Erfolg ausreichen wird. Daher soll die Mannschaft ein bisschen der defensiven Stabilität opfern, um mehr offensive Kreativität und Gefahr zu entwickeln. Dafür brauchte es noch entsprechende Neuzugänge.

Geholt wurden Moussa Ndiaye per Leihe, der voll eingeschlagen hat und die Rückrunde als Stammspieler absolvierte. Adil Aouchiche, dank des Know-how von Maximilian Lüftl (ebenfalls von Frank Baumann eingesetzt) sogar ablösefrei und als äußerst belebendes Element der Offensive. Dejan Ljubicic, für etwa 750.000 Euro, der vielleicht nicht immer der auffälligste Offensivspieler war, aber doch stets seinen Teil zu erfolgreichen Spielen beitragen konnte. Und niemand Geringeres als Edin Dzeko, der angesichts seiner sonstigen Bezüge für einen Spottpreis nach Gelsenkirchen kam und in einer ganz wichtigen Phase mit seiner nach wie vor unbestrittenen Qualität auch sechs Tore sowie drei direkte Assists beisteuern konnte. Auch die Leihe von Kevin Müller, der auch intern als wichtige Figur in der Kabine gilt und zur neuen Saison als Nummer zwei bleiben soll, sollte nicht vergessen werden.
So hat Baumann nur sehr wenig Geld für sehr viel Qualität ausgegeben. Ndiaye, Aouchiche, Ljubicic und Dzeko waren (abseits von einzelnen verletzungsbedingten Zwangspausen) enorm wichtige Stammspieler und Leistungsträger in der Rückrunde. Sie, und damit auch direkt Baumann, haben einen großen Anteil am Aufstieg.
Der Aufstiegs-Architekt: Baumann hat Schalke auf den Erfolgspfad geführt
Baumann hat also nicht nur die nötige Ruhe und Bescheidenheit nach Gelsenkirchen gebracht, die er persönlich immer wieder vorlebt. Er hat auch gleich mehrere Personalentscheidungen getroffen, vom Trainer über verschiedene Transfers bis hin zur Einstellung des neuen Scouting-Chefs, die maßgeblich zur Bundesliga-Rückkehr geführt haben.
Natürlich ist damit Muslic nicht der riesige Einfluss auf die erfolgreiche Saison abzuerkennen. Der Cheftrainer ist und bleibt mit die wichtigste Personalie im einem Verein, keine Frage. Doch wäre er erst gar nicht beim S04 gelandet, wäre Baumann nicht gewesen. So kann besten Gewissens behauptet werden, auch wenn er das so nicht gerne hören möchte, dass er der wahre Architekt des Schalke-Aufstiegs ist.
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