Beim furiosen 6:1 der Bayern bei Atalanta Bergamo stand für den ein oder anderen Star in der Endphase nicht mehr das Toreschießen im Vordergrund. Vielmehr bettelten sie regelrecht verzweifelt um eine Gelbe Karte. Das klare Ziel: eine Sperre im Achtelfinal-Rückspiel.
Während sich Michael Olise beim Ausführen einer Ecke schnell die ersehnte Karte holte, musste Joshua Kimmich ein wenig mehr investieren. Der Mittelfeld-Leader baute sich zunächst grundlos vor einem Atalanta-Spieler auf, ehe er das Ausführen eines Freistoßes so lange verweigerte, bis ein gegnerischer Akteur wütend auf ihn zugestürmt kam. Die logische Folge: Gelbe Karte für beide! Nie dürfte sich Kimmich so darüber gefreut haben.
Nun werden Olise und Kimmich zwar im Rückspiel fehlen, gehen aber mit einer weißen Weste ins CL-Viertelfinale, welches nach dem Hinspiel-Ergebnis quasi fix ist. Ein klarer Fall von Vorsatz. Nur beweisen kann man es den Bayern-Stars nicht.
Kimmich liefert kuriose Erklärung für sein Zeitspiel
Auf seine erbettelte Karte angesprochen, zeigte sich Kimmich ähnlich gerissen wie auf dem Platz. "An sich war es unnötig, ich habe nach einer passenden Anspielstation gesucht, man will nicht ins Pressing reinspielen. Ich glaube, wenn jetzt nicht der gegnerische Spieler auf mich zustürmt, gibt er auch nicht die Gelbe Karte. Ich wollte den Ball gerade rausspielen. Am Ende war es zu spät. Es ist ärgerlich", erklärte er die Situation am Amazon-Prime-Mikro.
Dabei setzte er eine derart betont ernste Miene auf, dass man sich sicher sein kann, dass er auch als Pokerspieler oder Schauspieler Karriere hätte machen können.
"Ich glaube, wir wissen alle, was passiert ist. Ich finde es wunderbar, wie er es erklärt hat. Es war uns schon allen klar, dass er sich da noch eine Gelbe holt. [...] Ich verstehe auch, dass er da jetzt dieses Statement bringt, damit es eben nicht eine Bestrafung wie bei Real Madrid gibt. Deswegen: alles richtig gemacht, Josh. Von der ersten bis zur 90. plus 23. Minute", meinte Ex-Teamkollege und TV-Experte Mats Hummels.
Darum droht Kimmich wohl kein Fall Ramos 2.0
Droht Kimmich nun aber ein Nachspiel? Schließlich wurde etwa Sergio Ramos einst nach einer absichtlich eingefangenen Gelben Karte für ein weiteres Spiel gesperrt. Auch Real-Kollege Dani Carvajal und dem Ex-Bremer Zlatko Junuzovic passierte das schon.
Beim Bayern-Star dürfte das allerdings nicht der Fall sein. So war er eben clever genug – anders als Ramos damals – nicht zuzugeben, dass ein Vorsatz hinter der Verwarnung steckte. Demnach ist es unmöglich, Kimmich nachzuweisen, dass er mit seiner "Geschichte aus dem Paulanergarten" nicht doch die Wahrheit über die Situation erzählt.
Michael Olise, der die Wörter in Interviews ohnehin gerne an einer Hand abzählt, dürfte nun nicht ausgerechnet in dieser Thematik ein Anflug von Redefreude heimsuchen.
Zwar mögen manche die Aktionen von Kimmich und Olise als unsportlich betiteln, jedoch gibt es keine Grundlage, die Akteure zu sperren. Jedenfalls nicht, solange sie nicht in Ramos-Manier gestehen.
"Wer sich 'offensichtlich absichtlich' eine Gelbe oder Rote Karte einhandelt, wird mit einer Zwei-Spiele-Sperre belegt."UEFA-Disziplinarregularien, Artikel 15
Upamecano geht vorbelastet ins kommende Match
Beim FC Bayern geht nur Dayot Upamecano vorbelastet ins Rückspiel, der keine Bemühungen angestellt hat, sich eine dritte Verwarnung zu sichern. Damit droht aber eben eine Sperre, wenn es im Viertelfinale gegen Real Madrid oder Manchester City geht.
