BVB in Topform: Chef-Kritiker gerät plötzlich ins Schwärmen
Von Franz Krafczyk

Die Ergebnisse stimmen bei Borussia Dortmund schon seit längerer Zeit, doch nun gelangen den Schwarz-Gelben mit den beiden Siegen gegen Mainz (4:0) und Atalanta Bergamo (2:0) auch endlich zwei überzeugende Leistungen in Folge. Der Zeitpunkt für die Topform des BVB könnte kaum besser sein, schließlich warten in der Bundesliga nun zwei richtungsweisende Partien gegen RB Leipzig und den FC Bayern.
Auch kritischen Experten wie Didi Hamann, der im Bezug auf den BVB in der Vergangenheit gerne mal einen schärferen Ton wählte, wird aktuell der Mund gestopft. "Sie haben Wille, Glaube, Herz, Leidenschaft und auch Widerstandsfähigkeit", schwärmt er in seiner Kolumne bei Sky Sport. "All das, was man ihnen immer abgesprochen hat. Die ganze Diskussion um den schönen Fußball kann ich nicht nachvollziehen. Sie spielen erfolgreichen Fußball, und das ist das Wichtigste."
BVB nicht mehr abhängig von Schlotterbeck?
Dass auch das Fehlen von Nico Schlotterbeck in den vergangenen beiden Duellen nicht auffiel, sei "ein weiteres Qualitätsmerkmal", so Hamann. Sind die Dortmunder also nicht so sehr von ihrem Innenverteidiger abhängig, wie es lange Zeit zu vermuten war?
"Der BVB holt ohne ihn mehr Punkte als mit ihm und hat auch die Aufholjagd am Ende der vergangenen Saison ohne ihn geschafft", stellt Hamann fest. Schlotterbeck sei dennoch "ein wichtiger Spieler und ich glaube, dass die Dortmunder ihn brauchen werden - am besten schnell, wenn sie ihre Ziele erreichen wollen".
Umso besser, dass Niko Kovac einige formstarke Alternativen in der Hinterhand hat. Eine positive Überraschung war auch für Hamann der 18-jährige Luca Reggiani, der aufgrund der vielen Ausfälle in der Innenverteidigung zuletzt ins kalte Wasser geworfen wurde, seine Sache aber sehr unaufgeregt machte. "Der Junge läuft mit, spielt mit, das ist erstaunlich und bemerkenswert. Es wird viel zu wenig wertgeschätzt, was beim BVB gerade passiert", schwärmt der TV-Experte.
Hamann mit Sonderlob für BVB-Trio
Neben einem "wunderbaren" Ramy Bensebaini sticht für Hamann in der Dortmunder Abwehrreihe Waldemar Anton heraus, der sich "zum Führungsspieler entwickelt" habe. "Das hat letztes Jahr schon angefangen, als Schlotterbeck in der Endphase der Saison gefehlt hat. Anton macht einen wunderbaren Job und ist einer der Garanten für den Dortmunder Höhenflug", lobt der 52-jährige Ex-Profi.
Einen großen Entwicklungsschritt attestiert Hamann auch Rechtsverteidiger Julian Ryerson und Mittelfeldstütze Felix Nmecha. "In Dortmund hat er einen großen Entwicklungsschritt gemacht, von den letzten sechs Toren hat er fünf vorbereitet, schlägt super Flanken, Freistöße und Ecken. Das ist im heutigen Fußball ein riesiger Trumpf", sagt er über den Norweger.
"Bei Felix Nmecha sieht man, welch unheimliches Potenzial er hat. Das zentrale Mittelfeld ist der Maschinenraum. Je nachdem, mit wem er zusammenspielt, ob mit Bellingham oder mit Sabitzer, ist Nmecha derjenige, der der Mannschaft Sicherheit gibt", analysiert Hamann und betont mit Blick auf die WM 2026: "Wenn er gesund bleibt, führt an ihm beim BVB und auch in der Nationalmannschaft kein Weg vorbei. Auch im DFB-Team gehört er für mich in die Startelf."
Vor Klassiker gegen die Bayern: Bergamo-Rückspiel als Vorteil für den BVB?
Während die meisten Fans jetzt schon auf den Klassiker gegen den FC Bayern (28. Februar) hinfiebern, stehen zuvor noch die beiden kniffligen Aufgaben bei RB Leipzig (Samstag, 18:30 Uhr) und Atalanta Bergamo (Mittwoch, 18:45 Uhr) an. Laut Hamann ist das für den BVB ein Risiko, aber gleichzeitig auch eine Chance.
"Natürlich kann innerhalb einer Woche alles vorbei sein, wenn du in Leipzig verlierst und in Bergamo ausscheidest. Wenn du aber am Samstag gewinnst und in der Champions League weiterkommst, gehst du mit breiter Brust in den Klassiker", blickt er voraus.
Dass die Dortmunder unter der Woche in Italien antreten müssen, während die Bayern pausieren dürfen, sieht Hamann nicht zwingend als Vorteil für die Münchner: "Auf der anderen Seite ist es vielleicht sogar besser, wenn du im Rhythmus bleibst. (...) Die Bayern sind es eigentlich gewohnt, alle drei Tage zu spielen, am Samstag gegen Frankfurt wird es auch nicht einfach."
"Wenn du erfolgreich bist, gibt dir das viel Selbstvertrauen, da können die Spiele gar nicht schnell genug kommen. Deswegen wird der Ausgang der nächsten beiden Spiele des BVB unheimlich wichtig dafür sein, was am Samstag in einer Woche passiert", erklärt Hamann.
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