BVB-Gefahr für die Bayern? 3 Gründe für und gegen einen spannenden Meisterschaftskampf

Der FC Bayern führt die Bundesliga an, doch der BVB hat sich auf sechs Punkte herangearbeitet. Können die Borussen tatsächlich noch deutscher Meister werden?
Kann der BVB den FC Bayern noch stoppen?
Kann der BVB den FC Bayern noch stoppen? / Kevin Voigt/GettyImages
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Der Meisterschaftskampf schien eigentlich längst entschieden zu sein. Die Bayern dominierten mit einer ungeheuren Überlegenheit und hatten im Verlaufe der Saison teilweise über zehn Punkte Vorsprung. Die beiden Patzer gegen Augsburg (0:1) und in Hamburg (2:2) haben aber dafür gesorgt, dass plötzlich wieder etwas Spannung ins Titelrennen gekommen ist.

Der BVB liegt schließlich nur noch sechs Punkte hinter den Bayern. Doch handelt es sich dabei eher um einen kurzzeitigen Spannungsbogen oder können die Schwarz-Gelben den Münchner im Titelkampf tatsächlich die Weißwurst vom Teller nehmen?

1. Kontra: Bayern hat sechs Punkte Vorsprung

Zunächst einmal sei angemerkt, dass der FC Bayern schlichtweg noch immer den Vorteil von sechs Punkten Vorsprung auf der Habenseite hat. Dies ist zwar kein Ruhekissen mehr, aber im Kampf um den Titel nicht zu vernachlässigen. Da die Münchner auch noch das klar bessere Torverhältnis haben, müsste Dortmund im weiteren Saisonverlauf mindestens sieben Zähler mehr holen. Da könnte jeder unnötige Patzer einer zu viel sein.

Historisch betrachtet haben die Bayern ein solches Sechs-Punkte-Polster nach 20 Spieltagen erst einmal verspielt. 1992/93* wurde der FCB im Rennen um die Schale noch von Werder Bremen abgefangen.

*damals galt noch die Zwei-Punkte-Regel - daher waren es umgerechnet sechs Punkte Vorsprung

2. Pro: Dortmund gegen Underdogs in Bayern-Manier

Tatsache ist allerdings, dass sich die Dortmunder schon länger keine unnötigen Patzer geleistet haben. Tatsächlich sind die Borussen und die Münchner seit Ende Herbst in vertauschten Rollen unterwegs. Die Bayern ließen völlig untypisch gegen die vermeintlich kleinen Teams (Union Berlin, Mainz 05, FC Augsburg und HSV) erstaunlich viele Punkte liegen. Dabei war es in den vergangenen Jahren und auch bis Mitte der Hinrunde vielmehr der BVB, der gerne unnötig Punkte verlor.

Dortmund macht inzwischen in diesen Spielen aber genau das, was die Bayern in vielen Jahren in Perfektion beherrschten: nämlich mäßig spielen und am Ende trotzdem irgendwie gewinnen. Die beiden jüngsten 3:2-Siege gegen Heidenheim und St. Pauli stehen sinnbildlich dafür. Im Meisterschaftskampf ist es ganz wichtig, diese Zähler mitzunehmen.

3. Kontra: Bayern ist das bessere Team

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die Bayern das bessere Team sind und den klar besseren Fußball spielen. Die Münchner sind auf fast jeder Position besser besetzt, was sich letztlich auch auf dem Platz widerspiegelt. Die Unterschiede zeigen sich weniger an den Punkten, sondern vielmehr an der Tordifferenz. Die Münchner stehen bei 74:18 Toren, während der BVB auf 41:19 Tore kommt. Insbesondere die Offensivabteilung der Münchner ist jener der Borussen deutlich voraus.

Schöpfen die Bayern ihr spielerisches Potenzial aus, sind sie den Dortmundern, zwei bis drei Klassen voraus.

4. Pro: Bayern mit zu wenig Ernsthaftigkeit?

Der FC Bayern hat gegen die Underdogs nicht so viele Punkte liegen gelassen, weil die Qualität nicht gereicht hat. Vielmehr sind die Punktverluste dem mentalen Bereich zuzuordnen. Die Siegesserie hat die Münchner schlichtweg leichtsinnig werden lassen. Fehlt vorne beim Abschluss und hinten in der Defensivarbeit ein wenig die Konzentration, ist die klare Dominanz weg. Das Kompany-System mag sehr effektiv sein, jedoch ist es ebenso fragil. Funktioniert ein Rädchen nicht, ist das gesamte Team verwundbar.

Demnach sollten sich alle Münchner in den vermeintlich leichten Partien wieder am Riemen reißen. Dies ist aber leichter gesagt als getan, wenn man einmal in das Schlamassel gerät. Hinzu kommt, dass bei den Bayern die Champions League eine hohe Priorität genießt und man auch den Pokal endlich wieder gewinnen möchte. Doch wer die Bundesligaspiele nur mit 90 Prozent angeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Pendel in die andere Richtung ausschlägt. Man darf jedenfalls davon ausgehen, dass der BVB mit dem Messer zwischen den Zähnen auf seine Chance lauert.

5. Kontra: BVB muss in die CL-Playoffs

Eigentlich ist es aus BVB-Sicht sehr positiv, dass das direkte Duell mit den Bayern zu Hause stattfindet. Umso ärgerlicher ist es jedoch, dass unmittelbar vor dem Klassiker in Dortmund das Champions-League-Playoff-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo stattfindet. Der FC Bayern hat derweil unter der Woche spielfrei und kann sich ganz dem BVB widmen.

Zwischen dem CL-Playoff-Hinspiel und dem Rückspiel geht es für Dortmund zudem nach Leipzig. Ein Auswärtsspiel bei RB gehört auch zu den schwierigsten Aufgaben in der Bundesliga. Das international nicht vertretene Leipzig hat wie die Münchner zuvor spielfrei. Für die Dortmunder ist es wahrlich ein Ärgernis, dass genau in der Playoff-Phase zwei Kracher-Duelle in der Bundesliga anstehen. Lässt man hier abreißen, dürfte die Meisterschaft entschieden sein.

6. Pro: Die Hoffnung auf Guirassy

Der BVB ist grundsätzlich auf drei Säulen angewiesen. Dabei handelt es sich um Gregor Kobel, Nico Schlotterbeck und Serhou Guirassy. Bedenkt man, dass mit Guirassy eine Säule in den vergangenen Monaten überhaupt nicht funktioniert hat, ist es ziemlich erstaunlich, dass die Dortmunder dennoch so viele Punkte gesammelt haben.

Ein Guirassy in Topform kann dem Team nochmal einen enormen Schub nach vorne einbringen. Umso wichtiger ist, dass der Angreifer mit seinen zwei Toren gegen Heidenheim wieder ein Positiv-Erlebnis verbucht hat. Stürmer leben von ihrem Selbstvertrauen und genau dieses könnte jetzt wieder zurück sein. Ist dies der Fall, ist die Siegeswahrscheinlichkeit in jedem einzelnen Spiel wieder höher.

Fazit

Der FC Bayern darf definitiv nicht den Fehler machen und denken, dass der Titelkampf schon entschieden sei. Genau dann könnte der BVB seine Chance nutzen. Die Münchner haben die bessere Mannschaft und sechs Punkte Vorsprung, jedoch haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass das Team auch zum Leichtsinn neigt. Letztlich wird man nach dem direkten Duell zwischen den Münchnern und den Dortmundern wohl ablesen können, ob der Titelkampf spannend wird oder nicht.
Haben die Bayern nach dem Duell sechs Punkte oder mehr Vorsprung, dürfte die Sache erledigt sein. Ansonsten ist Dortmund eine echte Bedrohung und darf auf die Schale hoffen.

Sicherlich sind die Borussen aber davon abhängig, dass die Bayern ihre Leistungen nicht bringen. Zwar kann der BVB selbst mit einem wiedererstarkten Guirassy noch mehr Prozent rausholen, kann aber nicht aus eigener Kraft Meister werden. Letztlich braucht es wohl schon einiges an Verletzungspech und Unvermögen der Bayern.

Die Meisterchance für den BVB liegt bei rund 15 Prozent.


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