Mit der Verpflichtung von Ole Book als neuen Sportdirektor ging bei Borussia Dortmund auch die Rückkehr zur alten Transfer-Erfolgsstrategie einher. Jung, entwicklungsfähig und mit Wertsteigerungs-Potenzial – dahin soll der schwarzgelbe Weg in der Kaderplanung wieder vermehrt gehen. Auch wenn CEO Carsten Cramer dabei auch eine Weiterentwicklung fordert (90min berichtete).
Die ersten Sommer-Transfers des BVB verdeutlichten die neue Ausrichtung. Für das 19-jährige Abwehr-Juwel Joane Gadou griff man tief in die Tasche. Aus Südamerika kommt ein Teenager-Duo für ebenfalls nicht wenig Geld.
Mehr ist auf der Zugangsseite bislang jedoch nicht passiert. "Ich kann die Ungeduld verstehen", merkte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken in einer Medienrunde deshalb an. "Aber wir als Verantwortliche müssen manchmal eben die Geduld haben – ohne auch zu geduldig zu sein."
- Ricken will keinen Umbruch
- BVB will sich Zeit lassen für die "richtigen Transfers"
- Italien-Duo als "eigentliche Neuzugänge"
- Der BVB-Kader in der Ricken-Analyse
- Fazit
Ricken will keinen Umbruch
"Wir wollen noch ein, zwei, drei wirklich gute Transfers machen."Lars Ricken
Vom viel gesprochenen Kader-Umbruch ist in Dortmund noch nicht allzu viel zu sehen. Laut Ricken scheint das aber auch gar nicht das Ziel der Verantwortlichen zu sein. Vielmehr wolle man den "Kern der Mannschaft beisammengehalten".
"Es wurde auch häufig genug geschrieben, dass Schlotterbeck weg ist und Guirassy und Nmecha und Ryerson – nee, die sind alle da. Und ich glaube, das ist extrem wichtig", betonte Ricken.
Verlassen haben die Borussen fast ausschließlich Reservisten oder Youngster, die den Durchbruch nicht geschafft haben. Die Abgänge, die die größten Lücken in den Kader reißen, sind Julian Brandt und bald auch Karim Adeyemi. Auf der Offensive liegt daher auch besonders der Transfer-Fokus.
Denn klar ist auch für Ricken: Es soll noch weitere Verstärkung her. "Wir wollen noch ein, zwei, drei wirklich gute Transfers machen."
BVB will sich Zeit lassen für die "richtigen Transfers"
Dabei geht es aber nicht um Schnelligkeit, führte der 50-Jährige aus: "Wir wollen aber die richtigen Transfers machen und nicht irgendwelche Transfers, bei denen wir kurzfristig Applaus kriegen und im November haben wir auf einmal das Problem – waren das wirklich die richtigen Transfers? Wir nehmen uns die Zeit, um Spieler zu verpflichten, die uns am Ende besser machen."
Besser machen sollen den Kader 26/27 auch die Spieler, die 25/26 verpflichtet wurden. Knapp 100 Millionen Euro an Ablösen gab der BVB vergangene Saison aus. Jobe Bellingham war mit knapp über 30 Millionen Euro der Königstransfer. Im zentralen Mittelfeld entwickelte er sich immer mehr zur festen Größe. In der neuen Saison soll bestenfalls der Schritt zum Leistungsträger gelingen.
Davon waren Angreifer Fabio Silva und Carney Chukwuemeka bisher weit entfernt. Auch dieses Offensiv-Duo hat Ricken im Blick. "Wir haben Spieler, die wir im letzten Sommer verpflichtet haben, mit Silva, Chukwuemeka und Bellingham – ich glaube, die werden besser und das ist auch unsere Erwartung, dass die auch den nächsten Schritt machen", so der BVB-Boss.
Italien-Duo als "eigentliche Neuzugänge"
In der Abwehr und im Angriff gibt es in Dortmund auch noch zwei Hoffnungsträger aus den eigenen Reihen. Luca Reggiani beeindruckte bei seinen Einsätzen in der Rückrunde, kurz vor Saisonschluss deutete auch sein italienischer Landsmann Samuele Inacio an, dass er eher früher als später ein neuer BVB-Shootingstar werden kann.
Das italienische Youngster-Duo seien für Ricken daher "eigentlich auch Neuzugänge. Dass sie jetzt schon so weit sind und sportlichen Input haben, damit haben wir auch nicht unbedingt gerechnet."
Der BVB-Kader in der Ricken-Analyse
Die bisherigen Sommer-Neuzugänge
Spieler (Alter) | Ablöse | Position |
|---|---|---|
Joane Gadou (19) | 19,5 Mio. € | IV |
Kauã Prates (17) | 7 Mio. € | LV |
Justin Lerma (18) | 4 Mio. € | OM |
Die Neuzgänge aus dem letzten Jahr
Spieler (Alter) | Ablöse | Position |
|---|---|---|
Jobe Bellingham (19) | 30,5 Mio. € | ZM |
Fabio Silva (17) | 22,5 Mio. € | ST |
Carney Chukwuemeka (18) | 20 Mio. € | OM |
Die "internen Neuzugänge"
Spieler (Alter) | Position |
|---|---|
Luca Reggiani (18) | IV |
Samuele Inacio (18) | OM/ST |
Diese Spieler werden aktuell als Nezugänge gehandelt
Spieler (Alter) | mögl. Ablöse | Position | aktueller Klub |
|---|---|---|---|
Konstantinos Karetsas (18) | ca. 25-30 Mio. € | OM | KRC Genk |
Fisnik Asllani (23) | ca. 30 Mio. € | ST | TSG Hoffenheim |
Said El Mala (19) | ca. 40-50 Mio. € | LA | 1. FC Köln |
Nicolo Tresoldi | ca. 30 Mio. € | ST | Club Brügge |
Ibrahim Mbaye (18) | ca. 30 Mio. € | RA | PSG |
Marc Casado (22) | ca. 20 Mio. € | ZM | Barça |
Randal Kolo Muani | ca. 40 Mio. € | ST | PSG |
Fazit
Meinen es Ricken und Co. wirklich ernst, braucht man in Dortmund gar nicht so ungeduldig sein. Denn geht man davon aus, dass vor allem Jobe Bellingham noch einmal einen großen Sprung macht und kein Leistungsträger mehr geht, wirkt es gar nicht dingend nötig, einen weiteren zentralen Mittelfeldspieler zu verpflichten. Zumindest niemanden für viel Geld und Stammplatz-Anspruch.
Im Sturmzentrum wäre die Argumentation ähnlich. Bleiben Guirassy und Silva, wäre ein weiterer Mittelstürmer unnötig. Hier gelten Asllani und Tresoldi als Wunschkandidaten, sollte Guirassy noch wechseln.
Nachgebessert werden muss im Kader aber auf den Positionen hinter der Spitze. Im bevorzugten 3-4-2-1-System von Niko Kovac fehlen die Unterschiedsspieler, wie es der BVB-Coach selbst deutlich gemacht hat. Griechen-Juwel Karetsas gilt als absoluter Wunschspieler von Sportdirektor Book. Ihn will Dortmund wohl unbedingt an Land ziehen.
Um nicht komplett abhängig vom 18-Jährigen zu sein, würde ein zweiter Offensiv-Transfer Sinn ergeben. Das muss aber in den finanziellen Rahmen passen. Bliebe es bei Gadou und Karetsas als Top-Neuzugänge würde man beim BVB schon sehr stark auf die Karte Weiterentwicklung setzen.

