Bei Karim Adeyemi fehlt zwar noch die offizielle Bestätigung, dem Transfer von Borussia Dortmund zum FC Barcelona steht aber nichts mehr im Weg. Barça-Präsident Joan Laporta hat daran keine Zweifel gelassen. "Wir freuen uns sehr über Adeyemi. Wir haben ihn schon länger im Blick. Er ist gefährlich und schnell, und Deco hat die Verpflichtung hervorragend abgewickelt. Die Nachricht kam genau zum richtigen Zeitpunkt", sagte er gegenüber spanischen Medien.
Ein Jahr vor Vertragsende winkt dem BVB dem Vernehmen nach eine fixe Ablöse von 22 Millionen Euro, die dank leicht zu erreichender Boni noch auf rund 30 Millionen Euro steigen kann. Bei Adeyemi erhält Schwarzgelb demnach in etwa die Summe, die man einst selbst an RB Salzburg für den schnellen Angreifer überwies. Immerhin: Im Deal enthalten sein soll auch eine Weiterverkaufsbeteiligung. Laut Fabrizio Romano in Höhe von 20 Prozent. Sky berichtet gar von 35 Prozent. So oder so: Künftig könnte der BVB bei Adeyemi nochmal mitkassieren.
Der Verkauf von Adeyemi deutlich unter Marktwert (40 Mio. Euro) war für die Dortmunder aber mehr eine Notlösung. Zunächst hatte man mit dem 24-Jährigen verlängern wollen. Als dieses Szenario in immer weitere Ferne rückte, hoffte man auf eine sattere Ablöse nördlich der 40 Millionen Euro. Doch aufgrund der Gefahr eines ablösefreien Abgangs 2027 waren die Borussen-Bosse zu Kompromissen gezwungen.
Karetsas-Werben verdeutlicht neue Transfer-Strategie
Zumindest sind so neue Mittelf für eigene Verpflichtungen frei geworden. Gesucht wird unter anderem weiterhin ein Unterschiedsspieler für die Offensive. Gewissermaßen als Nachfolger von Julian Brandt. Wunschspieler von Sportdirektor Ole Book ist Konstantinos Karetsas von KRC Genk. Die Belgier fordern 35 Millionen Euro Ablöse für den 18-jährigen Griechen, der BVB soll derzeit gut 26 Millionen Euro bieten. Laut Sky ist man sich mit Karetsas grundsätzlich einig (90min berichtete).
Das Werben um den dribbelstarken Youngster verdeutlicht einmal mehr, wohin die Reise in Dortmund künftig wieder gehen soll. Gezeigt hatte das schon der Transfer von Innenverteidiger Joane Gadou, den der BVB für eine fixe Ablöse in Höhe von knapp 20 Millionen Euro von RB Salzburg loseiste. Der Franzose ist erst 19 Jahre alt.
BVB-CEO Cramer fordern "den nächsten Schritt"
"Wir werden wieder mehr in Werte investieren müssen, das ergibt sich aus unserer DNA."BVB-CEO Carsten Cramer (kicker)
Jung, talentiert, entwicklungsfähig – so lautete das Transfer-Erfolgsmotto in Dortmund schon vor Jahren. Zuletzt wurde es aber immer stärker verwässert. Unter Book soll es wieder in den Fokus rücken. Das bestätigte auch CEO Carsten Cramer im Gespräch mit dem kicker nachdrücklich:
"Wir sind ein Verein, der Potenziale hebt und Fantasie weckt, das muss sich auch in der Transferpolitik widerspiegeln. Da war es kein Zufall, dass wir Ole Book als Sportdirektor geholt haben. Wir werden wieder mehr in Werte investieren müssen, das ergibt sich aus unserer DNA. Wir sind der Verein, der entwickelt, die Spieler besser macht, und damit müssen wir einen anderen Marktwert generieren als aktuell."
Kann der BVB seine Top-Youngster künftig länger halten?
"Wir wollen nicht immer nur junge Spieler entwickeln, damit wir sie morgen verkaufen, sondern sie auch mal bis übermorgen oder überübermorgen bei uns behalten."BVB-CEO Carsten Cramer (kicker)
Auf den Spuren der vergangenen Dembélés, Sanchos, Bellinghams und Haalands sollen sich in Dortmund künftig wieder talentierte Kicker zu Topstars entwickelt. Die dann auch immer wieder mal für enorme Summen verkauft werden. Wobei Cramer betonte, dass das Ziel ein anderes sei.
"Wir sollten es schaffen, auch mal durch normale Transfers unser wirtschaftliches Ziel zu erreichen, nicht durch außergewöhnliche. Wir wollen nicht immer nur junge Spieler entwickeln, damit wir sie morgen verkaufen, sondern sie auch mal bis übermorgen oder überübermorgen bei uns behalten", betonte er.
Cramer selbst dürfte aber nur allzu gut wissen, dass das einer der schwierigsten Teile bei der Rückkehr zur alten Erfolgsstrategie ist. "Das wird ohnehin immer schwieriger. Der internationale Wettbewerb wird jedes Jahr brutaler. Wir sind gerade auf der Kante der europäischen Top zehn. Wenn wir das halten und nicht auf Platz 15 heruntergereicht werden wollen, dann müssen wir den nächsten Schritt gehen", so der BVB-CEO.
BVB will in Top 10 Europas bleiben
Cramer weiter: "Die Frage müssen wir uns stellen: Wollen wir der Herausforderer im europäischen Fußball- und Business-Establishment bleiben? Oder wollen wir uns von Klubs wie Newcastle, Aston Villa, Inter Mailand, Atletico Madrid oder gar Leipzig überholen lassen?"
Um erster Herausforderer zu bleiben, wird es von Book ein sehr gutes Transfer-Händchen brauchen. Cramer blickt auf die neue Saison zumindest positiv. Der Adeyemi-Verkauf gefährdet seiner Meinung nach nicht die hohen Ziele. Offenbar auch der Abschied von Julian Brandt nicht.
"Wir haben keinen echten Stammspieler verloren und ein sehr ordentliches Gerüst", erklärte Cramer. Adeyemi und Brandt waren 25/26 tatsächlich über weite Strecken keine Stammspieler (mehr). Aber Cramer dürfte auch wissen, dass sie wichtige Rollen im BVB-Aufgebot eingenommen hatten – die es jetzt noch zu ersetzen gilt.
Kommt der schwarzgelbe Rollercoaster zurück?
Das alles geschieht im Spannungsverhältnis zur geplanten Kader-Verjünung, die zwangsläufig wieder größere Schwankungen ins Team bringen dürfte. "Zeitgleich müssen wir uns Zeit nehmen, weil wir jünger werden. So überzeugend Samuele Inacio war, so vielversprechend wie Joane Gadou ist, wir werden nicht davor gefeit sein, mit einer verjüngten Mannschaft auch mal Rückschläge zu erleben", gab Cramer zu.
BVB-Fans sollten sich derweil die Frage stellen: Lieber wieder mehr Aufs und Abs – dafür aber größeres Potenzial und mehr Attraktivität? Oder aber ähnlich wie letztes Jahr recht konstante Leistungen ohne die großen Ausschläge nach oben – mit häufig ziemlich ödem Fußball?
