Skip to main content

Bundestrainer Klopp - Passt das überhaupt? Die Analyse

Jürgen Klopp gilt als Wunschkandidat für den Posten des Bundestrainers. Doch passt er überhaupt?
Wird Jürgen Klopp Bundestrainer?
Wird Jürgen Klopp Bundestrainer? | Richard Sellers/Allstar/GettyImages

Nach dem erneuten WM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft ist die Stimmung endgültig auf dem Tiefpunkt angelangt und mit der Abreise der DFB-Auswahl aus dem WM-Quartier in den USA ziehen auch dunkle Wolken über dem Trainerstuhl der Nationalelf auf.

Bundestrainer Julian Nagelsmann steht so sehr auf dem Prüfstand wie nie zuvor und muss um seinen Job bangen. Dass der Deutsche Fußball-Bund weiter an dem 38-Jährigen festhalten wird, daran glauben mittlerweile nur noch die wenigsten. Eine Vielzahl von Fans und Experten fordern das Ende des Experiments und hoffen stattdessen auf Jürgen Klopp als Nachfolger.

Der 59-jährige Ex-Trainer von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool soll der neue Heilsbringer des deutschen Fußballs werden – doch passt das eigentlich? Laut Sky Sports stünde Klopp für den Posten bereit, sollte der DFB auf ihn zukommen (90min berichtete).

Ein guter Vereinstrainer muss noch kein guter Nationalcoach sein

Jürgen Klopp hat sich durch jahrelange erstklassige Arbeit und vor allem durch seine äußerst sympathische Präsenz und klare Kommunikation zum Lieblingsschwiegersohn der Nation aufgeschwungen und genießt weltweit hohes Ansehen.

Dass er deshalb als absolute Wunschlösung für den Posten des DFB-Trainers gilt, ist wenig verwunderlich. Doch nur weil man als Vereinstrainer erfolgreich gearbeitet hat, bedeutet das noch lange nicht, dass dieser Lauf auch bei einer Nationalmannschaft so weitergeht.

Vor allem, wenn man – wie Klopp – einen intensiven Spielstil pflegt und dabei auf derart detaillierte und regelmäßige Trainingsarbeit angewiesen ist, bis die Automatismen sitzen.

Klopp müsste sich für DFB-Job neu erfinden

Die Trainingsarbeit auf Nationalmannschaftsebene reduziert sich auf einen Bruchteil dessen, was auf Vereinsebene geleistet werden kann. Klopp wäre also auch in puncto Fitnesszustand darauf angewiesen, wie die Zulieferer aus der Bundesliga und Co. arbeiten.

Seine Arbeit würde sich von akribischer Detailarbeit in täglichen Einheiten auf komprimierte Inhalte in den wenigen Trainingseinheiten vor Länderspielen oder Turnieren beschränken. Ein großer Teil seiner Arbeit würde dann vor allem in der Sichtung möglicher Kandidaten für eine Nominierung zur DFB-Auswahl bestehen, um den bestmöglichen Kader anhand seiner Philosophie zu basteln. Klopp müsste von Stadion zu Stadion reisen und sich ein Spiel nach dem anderen ansehen – ein Aspekt, den Julian Nagelsmann offenbar komplett schleifen ließ und der als eine der größten Minderleistungen des Noch-Bundestrainers angesehen wird.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp | John Powell/GettyImages

Die Gefahr für Klopp besteht also darin, dass sich seine Spielidee und seine Trainingsarbeit der letzten Jahre nicht eins zu eins auf die Nationalmannschaft übertragen lassen. Doch das muss keineswegs ein Ausschlusskriterium sein - im Gegenteil!

Vielleicht ist es gerade dieser Aspekt – die eigene Arbeit neu zu erfinden und sich auf neue Gegebenheiten einzustellen – der Klopp an diesem Job am meisten reizt. Bei seinem Liverpool-Ende wirkte Klopp ausgelaugt, müde und erschöpft von einem Business, das ihn zwar täglich neu forderte, aber vornehmlich im selben Trott verlief.

Das Gefühl, bereits alles mehrfach erlebt zu haben, war möglicherweise die Triebfeder für seinen Rücktritt in Liverpool. Sich nun selbst noch einmal auf andere Art und Weise beweisen zu müssen, aber auch noch einmal wachsen zu können, ist vielleicht der große Köder aus Sicht des DFB. Zumal Klopp in dieser Rolle auch entscheidende Tragkraft für die Anpassung der Nachwuchsentwicklung und Trainerausbildung im Land einnehmen könnte.

Und was hier vielleicht auch erwähnt werden muss: Hat Klopp den roten Faden einmal installiert, kann er sicherlich auch mit reduzierten Trainingsinhalten Großes vollbringen.

Blickt man auf seine Zeit in Liverpool zurück, dann musste Klopp aufgrund des engmaschigen Spielplans häufig reduziert trainieren. Die Reds tanzten regelmäßig auf vielen Hochzeiten. Auch aus diesen Erfahrungen könnte Bundes-Kloppo profitieren. Dass er ähnlich wechselhaft und instabil in taktischen Grundlagen agiert wie Nagelsmann? Unwahrscheinlich.

Klopp kann Bundestrainer, wenn...

Jürgen Klopp wäre wohl die beste Option für den Posten des Bundestrainers. Er ist ein anerkannter Fachmann mit beeindruckender Vita, genießt große Beliebtheit im Land und ist weltmännisch genug, um den größten Druck von der Mannschaft zu nehmen und selbstbewusst einen Umbruch durchzusetzen. Was Klopp sagt, nimmt man ihm auch ab.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp | Alexander Hassenstein/GettyImages

Dafür wäre es jedoch zwingend notwendig, sich als Trainer selbst neu zu erfinden, die eigene Arbeit auf die Anforderungen einer Nationalmannschaft umzustellen und sich bereits im Vorfeld noch einmal bewusst zu machen, dass man sich nicht jeden kleinen Rückschlag zu sehr zu Herzen nehmen darf. Auch Jürgen Klopp hat eben noch nicht alles erlebt – auf dem Papier würde diese Zusammenarbeit aber durchaus passen.

Trainerkollegen wie Didier Deschamps machen vor, wie man sich mit reduzierter Arbeit auch in dieser Rolle einen Namen machen kann. Doch auch Fußball-Deutschland müsste sich auf einen anderen Klopp einlassen, als den, den man auf Vereinsebene gewohnt war.

Und was für eine Geschichte wäre das bitte, wenn Klopp als deutscher Bundestrainer bei der EM 2028 in seiner Zweitheimat England auftreten könnte? Man stelle sich nur einmal vor, die DFB-Elf würde an der Anfield Road auflaufen. Vielleicht reizt Klopp dieser Gedanke ja ebenso und spielt eine gewichtige Rolle in seiner Entscheidungsfindung.


Weitere News zur Nationalmannschat lesen:

Füg uns bei Google als bevorzugte Quelle hinzu