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Ballon d'Or: 4 Überraschungssieger, die heute kaum jemand noch auf dem Zettel hat

Am 26. Oktober steigt die Ballon d'Or Gala 2026. Das Rennen ist offen wie nie – genau wie bei diesen vier historischen Überraschungssiegern.
VonMoritz Jonas
Am 26. Oktober wird der Ballon d`or bereits zum 70 Mal vergeben
Am 26. Oktober wird der Ballon d`or bereits zum 70 Mal vergeben | FRANCK FIFE/GettyImages

Die kommende Gala zum Ballon d'Or am 26. Oktober 2026 bricht mit eisernen Traditionen. Erstmals zieht die Verleihung von Paris über den Ärmelkanal nach England. Diese Verlegung zum 70. Geburtstag ist eine bewusste Hommage an den allerersten Gewinner des Goldenen Balls im Jahr 1956, Stanley Matthews.

Die Buchmacher sehen Bayern-Stürmer Harry Kane nach einer Fabelsaison mit dem europäischen Goldenen Schuh knapp vorn, dicht gefolgt von Spaniens 19-jährigem Wunderkind Lamine Yamal. Weil kein Spieler das Vorjahr unanfechtbar dominiert hat, wittern Experten die Chance auf ein echtes Wahl-Drama.

Doch so unerwartet ein Sieger 2026 auch sein mag – an die folgenden vier historischen Sensationen wird er kaum heranreichen.

1. Allan Simonsen: Der triumphierende Underdog aus Gladbach

Allan Simonsen krönte sich 1977 als einziger Gladbacher der Geschichte zum besten Spieler der Welt
Allan Simonsen krönte sich 1977 als einziger Gladbacher der Geschichte zum besten Spieler der Welt | Peter Robinson - EMPICS/GettyImages

Im Jahr 1977 spielte sich eine der engsten und überraschendsten Entscheidungen in der Geschichte von France Football ab. Der dänische Angreifer Allan Simonsen holte mit Borussia Mönchengladbach zwar die deutsche Meisterschaft, stand aber im Finale des Europapokals der Landesmeister auf der Verliererseite gegen den FC Liverpool.

Dass Simonsen im Winter den Goldenen Ball überreicht bekam, glich einer Sensation. Seine Heimat Dänemark war damals im Weltfußball ein absoluter Exot und verpasste die Qualifikation für große Turniere komplett. Dennoch gaben seine individuelle Brillanz – er erzielte im Europapokal sieben Tore in neun Spielen – und eine phänomenale Trefferserie im Herbst den Ausschlag.

Mit hauchdünnen 74 zu 71 Punkten verwies er ausgerechnet Liverpools Finalhelden Kevin Keegan auf Platz zwei. Es war der Beweis, dass außergewöhnlicher Offensivgeist in der Bundesliga die europäische Krone erobern konnte, selbst wenn die ganz großen internationalen Trophäen fehlten.


2. Igor Belanow: Die sowjetische Rakete aus dem Nichts

Im Schatten des nicht wählbaren Diego Maradona sprintete Igor Belanow 1986 zum Ballon d'Or
Im Schatten des nicht wählbaren Diego Maradona sprintete Igor Belanow 1986 zum Ballon d'Or | Image Photo Agency/GettyImages

Fragt man jüngere Fußballfans nach den Gewinnern der 1980er-Jahre, fallen Namen wie Platini, van Basten oder Rummenigge. Doch inmitten dieser Epoche der Giganten taucht das Jahr 1986 auf – und mit ihm Igor Belanow. Der Stürmer von Dynamo Kiew stand stellvertretend für den Erfolg einer Mannschaft, die unter Trainerlegende Walerij Lobanowskyj einen für damalige Verhältnisse revolutionären, extrem laufintensiven Systemfußball spielte.

Die eigentliche Wahrheit des Jahres 1986 lautet: Der beste Fußballer des Planeten hieß Diego Maradona, der Argentinien im Alleingang zum WM-Titel führte. Da der Ballon d’Or bis 1995 jedoch ausschließlich an europäische Spieler vergeben werden durfte, rückte der Fokus auf den europäischen Kontinent.

Belanow überzeugte die Journalisten mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger und einem spektakulären Hattrick bei der WM gegen Belgien. Er setzte sich überraschend deutlich gegen Englands WM-Torschützenkönig Gary Lineker durch – ein Sieg des Kollektivs über den prominenten Einzelkönner.


3. Matthias Sammer: Das Ein-Punkt-Drama gegen das "Phänomen"

Matthias Sammer distanzierte 1996 den brasilianischen Überflieger Ronaldo um exakt einen mickrigen Zähler
Matthias Sammer distanzierte 1996 den brasilianischen Überflieger Ronaldo um exakt einen mickrigen Zähler | picture alliance/GettyImages

Es ist das bis heute knappste und am heißesten diskutierte Wahlergebnis der Geschichte: Am Heiligabend 1996 wurde verkündet, dass Matthias Sammer den Ballon d'Or gewonnen hat – mit exakt 144 zu 143 Punkten vor dem damals 20-jährigen brasilianischen Wunderstürmer Ronaldo.

Während Ronaldo beim FC Barcelona mit unnachahmlichen Solo-Läufen die Fußballwelt in Ekstase versetzte, verkörperte Sammer beim BVB und der deutschen Nationalmannschaft das genaue Gegenteil: den defensiven Strategen. Als Prototyp des modernen Liberos organisierte er das Spiel aus der Tiefe heraus.

Den Ausschlag für seinen sensationellen Triumph gab die Europameisterschaft 1996 in England. Sammer führte eine von Verletzungen dezimierte deutsche Elf als emotionaler und taktischer Leader zum Titel und wurde zum Spieler des Turniers gewählt. Da Ronaldo im Sommer nur bei den Olympischen Spielen auflief, werteten die europäischen Journalisten Sammers monumentale Führungsrolle bei der EM höher als das pure Offensiv-Spektakel des Brasilianers.


4. Michael Owen: Der "München-Schock" stürzt die Galaktischen

Michael Owens historische Nacht im Olympiastadion ebnete ihm 2001 den Weg zum Goldenen Ball
Michael Owens historische Nacht im Olympiastadion ebnete ihm 2001 den Weg zum Goldenen Ball | Ben Radford/GettyImages

Wenn ein Spieler den Ballon d'Or gewinnt, ohne in der laufenden Saison auch nur eine einzige Minute in der Champions League gespielt zu haben, grenzt das an ein sportliches Weltwunder. Genau das gelang Michael Owen im Jahr 2001. Der damals 21-jährige "Golden Boy" des FC Liverpool holte mit den Reds das kleine Cup-Triple aus FA Cup, League Cup und UEFA-Cup.

Der absolute Top-Favorit auf den Titel war eigentlich Raúl, der Real Madrid zur spanischen Meisterschaft geballert hatte und Torschützenkönig der Königsklasse geworden war. Auch Bayerns Titan Oliver Kahn hatte nach dem Champions-League-Sieg im Elfmeterkrimi beste Karten. Doch dann folgte der 1. September 2001: Beim legendären 5:1-Erfolg Englands gegen Deutschland im Münchner Olympiastadion erzielte Owen einen historischen Hattrick. Dieser monumentale Medialschock drehte die Stimmung der wählenden Journalisten im Herbst komplett um.

Owen selbst gab Jahre später schmunzelnd zu, dass er beim Anruf seines Trainers überhaupt nicht wusste, was der Ballon d'Or eigentlich ist. Erst viel später verstand er, dass er soeben den spanischen Königshof und den besten Torhüter der Welt düpiert hatte.


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