Für viele ist die Transferphase die spannendste Zeit des Jahres. Jeden Tag gibt es neue Gerüchte und am Ende wechseln Spieler für teilweise irrwitzige Summen – in diesem Sommer beispielsweise Yan Diomande und Elliot Anderson.
Doch was genau sagen diese Transfers über die Klubs und deren Strategie aus? Ist Real Madrid im Jahr 2026 verzweifelt? Wieso verpflichtet Barça eigentlich Karim Adeyemi, wenn man doch Lamine Yamal hat? Und wird der diesjährige Transfersommer rückblickend ein Wendepunkt in der Art darstellen, wie Vereine Transfers tätigen?
- Barça, Bayern und PSG: Champions League als klare Priorität
- Real Madrid: Verzweiflung und ein verlorener Status
- Manchester City: Drei 100-Millionen-Transfers?
- FC Chelsea: Das nächste Level an Absurdität
- ManUtd & der BVB: Erfolgreiche Fokus-Verschiebung
- Fazit: Was bleibt von diesem Sommer?
Barça, Bayern und PSG: Champions League als klare Priorität
Bei diesem Trio ist der Fokus durch die Aktivitäten auf dem Transfermarkt noch einmal deutlicher geworden. Die Champions League ist das Hauptziel dieser Mannschaften, das zeigen die (geplanten) Transfers.
Bayern verpflichtete mit Ismael Saibari und Nathaniel Brown zwei Spieler, die zum einen Stammplatz-Anspruch haben, zum anderen aber auch wichtige Kaderspieler sind und durch ihre Variabilität die Möglichkeiten von Trainer Vincent Kompany vergrößern. Gleichzeitig können so andere Leistungsträger wie Michael Olise oder Luis DIaz öfter geschont werden.

Paris Saint-Germain fährt genau diese Taktik schon seit zwei Jahren. Wie auch Bayern sind die Pariser in ihrer Liga haushoch überlegen und richten deshalb den Fokus auf die Champions League. Dafür zog man mit Maghnes Akliouche einen neuen Flügelspieler an Land, dem mit Ferran Torres und Mika Godts noch zwei weitere Neuzugänge folgen sollen.
Alle drei haben dabei dieselbe Aufgabe: Last von den Schultern der etablierten Kräfte nehmen und für Verschnaufpausen bei Ousmane Dembélé & Co. zu sorgen, ohne aber die Meisterschaft spannend zu machen.
Auch beim FC Barcelona ist man in dieser Transferperiode auf diese Idee gekommen, wenngleich die Katalanen mit Real Madrid einen großen Konkurrenten in der Liga haben. Dennoch sind die Transfers von Anthony Gordon und Karim Adeyemi Beweise, dass sich auch Barça einen "Liga-Kader" baut.
Die beiden Neuverpflichtungen sind in der Offensive variabel einsetzbar und können so Lamine Yamal und Raphinha entlasten, die in der entscheidenden Phase der letzten Saison mit Verletzungen aussetzen mussten.

Real Madrid: Verzweiflung und ein verlorener Status
Real Madrid sorgte in dieser Transferperiode bislang mit für die meisten Schlagzeilen. Die Königlichen gaben schon über 200 Millionen Euro für Neuverpflichtungen aus, den Löwenanteil verschlang dabei Yan Diomande (bis zu 140 Millionen).
An sich haben viele Transfers Hand und Fuß: Denzel Dumfries ersetzt den abgewanderten Dani Carvajal, Marc Cucurella soll endlich die Dauerbaustelle namens Linksverteidigung beheben und Ibrahima Konaté soll zum neuen Abwehrchef werden.
Doch von dem souveränen Auftreten, das Real in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt an den Tag legte, ist der Klub mittlerweile weit entfernt. Das sah man insbesondere beim Diomande-Transfer, der sich über Wochen hinzog, und wo Real zwischenzeitlich sogar von RB Leipzig ignoriert wurde.

Freilich haben die Königlichen am Ende dennoch ihren Willen (und Diomande) bekommen. Doch man wird das Gefühl nicht los, als hätte sich am Status der Königlichen auf dem Transfermarkt etwas verändert, was auch die am Ende gescheiterten Verhandlungen mit Manchester City bezüglich Rodri zeigten.
Manchester City: Drei 100-Millionen-Transfers?
Apropos City: Die Skyblues standen in dieser Transferperiode vor dem größten Umbruch seit zehn Jahren, da Pep Guardiola den Verein verlassen hat. Und Nachfolger Enzo Maresca bekommt dabei vor allem im Mittelfeld alle Wünsche erfüllt, die er möchte.
Elliot Anderson kam für 135 Millionen Euro, Ayyoub Bouaddi soll ebenfalls ins Etihad Stadium kommen und auch mindestens 100 Millionen kosten. Und dann ist da ja noch Enzo Fernandez, für den die Skyblues 120 Millionen bieten.
Macht in Summe also 355 Millionen Euro für drei Spieler und drei 100-Millionen-Transfers in einem Transferfenster (sofern alle Deals klappen). Das gab es vorher noch nie und verdeutlicht, dass die Skyblues mit aller Macht wieder auf den Premier-League-Thron zurück wollen.

FC Chelsea: Das nächste Level an Absurdität
Wo irrwitzige Transfersummen sind, da ist der FC Chelsea nicht weit. Das stellten die Blues auch in diesem Sommer wieder unter Beweis. 138 Millionen Euro bezahlten die Blues für Morgan Rogers – eine wahnsinnige Summe.
Doch Rogers war nicht der einzige Neuzugang: Insgesamt gab Chelsea schon wieder über 400 Millionen Euro für neue Spieler aus, darunter 60 Millionen für Maxence Lacroix und 57 Millionen für Rechtsverteidiger Marco Pallestra.

Das Resultat des erneuten Kaufrauschs ist ein Kader, der an Umwucht kaum zu übertreffen. Stand 17. August stehen sieben Mittelstürmer bei den Blues unter Vertrag, dazu kommen acht (!) Innenverteidiger und sechs zentrale Mittelfeldspieler.
Xabi Alonso kann aktuell also in der Theorie drei verschiedene Mannschaften aufs Feld schicken – es ist eine neue Stufe an Absurdität, die sich in London abspielt, zumal von den 40 Verträgen kein einziger (!) im kommenden Sommer ausläuft.
ManUtd & der BVB: Erfolgreiche Fokus-Verschiebung
Sowohl Manchester United als auch Borussia Dortmund sorgten in den letzten Jahren mit einigen Transfers für Kopfschütteln.
Bei den Red Devils waren es vor allem die überteuerten Ablösesummen für Spieler, die teilweise schon über ihrem Zenit waren, beim BVB war vor allem der Vorwurf der Ideenlosigkeit, der Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl immer wieder begleitete.

Doch in diesem Sommer ist alles anders. United agiert plötzlich besonnen und hat mit Andrey Santos und Youri Tielemans erst zwei Spieler mit Stammspielerpotenzial verpflichtet – und das auch noch zu guten Preisen.
Beim BVB wird unterdessen der Wechsel von Kehl hin zu Ole Book immer deutlicher. Unter ihm fokussieren sich die Schwarz-Gelben endlich wieder auf das, was sie früher stark machte: Talent-Transfers. Joane Gadou und Konstantinos Karetsas sind endlich wieder Deals mit Mut, etwas, das man die letzten Jahre kaum sah.
Das sorgt für Euphorie bei Schwarz-Gelb, die auch vom geplatzten Transfer von Said El Mala nicht gestoppt werden kann.

Fazit: Was bleibt von diesem Sommer?
Unter dem Strich sind die Top-Klubs also ganz unterschiedlich an diesen Transfersommer herangegangen. Die beste Figur von allen machte dabei PSG, das mit seinen Neuverpflichtungen seinen Status als Europas Nummer eins untermauerte und dabei auch noch gut wirtschaftete.
Bei Real und City wiederum wird die Zeit zeigen, ob sich die enormen Investitionen ausgezahlt haben, wohingegen das Fass bei Chelsea (mal wieder) kurz vor dem Überlaufen steht.
Nichtsdestotrotz dürften im kommenden Sommer weitere Teams die Taktik von PSG, Bayern und Barça kopieren – schließlich bestätigt der Erfolg von PSG das Transfermodell. Das wird dazu führen wird, dass in der heißen Saisonphase der Fokus noch mehr auf der Champions League als auf der heimischen Liga liegen wird.
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