Am kommenden Sonntag startet für das DFB-Team mit dem Eröffnungsspiel gegen WM-Neuling Curaçao die Mission fünfter Stern. Anstoß ist um 19 Uhr deutscher Zeit in Houston.
Die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann zählt zwar nicht zu den ganz großen Top-Favoriten des Turniers, gehört aber definitiv zum erweiterten Favoritenkreis. Warum Deutschland trotzdem am 19. Juli den WM-Pokal in den New Yorker Himmel strecken könnte, erklären wir euch hier.
1. Starkes WM-Jahr: Deutschland reist mit Siegesserie zum Turnier
Die DFB-Auswahl verlor zuletzt im September 2025 mit 0:2 gegen die Slowakei. Seitdem scheint die Mannschaft von Julian Nagelsmann jedoch kaum noch aufzuhalten zu sein. Neun Siege aus den vergangenen neun Spielen sprechen eine klare Sprache und haben Deutschland rechtzeitig vor der WM enorm viel Selbstvertrauen gegeben.
Besonders beeindruckend: Dabei gelangen auch Siege gegen ambitionierte WM-Teilnehmer wie die Schweiz und Gastgeber USA. Die DFB-Elf wirkt aktuell deutlich stabiler, gefestigter und eingespielter als noch vor den vergangenen WM-Turnieren.
2. Die Heim-EM gab Deutschland den Glauben zurück
Bei der Heim-EM 2024 kam die DFB-Elf einem großen Titel so nah wie seit dem WM-Triumph 2014 nicht mehr. Deutschland hatte bildlich gesprochen bereits eine Hand am Pokal – wäre da im Viertelfinale gegen Spanien nicht die bis heute kontrovers diskutierte Handspiel-Szene von Marc Cucurella gewesen.
Viele Fans und Experten sind überzeugt, dass der Titel im eigenen Land danach absolut möglich gewesen wäre. Trotzdem war das Turnier für die Nationalmannschaft enorm wichtig. Die DFB-Elf gewann nicht nur das Vertrauen der Fans zurück, sondern auch den Glauben daran, gemeinsam wieder Großes erreichen zu können. Genau dieses Gefühl soll nun zwei Jahre später bei der WM 2026 vollendet werden.
Klar, zwischen '24 und '26 ging dieser Glaube bei den Anhängern wieder deutlich verloren. Mit einem starken Turnierstart wäre der womöglich aber schnell wieder entfacht.
3. Die Balance im DFB-Kader stimmt
Das DFB-Team reist mit einer gesunden Mischung aus Talent, Erfahrung und Siegermentalität zur WM 2026. Neben jungen Unterschiedsspielern wie Florian Wirtz und Jamal Musiala bringt die deutsche Mannschaft reichlich internationale Erfahrung mit in die USA.
Vor allem Joshua Kimmich und Manuel Neuer haben bereits zahlreiche große Turniere bestritten und wissen genau, worauf es in Drucksituationen ankommt. Besonders Neuer kennt wie kein anderer Spieler im Kader den Weg zum WM-Titel. Der Bayern-Keeper war 2014 einer der entscheidenden Faktoren beim Triumph in Brasilien und soll nun auch der neuen Generation Stabilität und Ruhe geben. Gleichzeitig sorgen die jungen Stars für Kreativität, Dynamik und Unbekümmertheit.
Genau diese Mischung aus erfahrenen Führungsspielern und hungrigen Top-Talenten könnte für Deutschland bei dieser WM zum entscheidenden Faktor werden. Auch Routinier Leon Goretzka weiß: Wächst die Stärke der deutschen Mannschaft während der WM, sei laut Goretzka alles drin: "Wenn wir es schaffen, dass wir auch innerhalb des Turniers als Mannschaft wachsen, dann sind uns keine Grenzen gesetzt."
4. Warum Standort und Turnierverlauf Deutschland entgegenkommen
Natürlich ist die aktuelle DFB-Elf nicht mehr mit der Weltmeister-Mannschaft von 2014 zu vergleichen. Dennoch gibt es einige interessante Parallelen. Deutschland wurde damals als erstes europäisches Team überhaupt Weltmeister auf südamerikanischem Boden und bewies, wie schnell sich die Mannschaft an ungewohnte Bedingungen und hohe Temperaturen anpassen kann.
Auch bei der WM 2026 geht es wieder auf den amerikanischen Kontinent – erneut unter klimatisch anspruchsvollen Bedingungen. Gelingt es der heutigen Mannschaft ähnlich schnell, in den Turniermodus zu finden, könnte vieles möglich sein.
Zwar gilt der potenzielle Turnierbaum mit möglichen Duellen gegen Frankreich oder Brasilien bereits im Achtelfinale als extrem schwer, doch genau darin könnte auch eine Chance liegen. Sollte Deutschland einen solchen Topfavoriten früh aus dem Wettbewerb werfen, würde das der Mannschaft einen enormen Schub geben.
Danach wäre der DFB-Elf wohl gegen keinen Gegner mehr bange – egal ob England, Niederlande, Spanien oder Argentinien. Genau solche Siege können bei einer WM das Selbstverständnis einer Mannschaft komplett verändern.
5. Deutschlands größte Chance: Die Konkurrenz schwächelt
Alle großen Topfavoriten reisen mit einem klaren Manko zur WM 2026 – und genau darin könnte Deutschlands große Chance liegen. Brasilien muss mit Eder Militão und Wesley gleich auf zwei wichtige Stützen in der Defensive verzichten.
England-Trainer Thomas Tuchel sorgte zudem für Diskussionen, weil Unterschiedsspieler wie Phil Foden und Cole Palmer nicht im WM-Kader stehen und das Turnier nur von zuhause verfolgen. Portugal wiederum hofft weiterhin darauf, dass ein inzwischen 41-jähriger Cristiano Ronaldo die Mannschaft zum ersten Titel der WM-Geschichte tragen kann. Den Niederlanden fehlt mit Xavi Simons ausgerechnet ihr kreativster und gefährlichster Offensivspieler verletzt.
Auch Titelverteidiger Argentinien steht vor besonderen Herausforderungen. Seit Brasilien 1962 konnte keine Nation ihren WM-Titel erfolgreich verteidigen. Zudem ist der Kader im Vergleich zu 2022 deutlich älter geworden. Zwar reist die Albiceleste erneut angeführt von Lionel Messi in die USA, doch mit Angel Di Maria fehlt einer der absoluten Unterschiedsspieler des damaligen Finals.
Spanien gilt spielerisch als eines der stärksten Teams des Turniers, doch der jungen Mannschaft fehlt teilweise noch die Erfahrung auf der ganz großen WM-Bühne. Dazu kommt, dass das überragende Flügel-Duo aus Nico Williams und Lamine Yamal zuletzt angeschlagen war. Vor allem Williams kämpfte in der vergangenen Saison zudem immer wieder mit Formschwankungen. Einen waschechten Mittelstürmer von Top-Klasse sucht man bei La Roja ebenfalls vergeblich.
Und Frankreich? Rein individuell besitzen die Franzosen wohl den stärksten Kader der Welt. Genau darin könnte aber auch ihre größte Schwäche liegen. Die entscheidende Frage lautet, ob Didier Deschamps aus all den Superstars um Mbappé, Dembélé und Olise wirklich ein funktionierendes Team formen kann. Dembélé soll Kumpel Mbappé bereits ermahnt haben, mehr für die Defensive zu arbeiten. Wie man die Franzosen schlägt, zeigte jüngst Deutschlands Gruppengegner Elfenbeinküste, das sich im Test gegen Les Bleus 2:1 durchsetzte.
Gerade bei Weltmeisterschaften hat sich oft gezeigt, dass mannschaftliche Geschlossenheit am Ende wichtiger sein kann als pure individuelle Klasse und genau darin könnte Deutschlands größte Stärke liegen.
