Das zweite WM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste war an Spannung kaum zu überbieten. Die Westafrikaner boten der DFB-Elf lange tapfer Paroli und gingen durch Star-Spieler Franck Kessié sogar in Führung. Letztlich drehte die Mannschaft von Julian Nagelsmann das Spiel dank eines Doppelpacks von Deniz Undav (68. und 90.+4) und buchte als Gruppensieger vorzeitig das Ticket für das Sechzehntelfinale.
Doch statt reiner Freude über den sportlichen Erfolg dominierte bei der Pressekonferenz nach dem Spiel plötzlich ein ganz anderes Thema: Fairplay. Ivorer-Nationaltrainer Emerse Faé erhob gegenüber Sky Sport nach der knappen 1:2-Niederlage überraschend deutliche Vorwürfe in Richtung der DFB-Elf. Im Fokus der ivorischen Verärgerung stand eine ungeschriebene Regel des Fußballs und das Verhalten des deutschen Linksverteidigers Nathaniel Brown.
Eine Fairplay-Geste, die ausblieb
Der Auslöser für Faés Unmut war eine Szene in der Schlussphase. Rund zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit hatte sich der ivorische Verteidiger Wilfried Singo ohne gegnerische Einwirkung verletzt. Um eine Behandlung zu ermöglichen, wurde der Ball vom DFB-Gegner folglich bewusst ins Seitenaus gespielt.
Eigentlich ist es in solchen Situationen der viel zitierte "Fairplay-Kodex", dass die gegnerische Mannschaft – in diesem Fall Deutschland – den Ball nach dem folgenden Einwurf wieder an den Gegner zurückspielt. Doch Nathaniel Brown, der aktuell auch abseits des Platzes wegen eines bevorstehenden Mega-Transfers zum FC Bayern im Fokus steht, dachte offenbar nicht an diese ungeschriebene Regel. Statt die Kugel zurückzugeben, wollte der Frankfurter mit seinem Einwurf direkt den nächsten deutschen Angriff einleiten, um den Sieg zu erzwingen.
Faé ist enttäuscht von einer "großen Fußball-Nation"
Für Emerse Faé, der als Trainer der Elfenbeinküste 2024 sensationell den Afrika-Cup gewann, war dieses Verhalten ein absolutes Unding. Der 42-Jährige suchte nach dem Abpfiff offensichtlich das direkte Gespräch. "Ich habe ihm gesagt, er solle bescheiden bleiben", erklärte Faé gegenüber Reportern zu seinem Wortwechsel mit Brown.
Auf der Pressekonferenz legte der ehemalige Ligue-1-Profi noch einmal nach und brachte seine persönliche Enttäuschung über die deutsche Mannschaft zum Ausdruck: "Wir hätten uns gewünscht, dass sie uns den Ball zurückgeben, als Singo sich verletzt hat. Sie sind eine große Fußball-Nation, und wir nehmen uns ein Beispiel an ihnen, daher war ich von ihrem mangelnden Fairplay enttäuscht."
Für die Ivorer war die Niederlage zwar extrem bitter, doch der Traum von der K.o.-Runde lebt weiter. Mit einem Sieg im abschließenden Gruppenspiel gegen den Tabellenletzten Curaçao hat das Team von Emerse Faé das Weiterkommen weiterhin fest in der eigenen Hand.
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