Aktuell begleitet Per Mertesacker das sportliche Geschehen bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika noch gewohnt analytisch an der Seite von Christoph Kramer als TV-Experte für das ZDF. Doch geht es nach dem 41-Jährigen, könnte er schon bald wieder eine deutlich aktivere Rolle im deutschen Fußball einnehmen.
Angesprochen auf eine mögliche Aufgabe beim DFB machte der 104-malige Nationalspieler am Rande der Berichterstattung eine unmissverständliche Ansage. Er habe dem deutschen Fußball viel zu verdanken und wolle gerne etwas zurückgeben. Wenn dies von Verbandsseite gewünscht sei, "stehe [er] dafür natürlich zur Verfügung", so Mertesacker.
Die Arsenal-Erfahrung als Faustpfand für den Nachwuchs
Die nötige Expertise für einen zentralen Posten, insbesondere im Bereich der dringend reformbedürftigen Nachwuchsförderung, bringt der einstige Innenverteidiger zweifellos mit. Nach dem Ende seiner aktiven Profikarriere, die ihn von seinem Heimatverein Hannover 96 über Werder Bremen auf die Insel führte, leitete der Publikumsliebling in den vergangenen acht Jahren höchst erfolgreich die Nachwuchsakademie des englischen Spitzenklubs FC Arsenal.
Diesen Posten gab er jedoch nach insgesamt 15 Jahren bei den Gunners in diesem Sommer planmäßig auf, um sich einer neuen Herausforderung zu widmen. Eile ist für den Weltmeister jedoch nicht geboten. Wie Mertesacker betonte, wolle er nach Abschluss seiner aktuellen Experten-Tätigkeit beim Turnier zunächst in den Urlaub gehen, um die intensive und lange Zeit in London in Ruhe zu reflektieren.
Führungsvakuum beim DFB: Der Weg ist frei für neue Gesichter
Dass der DFB händeringend nach sportlicher Kompetenz sucht, steht nach dem frühen Aus bei der Endrunde 2026 außer Frage. Der Verband befindet sich in einer historischen Umbruchphase. Das schnelle Ende der Ära von Bundestrainer Julian Nagelsmann war laut Mertesacker absolut richtig und alternativlos, um den Weg für den klaren Wunschkandidaten Jürgen Klopp freizumachen. Mertesacker ist überzeugt, dass der DFB genau wisse, dass es nur über Klopp gehen könne und dieser eine neue Euphorie entfachen werde.
Doch auch abseits der Trainerbank klaffen in der Führungsetage bald Lücken: Sportgeschäftsführer Andreas Rettig hat angekündigt, sein Amt zum Jahresende aus persönlichen Gründen niederzulegen. Zudem ist die Zukunft von Rudi Völler als Sportdirektor derzeit noch völlig offen. Es entsteht ein Machtvakuum, das Mertesacker künftig füllen könnte, zumal sich andere Weltmeister wie Philipp Lahm derzeit nicht in einer solchen Rolle beim DFB sehen.
Die Sehnsucht nach den alten Tugenden
Gerade im Nachwuchsbereich mehren sich die Stimmen, die eine radikale Neuausrichtung fordern. Lothar Matthäus und Bastian Schweinsteiger kritisierten zuletzt scharf, dass der deutsche Fußball seine eigenen Stärken vernachlässigt habe. Schweinsteiger forderte vehement die Rückkehr zu alten Tugenden, für die man im Ausland stets respektiert wurde: Robustheit, Identität und Kampfbereitschaft.
Mit seiner jahrelangen Erfahrung aus der physisch anspruchsvollen englischen Premier League und seiner ausgewiesenen Expertise in der Talententwicklung scheint Mertesacker das ideale Profil zu besitzen, um genau diese Attribute wieder in der DFB-Ausbildung zu verankern.
Und wer weiß: Vielleicht findet der Kult-Kicker, der 2014 mit seinem legendären Eistonnen-Interview in die TV-Geschichte einging, nach seiner wohlverdienten Auszeit bald den passenden kühlen Kopf, um den Verband im Nachwuchsbereich wieder auf Weltklasse-Kurs zu bringen.
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