Deutschland hat über 80 Millionen Bundestrainer und Bundestrainerinnen. Das war schon vor Julian Nagelsmann so. Und wird auch nach ihm so blieben. Am ehemaligen Bayern-Coach scheiden sich derzeit aber die Geister ganz besonders. Auch in der 90min-Redaktion.
Während das DFB-Team die letzten beiden WM-Härtetest vor der Kadernominierung Ende Mai absolviert, blicken wir auf unsere Wunsch-Aufstellung fürs Turnier.
So würde die 90min-Redaktion bei der WM 2026 aufstellen
Simon Zimmermann
4-2-2-2: Baumann - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum - Pavlovic, Nmecha - Musiala, Wirtz - Undav, Havertz

Kein großer taktischer Schnickschnack und die derzeit beste Elf auf dem Platz – und das DFB-Team könnte tatsächlich etwas reißen im Sommer. Statt Havertz könnte auch Woltemade beginnen (sollte er bis zur WM seine Form und seinen Stammplatz wiedererlangen). Bei Musiala gilt: Hoffen, dass er rechtzeitig zum Turnier wieder in guter Verfassung ist.
Das große Aber bei meiner Wunsch-Aufstellung: Mit dem Bundestrainer dürfte das kaum zu machen sein. Julian Nagelsmann will immer irgendwie etwas Besonderes ausprobieren, statt auf das Bewährte zu setzen. Für die DFB-Elf ist das ziemlich sicher kontraproduktiv. Deshalb glaube ich auch nicht an den großen Erfolg beim Turnier.
Jan Kupitz
4-2-3-1: Baumann - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Brown - Pavlovic, Nmecha - Karl, Wirtz, Musiala - Havertz

Kimmich, Tah und Schlotterbeck sollten in der Abwehr gesetzt sein, ebenso Pavlovic und Wirtz im Mittelfeld. Hinten links bin ich ein riesiger Fan von Brown, der natürlich nicht die Erfahrung eines Raum hat, in der Champions League aber schon zeigen konnte, dass er auch gegen die Großen bestehen kann.
Vorne muss man hoffen, dass Musiala und Havertz nach ihrem riesigen Verletzungspech rechtzeitig in Form kommen - dann gibt es an ihnen natürlich kein Vorbeikommen. Und daneben meine zweite Überraschung: Karl! Ja, schmeißt den Jungen von Anfang an ran. Unbekümmertheit, Spielfreude, stark im Eins-gegen-eins - genau das brauchst du bei der WM. Insbesondere, wenn du in der Gruppenphase als Favorit ins jeweilige Spiel gehst.
Fabian Küpper
4-2-3-1: Baumann - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum - Pavlovic, Nmecha - Karl, Musiala, Wirtz - Undav

Am Keeper und der Defensive gibt es für mich wenig bis nichts zu rütteln, dafür spielen meine fünf Kandidaten eine zu gute Saison. Insbesondere Raum gefällt mir in dieser Spielzeit richtig gut, da er auch von seiner Mentalität her ein enorm wichtiger Faktor sein kann. Auch auf der Doppelsechs gibt es angesichts von Stillers schwierigem Standing unter Nagelsmann keine Diskussion: Pavlovic und Nmecha müssen von Anfang an spielen, beide ergänzen sich perfekt und sind in Top-Form.
Offensiv gehe ich wie Jan mit Lennart Karl auf Rechts neben Musiala im Zentrum und Wirtz auf Links: Der Junge ist unbekümmert und sprüht regelmäßig vor Spielwitz und -freude – genau das brauchen wir. Ganz vorne kann es für mich nur Undav sein. Der 29-Jährige ist der beste Scorer in diesem Kalenderjahr und knipst in nahezu jedem Spiel. Das gibt für mich den Ausschlag für ihn und gegen Havertz, der gerade erst von einer Verletzung zurückgekommen ist.
Franz Krafczyk
4-2-3-1: Baumann - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum - Pavlovic, Nmecha - Musiala, Havertz, Wirtz - Undav

Über die Defensive müssen wir aus meiner Sicht nicht diskutieren. Ich bin mir sicher: Sofern alle fit sind, wird es bei der WM genau diese Konstellation geben. Was die Doppelsechs betrifft, stimme ich meinen Kollegen zu. Hier sollte für Leon Goretzka im Jahr 2026 kein Platz mehr sein. Es wäre der perfekte Zeitpunkt, um auf das neue, erfrischende Duo Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha zu setzen. Dass ausgerechnet diese beiden Spieler die Länderspiele im März verpassen werden, macht diesen Wunsch leider unrealistischer.
In der Offensive gibt es mehrere gute Optionen. Nur bei Florian Wirtz bin ich mir schon jetzt sicher, dass er als Stammspieler zur WM fahren wird. Bei Jamal Musiala könnte es aufgrund seiner Fitness eng werden. Hier sollte sich Nagelsmann definitiv einen Plan B überlegen, der unter Umständen Lennart Karl heißen könnte. Ähnliches wie für Musiala gilt auch für Kai Havertz: Wenn er verletzungsfrei bleibt, ist er für mich noch vor Nick Woltemade der Favorit für die Zehnerposition/hängende Spitze. Im Sturm sollte auf den formstarken Deniz Undav gesetzt werden, der im Vergleich zu anderen Stürmern wie Niclas Füllkrug aus meiner Sicht klar die Nase vorn hat.
Oliver Helbig
4-2-3-1: Baumann - Baku, Tah, Schlotterbeck, Raum - Kimmich, Pavlovic - Karl, Musiala, Wirtz - Undav

In der Gruppenphase ist die DFB-Auswahl der klare Favorit – da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden. Da Nagelsmann seine Startelf oft am Gegner ausrichtet und beispielsweise gegen vermeintlich schwächere Teams mit mehr offensiv denkenden Kickern agieren lässt, nehme ich für die Gruppenphase eine mutige Startelf-Variante, bei der vor allem unsere spielfreudigsten Spieler zur Geltung kommen sollen. Da hier mit vermehrt aufkommenden Strafraumszenen zu rechnen ist, fällt meine Wahl im Sturm auf Deniz Undav, der in der aktuellen Form unser stärkster Strafraumstürmer ist. Gerade hier braucht es dann einen Spieler mit Näschen, der auf zweite Bälle nach Aktionen der abschlussfreudigen Reihe dahinter profitieren kann.
Ab der K.o.-Runde werden die Karten neu gemischt und die DFB-Taktik wird vermutlich aus einer eher defensiv geprägten und kontrollierteren Herangehensweise bestimmt. Wenn das deutsche Team im Turnierverlauf gegen die großen Favoriten mehr auf Umschaltmomente angewiesen ist, bietet sich aus meiner Sicht vor allem im Sturm ein Wechsel hin zu Kai Havertz oder Said El Mala an. Nagelsmann dürfte seiner Elf, die dann nicht mehr klar in der Favoritenrolle steckt, vermutlich auf einen leichten Überschuss an eher defensiv denkenden Spielern verpassen und ein oder zwei Aktivposten gegen Stabilisatoren tauschen.
