Wirtz-Blamage neu aufgelegt? Warum Bayern bei El Mala aufpassen muss
Von Leonard Schmidt

Beim FC Bayern ist man große Namen und große Pläne gewohnt. Doch gerade deshalb sollte der Blick auf den aktuellen Hype um Said El Mala besonders nüchtern ausfallen. Der 19-Jährige vom 1. FC Köln steht sinnbildlich für ein Transfermuster, das den Münchnern zuletzt bereits auf die Füße gefallen ist. Der Vergleich zu Florian Wirtz und auch Nick Woltemade drängt sich dabei fast zwangsläufig auf.
Wenn Öffentlichkeit zum Risiko wird
Der Wirtz Poker war über Monate hinweg ein öffentliches Schauspiel. Brisante Aussagen aus der Führungsetage der Bayern, immer neue Wasserstandsmeldungen und angedachte Ablösesummen, die mit jedem Gerücht weiter nach oben kletterten. Am Ende stand ein ernüchterndes Ergebnis. Trotz klarer Favoritenrolle landete der Nationalspieler nicht in München, sondern in Liverpool.
Für die Bayern war das eine bittere Niederlage. Der Rekordmeister schaffte es bei gleich zwei Transfers nicht, ein deutsches Top-Talent aus der Bundesliga zu verpflichten. Stattdessen entschieden sich sowohl Wirtz als auch Woltemade für den Ruf und das Geld der Premier League.
Genau hier liegt die Gefahr beim Thema El Mala. Auch diesmal kursieren früh hohe Ablösen, auch diesmal sind internationale Schwergewichte längst im Rennen: Paris Saint-Germain, Manchester City, der FC Barcelona und Real Madrid. Der Markt ist offen, der Spieler begehrt und der Preis steigt mit jeder neuen Schlagzeile.
El Mala passt perfekt ins Profil
Sportlich ist das Interesse der Bayern mehr als sinnvoll. Die Münchener suchen schon länger einen jungen Flügelspieler mit Bundesliga-Erfahrung, Entwicklungspotenzial und klarer Perspektive, ähnlich wie Lennart Karl. El Mala erfüllt dieses Profil nahezu perfekt. Tempo, eins-gegen-eins-Stärke, Abschluss und Mut gehören zu seinem Paket. Zudem könnten die Bayern ihren ohnehin beängstigenden Kader gezielt auf die Zukunft ausrichten. Eine Offensive mit Lennart Karl, Jamal Musiala, Michael Olise und Saïd El Mala hätte das Potenzial, in wenigen Jahren zu den besten Europas zu zählen.
Doch erneut sehen sich die Bayern mit einem schwierigen Verhandlungspartner konfrontiert. Köln agiert klar aus einer Position der Stärke. Der Spieler ist langfristig gebunden, international gefragt und sportlich enorm wertvoll. Eine Ablöse im Bereich von 50 bis 60 Millionen Euro erscheint daher schon jetzt realistisch. Hinzu kommt, dass die Bundesligasaison erst 14 Spieltage alt ist. Das Kölner Talent hat also noch ausreichend Zeit, seinen Marktwert weiter nach oben zu treiben.
Bayern darf seine Fehler nicht wiederholen
Der entscheidende Punkt liegt weniger beim Spieler als beim Umgang mit der Situation. Der FC Bayern ist nicht mehr automatisch die Endstation für deutsche Top-Talente. Das haben die vergangenen Jahre deutlich gezeigt.
Umso wichtiger wäre es, dieses Mal leiser zu agieren. Intern bewerten, die Entwicklung abwarten und keine Erwartungen schüren, die am Ende womöglich nicht erfüllt werden können. Ein Uli Hoeneß vor dem Mikrofon, der einen El Mala Transfer schon im Frühjahr als realistisch einstuft, sollte vermieden werden.
Geduld statt Getöse
El Mala bleibt ein hochinteressanter Spieler. Aber der Weg dorthin muss ein anderer sein als beim Wirtz Transfer. Ruhiger, strategischer und ohne öffentliche Versprechen. Die Bayern haben weiterhin Argumente, sportlich wie strukturell. Sie haben nur nicht mehr das alleinige Transferrecht.
Ob Said El Mala am Ende nach München wechselt, ist offen. Sicher ist nur eines: Der FC Bayern sollte aus der Vergangenheit gelernt haben. Denn eine weitere Transfer-Blamage könnte sich die Vereinsführung leisten.
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