Für Borussia Dortmund bietet sich am Samstagabend die erste große Chance der noch jungen Saison, direkt ein echtes sportliches Ausrufezeichen zu setzen. Im heimischen Signal Iduna Park empfängt der amtierende Vizemeister den Rekordmeister FC Bayern München zum Duell um den Franz-Beckenbauer-Supercup.
Für Lars Ricken, der im Mai die strategische und sportliche Führung der Schwarz-Gelben übernommen hat, ist die Marschroute vor dem Kräftemessen mit dem Dauerrivalen klar definiert. In einem ausführlichen Interview mit RTL/ntv und Sky Sport machte der 50-Jährige deutlich, dass man den Wettbewerb keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen werde.
Es gehe schlichtweg um einen Titel vor den eigenen Fans im eigenen Stadion. Ricken formulierte dabei einen unmissverständlichen Ansporn für seine Spieler: "Ehrlicherweise will ich das nicht - ich glaube, das will kein BVB-Fan - die Bayern mit einem Titel in unserem Stadion feiern sehen."
Der Supercup sei angesichts der Qualität der Münchner zwar mit Sicherheit nicht der einfachste, aber definitiv der schnellste Weg zu einem Titel.
Eine Initialzündung für die gesamte Saison
Ein Erfolg gegen den Rekordmeister, der sich im Sommer auf dem Transfermarkt noch einmal enorm verstärkt hat, soll für den BVB laut Ricken als Initialzündung für die anstehende Bundesliga-Spielzeit dienen. Die Mannschaft müsse den Fans von der ersten Minute an zeigen, wie groß die eigenen Ambitionen in diesem Jahr tatsächlich sind.
Generell wünscht sich der Geschäftsführer für die kommenden Monate eine klare Entwicklung auf dem Rasen. Die Mannschaft müsse mutiger, unbequemer und für jeden Gegner noch herausfordernder werden. Wenn diese Tugenden erkennbar seien, würden die treuen BVB-Anhänger dem Team laut Ricken auch den einen oder anderen Rückschlag verzeihen.
"Ich halte nichts vom Rumjammern. "Lars Ricken
Den gewaltigen finanziellen Rückstand auf den FC Bayern oder die solvente englische Premier League will Ricken dabei keinesfalls als Ausrede gelten lassen. "Ich halte nichts vom Rumjammern", betonte der einstige Siegtorschütze des Champions-League-Finals 1997 und verwies stattdessen auf die außergewöhnliche Stellung der Borussia, die man sich trotz eines vergleichsweise geringeren Etats erarbeitet habe.
Klare Kante im Poker um El Mala
Ein Teil dieses wirtschaftlichen Spagats zeigte sich zuletzt auch bei der Kaderplanung für die neue Saison. Lange Zeit galt das Kölner Offensiv-Juwel Said El Mala als absoluter Wunschspieler der Dortmunder. Doch der Millionen-Transfer platzte letztlich an den hohen Forderungen des 1. FC Köln.
Ricken bestätigte gegenüber den TV-Sendern, dass man den 19-Jährigen sehr gerne verpflichtet hätte, verwies aber auf die klaren finanziellen Grenzen des Vereins. Man sei sich in der sportlichen Führung absolut einig gewesen, bei der Ablöse nur bis zu einem vorher definierten Punkt mitzugehen. "Das haben wir dann auch mit aller Konsequenz durchgezogen und, glaube ich, ein Stück weit Stärke gezeigt", erklärte Ricken und betonte, dass das Thema nun endgültig abgehakt sei.
Genesungswünsche für Musiala und Lob für Klopp

Neben den eigenen sportlichen Themen zeigte sich der BVB-Boss auch bei vereinsübergreifenden Personalien sehr empathisch. Angesprochen auf die kürzlichen gesundheitlichen Probleme von Bayern-Star Jamal Musiala trat die sportliche Rivalität sofort in den Hintergrund. "Bei aller Rivalität zwischen Dortmund und Bayern geht es hier nicht um den Spieler Musiala, sondern um den Menschen", so Ricken, der auf eine baldige Rückkehr des Offensivspielers hofft.
Voll des Lobes war Ricken zudem für den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp. Die Aufbruchstimmung, die der ehemalige BVB-Erfolgscoach beim DFB entfacht habe, sei schlichtweg bemerkenswert. Mit seiner natürlichen Autorität und seinen Emotionen tue er dem deutschen Fußball extrem gut. Gleichzeitig nahm Ricken aber auch die Bundesligisten in die Pflicht, die Nationalspieler künftig in bestmöglicher Verfassung zum DFB zu schicken, um Klopp die Arbeit in den kurzen Länderspielfenstern zu erleichtern.
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