Werder-Rucksack abgelegt? Thioune, Fritz & Co. über den Befreiungsschlag in Berlin

Der SVW gewinnt 25/26 erstmals zwei Bundesliga-Spiele in Folge - ein Meilenstein im Abstiegskampf. Die Stimmen zum 4:1-Sieg gegen Union Berlin.
Jens Stage und Co. konnten auch in Berlin-Köpenick jubeln
Jens Stage und Co. konnten auch in Berlin-Köpenick jubeln | picture alliance/GettyImages

Werder Bremen gewinnt zum ersten Mal in dieser Saison zwei Bundesliga-Spiele in Folge. Der 4:1-Auswärtssieg an der Alten Försterei nach 0:1-Rückstand gegen Union Berlin war ein fetter Befreiungsschlag für Grünweiß. Auch wenn Trainer Daniel Thioune nach dem Auswärtssieg bremste:

"Wenn das kein Selbstvertrauen geben kann und geben darf, wenn man in Berlin gewinnt, dann sind alle fehl am Platz. Aber ich mag es, wenn alle noch ein Stück weit demütig sind, denn wir haben ja nichts erreicht", erklärte der Werder-Coach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.


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Den zweiten Sieg in Folge wollte Thioune zwar "nicht überhöhen". Bei DAZN betonte er aber auch: "Wir mussten als Mannschaft viel aushalten. Die Fans mussten eine Menge aushalten." Die Leistung am Sonntagabend sollte "eine Menge Selbstvertrauen geben". Nach 13 Spielen ohne Sieg – darunter drei Pleiten zur Auftakt von Thiounes Amtszeit – zeigen die sechs Punkten für den SVW-Trainer, "dass die letzten Wochen vielleicht gar nicht so verkehrt waren".

Besonders bemerkenswert fand Thioune, wie sich seine Mannschaft nach dem 0:1-Rückstand zurückgekämpft hatte: "Der Rucksack war nach 0:1 und Roter Karte dann doch ein bisschen voller, als vielleicht der ein oder andere erahnen könnte. Wenn man 0:1 in Rückstand gerät und unsere Historie kennt, dann war das heute schon eine Top-Leistung meiner Mannschaft und ein sehr reifer Vortrag."

Mit dem so wichtigen zweiten Sieg in Folge hat Werder im Abstiegskampf ein deutliches Signal an die Konkurrenz gesendet – und ganz nebenbei die Eisernen wieder mit in den Keller gezogen. Abzulesen ist das auch in der Tabelle. Die Bremen springen ans rettende Ufer und auf Platz 13. Fünf Punkte hat der SVW jetzt Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz (Wolfsburg), die Lücke zum Relegationsplatz (St. Pauli) bleibt mit einem Zähler aber marginal.

Thioune erklärt Systemumstellung in der 2. Halbzeit

Eine Erkenntnis zum Spiel in Berlin könnte aus Werder-Sicht derweil heißen, dass die viel diskutierte Systemfrage am Ende vielleicht gar nicht so entscheidend ist. Werder hatte gegen die Eisernen wie schon in der Vorwoche beim Heimsieg gegen Heidenheim mit einer 4-3-3-Formation begonnen, mit der man in Überzahlt auch mit einer 2:1-Führung in die Pause ging. Dennoch stellte Thioune nach dem Seitenwechsel um.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit sehr reif Fußball gespielt. Die Umstellung auf 3-4-3 hat uns gutgetan - und dass wir das Zentrum überladen haben", erklärte der SVW-Coach.

Auch wenn es mit einem Mann mehr war: Die Umstellung zeigte, dass Werder unabhängig vom System erfolgreich sein kann. Wenn die Mannschaft Einsatzwillen und ihr Potenzial auf den Platz bringt. Ganz besonders sichtbar wurde das an Mittelfeld-Star Jens Stage, der endlich wieder seine ganze Klasse zeigen konnte.

Die weiteren Stimmen zum Spiel

SVW-Sportchef Clemens Fritz : "Sehr reif, da die Ruhe zu behalten. Wir haben das Tempo bestimmt, wir waren ein Mann mehr und haben uns Räume erarbeitet, erspielt und waren vor allem auch ruhig: Wir haben immer wieder den Ball laufen lassen. Auch der Wechsel, den Daniel in der Halbzeit vorgenommen hat: Das Zentrum zu überlagern, Leo zu bringen mit seiner fußballerischen Qualität. Man hat auch gesehen, im Zentrum waren die Räume heute und das haben wir echt gut und sehr ruhig heruntergespielt."

Jens Stage: "Das waren drei ganz wichtige Punkte in einem schwierigen Stadion. Ich bin sehr zufrieden. Es war eine gute Leistung von uns."

Olivier Deman: "So muss es jetzt weitergehen. Wir haben die richtige Mischung aus vorhandener Qualität in der Mannschaft und dem nötigen Spirit auf dem Platz wiedergefunden."

Über sein Traumtor: "Es war einfach Instinkt. Ich habe früher in der Jugend als Rechtsaußen gespielt. Da bin ich öfter in solche Situationen gekommen. Einfach keine Gedanken machen und schießen. Als ich den Ball getroffen hatte, wusste ich schon, dass er gefährlich wird."

Marc Grüll: "Es startet nicht gut für uns. Wir hatten die Kontrolle, bekommen dann aber einen Elfmeter gegen uns und liegen plötzlich 0:1 hinten. Sowas ist nie einfach. Danach spielt uns der Platzverweis gegen Union in die Karten, aber wir haben es in der Saison schon öfter gehabt, dass wir aus solchen Situationen nichts machen konnten. Heute haben wir es abgeklärt gespielt und bis zum Schluss unsere Chancen genutzt. Wir haben verdient gewonnen. Das Selbstvertrauen ist wieder da. Wenn man Spiele gewinnt, wächst der Glauben an weitere Siege."

Patrice Covic (nach seinem ersten Bundesliga-Treffer): "Wir haben einfach dieses eine Spiel gebraucht, in dem das Glück auch mal wieder auf unserer Seite ist. Wenn du so lange nicht gewinnst, ist das Selbstvertrauen irgendwann nicht mehr so vorhanden. Heute war zu merken, wie gut uns der Sieg gegen Heidenheim getan hat. Jetzt wollen wir auch gegen Mainz drei Punkte holen.“

Union-Coach Steffen Baumgart: "Nach einer Niederlage geht einem viel Negatives durch den Kopf. Du gehst mit einem Elfmeter in Führung, dann kriegst du gefühlt zwei Minuten später eine Rote Karte, dann läuft so ein Spiel mit einem Mal in eine andere Richtung. Aus einer Situation, die aus dem Nichts kommt, gibt es eine komplette Veränderung des Spiels."

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