Das Horror-Szenario vom Niederrhein ist perfekt. Borussia Mönchengladbach taumelt bereits am zweiten Bundesliga-Spieltag in eine handfeste Krise. Das Team von Cheftrainer Eugen Polanski vergeigte gegen den Liganeuling SV Elversberg trotz einer komfortablen 3:1-Führung die sicher geglaubten drei Punkte und stand nach einem unfassbaren defensiven Einbruch am Ende mit einer 3:4-Niederlage da.
Nach der Auftaktpleite bei RB Leipzig (0:3) stehen die Fohlen nun mit null Punkten und sieben Gegentoren im Tabellenkeller. Dass die Nerven blank liegen, stellte Kapitän Tim Kleindienst nach dem Schlusspfiff am ZDF-Mikrofon eindrucksvoll unter Beweis. Der 31-Jährige knöpfte sich vor allem die jungen Akteure schonungslos vor.
Kleindienst wütet: "Die größte Gülle!"
"Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält", wetterte der Nationalspieler sichtlich angefressen und teilte ordentlich aus: "Keine Ahnung, woran es liegt. Weniger TikTok gucken oder was weiß ich, ist mir eigentlich wurscht, was sie machen."
Damit zielte er spürbar auf die vielen jungen Talente wie Startelf-Debütant Mathieu Nguefack (18) oder Wael Mohya (17) ab, die in der Schlussphase völlig überfordert wirkten. "Dass die Fehler machen, ist normal, aber nach dem zweiten, dritten, vierten Mal sollte es aufhören. Da muss man innerhalb des Spiels auch mal lernen", schob Kleindienst nach.
Der Stürmer, der sich aktuell noch von seiner schweren Knieverletzung aus der Vorsaison zurückkämpft und selbst weiter auf seinen ersten Saisontreffer wartet, forderte absolute Grundtugenden ein. "Einfach den Ball von mir aus aufs Tribünendach ballern, aber halt nicht, wie wir es gemacht haben", monierte der Kapitän und bezeichnete den Spielaufbau in der Schlussphase gnadenlos als "die größte Gülle, die wir da zusammengespielt haben."
Unsportlich? Hamann attackiert Kleindienst

Während Kleindienst seine Mitspieler abkanzelte, stand er selbst massiv in der Kritik von Sky-Experte Dietmar Hamann. Auslöser war eine umstrittene Szene vor dem Gladbacher 2:1, als Kleindienst einen Einwurf blitzschnell ausführte – obwohl er selbst den Ball als Letztes berührt hatte.
Hamann wertete dies am Sky-Tisch nicht als clever, sondern redete sich in Rage: "Er weiß hundertprozentig, dass er den Ball ins Aus spielt. Der Kleindienst wusste, dass es kein Einwurf für Gladbach ist. Für mich ist das keine Unsportlichkeit, sondern eine grobe Unsportlichkeit!"
Für Polanski und die Gladbacher wird die anstehende Auswärtsreise zum SC Freiburg nun zum Schicksalsspiel. "Es ist wichtig, klar zu bleiben und nicht nach zwei Spieltagen alles in Schutt und Asche zu legen", mahnte Sportchef Rouven Schröder. Nach den deftigen Worten seines Kapitäns dürfte das jedoch schwer werden.
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