Wenig Bewegung, viel Wirkung? Das erste Zeugnis von Bayerns Sommerneuzugängen

Der FC Bayern hat im Sommer nur punktuell nachgelegt. Vier neue Namen, wenig Aktion auf dem Papier, dafür umso mehr Verantwortung auf dem Platz. Zeit für ein erstes und ausführlicheres Zeugnis.
Die Bayern-Neuzugänge liefern
Die Bayern-Neuzugänge liefern / S. Mellar/GettyImages
facebooktwitterreddit

Auf dem Transfermarkt zeigte sich der FC Bayern im vergangenen Sommer auffallend zurückhaltend. Hinzu kamen die gescheiterten Anläufe bei Florian Wirtz und Nick Woltemade, die durchaus Zweifel an der Durchschlagskraft der Bayern-Verantwortlichen aufkommen ließen.

Statt einer großen Einkaufstour oder eines umfassenden Umbruchs setzte man auf gezielte Verstärkungen. Mit Jonathan Tah, Tom Bischof, Luis Diaz und der Leihe von Nicolas Jackson entschied sich der Rekordmeister klar für Qualität statt Quantität. Nach dem bisherigen Saisonverlauf lässt sich nun ein erstes, differenziertes Zwischenfazit ziehen.

1. Jonathan Tah - für 2 Mio. € aus Leverkusen

Jonathan Tah ist absoluter Leader
Jonathan Tah ist absoluter Leader / Sebastian Widmann/GettyImages

Auf dem Papier war der Transfer fast unspektakulär. Zwei Millionen Euro für einen Innenverteidiger, der nach der Klub-WM ablösefrei zu haben gewesen wäre. Auf dem Platz entwickelte sich Tah jedoch schnell zu einem der wichtigsten Bausteine im Bayern-Kader. Ohne lange Eingewöhnungsphase übernahm er Verantwortung, strukturierte die Defensive und gab dem Spiel von hinten heraus eine neue Ruhe.

Gemeinsam mit Dayot Upamecano bildet Tah ein Innenverteidiger-Duo, das kaum Schwächen zeigt. Physische Präsenz, sauberes Stellungsspiel und klare Entscheidungen zeichnen seinen Auftritt aus. Besonders auffällig ist dabei sein Einfluss auf die gesamte Abwehrreihe. Mit Tah wirkt das Defensivverhalten der Bayern geschlossener und stabiler als in vielen Phasen der Vorsaison.

Angesichts der geringen Ablöse und der sofortigen Wirkung gehört dieser Transfer schon jetzt zu den besten Deals des Sommers. Einen Spieler mit diesem Profil und dieser Konstanz bekommt man selten für so wenig Geld.

2. Luis Diaz - für 70 Mio. € aus Liverpool

Luis Diaz schlägt absolut ein
Luis Diaz schlägt absolut ein / A. Scheuber/GettyImages

Der größte Name des Sommers brachte zugleich die größte Erwartungshaltung mit. 70 Millionen Euro für einen Flügelspieler sorgten zunächst für Skepsis. Die Frage war, ob Diaz diese Summe rechtfertigen kann. Nach den ersten Monaten lässt sich ganz klar sagen: ja!

Diaz bringt genau das, was dem Bayern-Spiel in vielen Phasen gefehlt hatte. Tempo, Aggressivität, Laufbereitschaft und die Energie, auch defensiv mitzuarbeiten. Er ist ständig in Bewegung, sucht Eins-gegen-Eins-Situationen und zwingt gegnerische Abwehrreihen zu Fehlern.

Acht Tore und sechs Vorlagen in der Liga sprechen eine klare Sprache. Natürlich bleibt nicht jeder Abschluss erfolgreich. Gerade bei klaren Torchancen zeigte sich Diaz nicht immer eiskalt. Doch auffällig ist, dass auf jede vergebene Großchance oft ein Treffer aus nahezu unmöglicher Position folgt. Das Tor gegen Union ist dafür das beste Beispiel.

Auch die frühe Rote Karte gegen Paris ändert wenig am Gesamtbild. In dieser Halbzeit hatte Diaz bereits zwei Treffer erzielt und das Spiel entscheidend geprägt. International betrachtet zählt er bislang zu den überzeugendsten Toptransfers des Sommers.

3. Nicolas Jackson - Leihe für 16,5 Mio. € von Chelsea

Nicolas Jackson macht genau das, wofür er geholt wurde
Nicolas Jackson macht genau das, wofür er geholt wurde / Daniel Kopatsch/GettyImages

Die Leihe von Nicolas Jackson war weniger ein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Der FC Bayern brauchte eine Alternative zu Harry Kane, ohne sich langfristig festzulegen. Jackson kam mit einem schwierigen Ruf und einer sehr hohen Leihgebühr. Entsprechend kritisch wurde der Transfer begleitet.

Sportlich wartet der Angreifer noch auf den endgültigen Durchbruch. Fünf Treffer in 18 Einsätzen sind solide, aber nicht herausragend. Auffällig ist, dass Jackson seinen größten Konkurrenzkampf nicht mit Kane führt, sondern mit dem jungen Lennart Karl. Aktuell hat der Senegalese hier sogar das Nachsehen.

Trotzdem erfüllt Jackson genau die Rolle, für die er geholt wurde. Er ist Absicherung, kein Heilsbringer. Sollte in der Offensive jemand ausfallen, ist er sofort einsatzfähig. Genau diese Sicherheit wollten die Bayern. Ein Verbleib über die Saison hinaus wirkt derzeit dennoch unwahrscheinlich, doch als Übergangslösung erfüllt Jackson durchaus seinen Zweck.

4. Tom Bischof - für 300.000 € aus Hoffenheim

Tom Bischof fester Teil des Kaders
Tom Bischof fester Teil des Kaders / Sebastian Widmann/GettyImages

Der vielleicht stillste Transfer entpuppt sich zunehmend als einer der spannendsten. Für gerade einmal 300.000 Euro kam Tom Bischof aus Hoffenheim nach München. Eigentlich als Perspektivspieler eingeplant, ist er längst Teil der aktiven Rotation geworden.

18 Einsätze sprechen eine deutliche Sprache. Bischof wurde sowohl im zentralen Mittelfeld als auch als linker Verteidiger eingesetzt und zeigte dabei eine erstaunliche Reife. Er bringt Laufstärke, Spielintelligenz und ein gutes Gespür für Räume mit. Besonders auffällig ist seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Rollen.

Dazu kommt seine Rolle als Kapitän der deutschen U21. Bischof ist längst mehr als nur ein Talent für die Zukunft. Für die kommenden Jahre haben die Bayern hier eine echte Option im Mittelfeld. Diese Entwicklung dürfte perspektivisch auch Auswirkungen auf die Rolle von Leon Goretzka haben.

Das Fazit für den FC Bayern

Der FC Bayern hat im Sommer wenig gemacht, aber vieles richtig. Jonathan Tah ist sofortige Stammkraft und Defensivanker, Luis Diaz prägt die Offensive und gehört zu den besten Transfers des Sommers. Tom Bischof ist längst mehr als ein Projekt und Nicolas Jackson erfüllt seine Rolle als Absicherung.

Die einzige Kritik bleibt die geringe Anzahl an Neuzugängen. Inhaltlich jedoch hat jeder Transfer genau das geliefert, was man sich erhofft hatte. Insgesamt war es eine starke und sehr effiziente Transferphase der Bayern.


Weitere FC Bayern-News lesen:

feed