VfB-Alarm: Hoeneß kritisiert fehlende Durchlässigkeit im Nachwuchs

Sebastian Hoeneß kritisiert trotz des sportlichen Erfolgs seiner Mannschaft die Nachwuchsarbeit der Schwaben hart.
Sebastian Hoeneß sieht Verbesserungspotenzial in der Jugendarbeit des VfBs
Sebastian Hoeneß sieht Verbesserungspotenzial in der Jugendarbeit des VfBs / picture alliance/GettyImages
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Beim VfB Stuttgart überwiegt derzeit die sportliche Zufriedenheit: Die Schwaben mischen in der Bundesliga oben mit und präsentieren sich auch in Europa League und DFB-Pokal stark. Doch Trainer Sebastian Hoeneß sieht nach Bild-Informationen trotz des Fortschritts der letzten Jahre einen wunden Punkt – die Nachwuchsarbeit.

Laut Hoeneß könne man "nicht zufrieden sein“ mit der Entwicklung im vereinseigenen Nachwuchsleistungszentrum, da seit inzwischen elf Jahren kein Talent mehr den dauerhaften Sprung aus dem NLZ in die Profi-Mannschaft geschafft habe. Damit prangert der Coach ein strukturelles Problem im Unterbau des Klubs an. Zwar haben es junge Spieler wie Finn Jeltsch (19) oder Chema Andres (20) in die erste Mannschaft geschafft, doch beide stammen nicht aus dem Stuttgarter Nachwuchs, sondern wurden extern verpflichtet.

Der letzte echte NLZ-Durchbruch liegt weit zurück: Timo Baumgartl schaffte es vor über einem Jahrzehnt nach oben und startete anschließend in der Bundesliga durch. Seither aber sei es dem VfB nicht gelungen, ein eigenes Talent nachhaltig zu integrieren. Ein ausdrücklicher Fehler, der Hoeneß deutlich irritiert.

Hohe Kaderqualität erschwert den Durchbruch

Ein wesentlicher Grund für die Kritik liegt in der gestiegenen Leistungsdichte der aktuellen VfB-Mannschaft. Die Kaderqualität hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dies ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass junge Talente nur noch selten auf nennenswerte Einsatzzeiten kommen. Zu den Spielern, die derzeit zwischen Profi- und Reservemannschaft stehen, zählen etwa der 18-jährige Mittelfeldspieler Mirza Catovic und der 19-jährige Verteidiger Christopher Olivier.

Mehrere Nachwuchsspieler des VfBs wie Christopher Olivier stehen leistungsmäßig zwischen den Ligen
Mehrere Nachwuchsspieler des VfBs wie Christopher Olivier stehen leistungsmäßig zwischen den Ligen / picture alliance/GettyImages

Gleichzeitig steht der Klub wirtschaftlich so stabil da wie lange nicht mehr und kann sich kostspieligere externe Verstärkungen leisten. Das erhöht den Konkurrenzdruck zusätzlich und erschwert es Spielern aus dem eigenen Nachwuchs, sich nachhaltig anzubieten. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth beschreibt die Herausforderung deutlich: Man stoße "an Grenzen, wenn gute individuelle Entwicklungen dazu führen, dass die Anforderungen beim VfB Stuttgart II in der dritten Liga nicht mehr ausreichen, der Schritt in die Lizenzmannschaft aber noch zu groß ist.“

Neue Leihstrategie soll den Talentstau lösen

Die Verantwortlichen beim VfB haben inzwischen auf die Stagnation in der eigenen Talentförderung reagiert und die Nachwuchsstrategie spürbar angepasst. Künftig soll der Übergang von der Jugend zu den Profis stärker über gezielte Leihen in die 2. Bundesliga erfolgen. Die jungen Spieler sollen dort unter höherem Wettbewerbsdruck reifen, bevor sie in Stuttgart eine echte Chance erhalten. Diese Neuausrichtung zeigt bereits erste Wirkung. Im vergangenen Sommer wurden mehrere hochveranlagte Talente in die zweithöchste deutsche Spielklasse ausgeliehen.

Darunter Ausnahmetorhüter Dennis Seimen (20), der beim SC Paderborn Spielpraxis auf Profi-Niveau sammelt und langfristig als mögliche Nummer eins beim VfB aufgebaut wird. Auch Offensivtalent Jarzinho Malanga zog es vorübergehend zum SV Elversberg 09, während Laurin Ullrich beim 1. FC Magdeburg wichtige Einsatzminuten erhält.

Alle drei Spieler gelten als Perspektivprofis, die mittelfristig in den Stuttgarter Profikader aufrücken und dort echte Leistungsträger werden sollen. Damit deutet sich eine vielversprechende Kurskorrektur in der Nachwuchsarbeit an. Ein notwendiger Schritt, um den sportlichen Erfolg des VfB langfristig abzusichern.


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